Auch die schönste Kindheit ist irgendwann zu Ende. Manche Kinder machen sich schon mit neun Jahren auf den Weg ins Erwachsenenleben. Auch wenn es die Eltern noch so sehr schmerzt, dass ihr Küken langsam flügge wird - die Pubertät lässt sich weder durch geschenkte Puppen noch durch strenge Regeln aufhalten. "Die körperlichen und psychischen Veränderungen im Jugendalter werden durch hormonelle Abläufe eingeläutet. Eltern können das nicht beeinflussen", sagt Sybille Herold, Autorin von "300 Fragen zur Pubertät". Es hilft also nichts: Die ganze Familie muss sich der Pubertät stellen.
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Erziehungsberaterin Claudia König hebt als solide Basis für diesen oft nervenaufreibenden Entwicklungsschritt die Eltern-Kind-Beziehung besonders hervor. "Mit der Pflege dieser Verbindung sollte man bereits lange vor der Pubertät beginnen. Eine gleichwertige, gewaltfreie Kommunikation mit Kindern und Problemlösekompetenz in Konflikten von Seiten der Eltern prägen eine positive Familienatmosphäre und helfen durch die schwierige Umbruchzeit im Jugendalter", sagt König. Dafür sollen sich Eltern fit machen und sich gegebenenfalls kompetente Unterstützung holen.
Denn wenn die Pubertät erst einmal da ist, kommt es meist zu regelmäßigen Auseinandersetzungen zwischen den Jugendlichen und ihren Eltern. Streitthemen wie Kleidung, Ausgehen oder Zimmer aufräumen können den Familienfrieden beständig stören. "Es gehört zur Pubertät dazu, dass die Jugendlichen ihre Grenzen austesten. Dabei lernen sie, für ihre Meinung einzustehen und Kompromisse zu finden", erklärt Sybille Herold. Eltern sollten jedoch darauf achten, dass die Streitigkeiten nicht überhand nehmen. "Wenn über alles diskutiert wird, haben die Jugendlichen das Gefühl, nur noch gegängelt zu werden. Das führt zu Frust und schlechter Stimmung", warnt Sybille Herold. Bevor das Zuhause zum Kriegsschauplatz ausartet, sollte man sich also überlegen, welche Prioritäten man setzen möchte. Ist beispielsweise die Unordnung im Jugendzimmer ein dauerndes Reizthema, stellt sich die Frage, ob man seine Forderungen auf ein Minimum herunterfahren könnte.
Im Leben eines Pubertierenden nimmt die eigene Familie meist eine eher untergeordnete Rolle ein. "Der Freundeskreis ist in diesem Alter besonders wichtig und interessant. An Familienunternehmungen teilzunehmen, scheint den Jugendlichen dagegen langweilig", sagt Sybille Herold. Eltern sollten jedoch trotzdem darauf achten, in regelmäßigen Abständen schöne Familienmomente zu schaffen. "Man sollte den Kindern klar machen, dass man selbst auch Bedürfnisse hat. Für Taschengeld, Wäschewaschen und Kochen kann man schließlich auch ein bisschen Familienzeit einfordern", sagt Sybille Herold. Gleichzeitig sei es jedoch wichtig, auch Verständnis für die neuen Interessen der Jugendlichen aufzubringen und den wöchentlichen Spieleabend nicht auf die Haupt-Ausgehzeiten Freitag oder Samstag zulegen.