27.04.2009, 14:22 Uhr | rev; Pons Verlag "Wörterbuch der Jugendsprache"
Jugendsprache am Mittagstisch: Das passt meistens nicht. (Foto: Imago)
"Checken", "chillen", "cruisen". Alles klar? Nein? Dann gehören Sie vermutlich zu den vielen Erwachsenen, die nicht alles verstehen, was ihre Kinder sich untereinander zu erzählen haben. Jede Generation hat ihre eigene Jugendsprache und trotzdem sind es immer wieder die "Älteren", die sich über die Ausdrucksweise der Teenager aufregen. Ob sie es wollen oder nicht, irgendwann müssen sich alle Eltern mit Jugendsprache auseinandersetzen. "Eltern sollten sich bewusst entscheiden, inwieweit sie sich auf die jugendliche 'Geheimsprache' einlassen wollen" sagt Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Autor mehrerer Erziehungsratgeber. Interessierte Eltern können sich hier über die kreativsten Wortkonstruktionen und gängigsten Ausdrücke der heutigen Jugend- und Chatsprache informieren.
Jugendsprache ist kein neues Phänomen. Junge Menschen definieren ihre Identität - bewusst oder unbewusst - zu einem großen Teil über Sprache. Die Ausbildung einer eigenen Persönlichkeit bedeutet gleichzeitig auch immer eine Abgrenzung. Über unter anderem Kleidung, Musik und eben eine eigene Sprechweise grenzen sich Jugendliche von der Erwachsenenwelt ab. In die Jugendsprache fließen Ausdrücke, Sätze und Zitate ein, welche die Heranwachsenden in Filmen und von Popstars oder angesagten Komikern gehört haben. Gleichaltrige wissen sofort, was gemeint ist, nehmen die neuen Ausdrücke auf und verbreiten sie weiter - sie schauen schließlich die gleichen Serien, Videoclips und hören ähnliche Musik. Eltern allerdings stehen der neuen Sprechweise häufig ratlos gegenüber. Sie sind ausgegrenzt.
Wie aber genau hört sich Jugendsprache an? Der Ausdruck "Gammelfleischparty" wurde zum Jugendwort des Jahres 2008 gewählt - seine Bedeutung: Party für Erwachsene über 30 Jahre ("Ü 30-Party"). Andere Beispiele gefällig? "Ikea-Kind" bedeutet Schwede. Oder kennen Sie die "Rentner-Bravo"? Das ist nichts anderes als die "Apotheken Umschau". Diese und andere originelle Bezeichnungen lassen sich heutzutage in verschiedenen Wörterbüchern zum Thema Jugendsprache nachschlagen. Dabei ist es eigentlich unmöglich, Jugendsprache wirklich in einem Lexikon darzustellen. Denn was Jugendsprache vor allem auszeichnet, ist ihre Schnelllebigkeit. Ausdrücke, die in einem Monat noch gebräuchlich sind, werden im nächsten längst nur noch von denen benutzt, die den Anschluss verpasst haben. Um trotzdem einige typische Merkmale von jugendlichem Sprechverhalten aufzuzählen: Die Jugendsprache der Gegenwart wird stark bestimmt durch Anglizismen, neue Wortbildungen, Ironie, Zitate aus Film, Musik und Fernsehen und Satzverkürzungen - statt "Hast du Lust, dich heute mit mir zu treffen?" heißt es nur noch "Bock zu treffen?" Neben die gesprochene Jugendsprache gesellt sich zudem eine spezielle Art der schriftlichen Kommunikation unter Jugendlichen: Chat- und SMS-Texte sind in einem extrem hohen Maß von Abkürzungen durchzogen, denen Erwachsene in den seltensten Fällen folgen können.
Statt sich über die eigenwillige Ausdrucksweise der eigenen Kinder zu ärgern, sollten Eltern sich überlegen, wie sie damit umgehen: Dazu gehöre zum einen die Entscheidung, ob man selbst Worte wie "cool" oder "crazy" in sein Vokabular aufnehmen möchte, was jedoch von den Teenagern meistens als peinlich empfunden wird. Viel wichtiger ist die Frage, ob Eltern ihrem Nachwuchs erlauben sollte, bestimmte Wendungen im Familienkreis zu verwenden. Will man zum Beispiel am Mittagstisch den Satz "Hey Alte, schmeiß mal die Kartoffeln rüber!" hören? "Hier sollte man klare Grenzen setzen", rät Rogge. Die Sprache sollte allgemein verständlich sein und dürfe keinesfalls andere Menschen kränken oder herabsetzen. Die Jugendlichen müssen schon für das spätere Berufsleben begreifen, dass übertriebene Umgangssprache oder Slang auf Ablehnung stoßen kann.
"Es ist jedoch sinnlos, eine Liste mit verbotenen Wörtern anzulegen, da es auf den Kontext des Gesagten ankommt", erläutert Rogge. Jede Familie müsse daher ihre eigenen Sprechgewohnheiten überprüfen und eigene Grenzen finden. Hier sei auch das Vorbild der Eltern gefragt, betont Rogge. Denn nur wenn die Eltern selbst keine Begriffe benutzten, die andere Menschen oder bestimmte Berufsgruppen in irgendeiner Weise diskriminieren, könnten sie dies auch von ihrem Nachwuchs einfordern. Manche Eltern von pubertierenden Kindern schauen auch ins Internet oder kaufen sich sogar ein Buch, um bestimmte Begriffe der Jugendsprache nachzuschlagen. "Davon halte ich nichts", sagt Rogge. Er plädiert dafür, stets die Jugendlichen nach der Bedeutung eines Wortes zu fragen und so mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Quelle: t-online.de , ddp
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