17.10.2011, 13:10 Uhr
Lehrer: Traumberuf oder Alptraum? (Quelle: imago)
Alexandra K. (Name von der Redaktion geändert) ist 36 Jahre alt und Lehrerin einer Praxisklasse an einer Förderschule im Kreis Frankfurt. Sie unterrichtet alle Fächer bis auf Religion und Musik. In den Praxisklassen lernen die Schülerinnen und Schüler in Schule und Betrieben. Der Besuch einer Praxisklasse erstreckt sich über zwei Jahre und sollte mit dem Hauptschulabschluss und/oder der Anbindung in einem Betrieb beendet werden. Die Schülerinnen und Schüler der Praxisklassen sind drei Tage pro Woche in der Schule und arbeiten an zwei Tagen pro Woche in einem Betrieb. Innerhalb der zwei Jahre sollen die Schüler mindestens drei verschiedene Betriebe kennen lernen.
Wir haben einen Altbau und einen Neubau, wobei der Neubau top ist, der Altbau könnte mal saniert werden. Die Ausrüstung ist insgesamt ganz gut, mittlerweile haben wir sogar Activboards mit Anschluss an den Computer. Allerdings sind die Fachräume nicht auf dem neuesten Stand, das fällt bei Fächern wie beispielsweise Biologie auf. Wir haben im Schnitt 13 Schüler. Das ist auch die Obergrenze für unsere Klassen. Wir würden besser arbeiten, wenn es weniger wären, da sie eine enge Betreuung brauchen.
Wir haben eigentlich ein sehr gutes Verhältnis. Natürlich gibt es immer wieder mal Spannungen und sie sind manchmal böse auf mich. Ich versuche mich daran zu orientieren, wie die Stimmung in der Klasse ist. Manchmal kann ich keinen Unterricht nach Vorschrift machen, weil ich auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen muss. Da wird dann das Arbeiten an der sozialen Kompetenz wichtiger als der Fachunterricht. Deshalb sind Praxisklassen auch freier in ihrem Unterrichtsstoff.
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Ja, auf jeden Fall ist sie wichtig. Es ist teilweise sehr schwer für uns die Schüler-Konflikte zu lösen. Die Schulsozialarbeiter haben dafür mehr Zeit. Sie sind eine große Unterstützung.
Wir sind tendenziell eher Einzelkämpfer. Wir haben kaum teambildende Maßnahmen und wenn, werden sie nicht wirklich angenommen. Außer dem pädagogischen Tag läuft eigentlich nichts.
Oft schwierig. Wir haben eine sehr schlechte Kommunikationsstruktur. Viele Schüler sind auch ganz toll, aber einige haben nie gelernt Konflikte zu lösen. Konfliktfälle sind eigentlich an der Tagesordnung. Oft fängt ein Streit ganz harmlos an, da wird im Spaß gerauft und sich geärgert, und plötzlich kippt es und es gibt einen richtigen Streit. Es kommt ständig zu Beleidigungen und kleineren Schlägereien, so gehen die Kids einfach miteinander um.
Ja, meistens verbaler Natur. Manche Schüler suchen nach Schwachstellen bei den anderen und ziehen die dann deswegen auf. Das ist aber eher Jahrgangsübergreifend, in der Klasse haben wir es weniger. Direkte Präventionsmaßnahmen haben wir keine, allerdings ist ja unser gesamter Unterricht so aufgebaut, dass das Thema behandelt wird. Wir versuchen schon im Unterricht soziale Strukturen zu schaffen. Die Arbeit an der sozialen Kompetenz steht mehr im Vordergrund als der Fachunterricht. Das ist auch wichtig für die Zeit im Praktikum. Es kommt oft vor, dass wir nach der Pause erst mal zusammen an der Konfliktlösung arbeiten müssen. Da arbeitet dann die ganze Klasse mit und jeder lernt dadurch.
Lehrer sind da außen vor. Meistens haben wir ja, wie gesagt, Raufereien und nur manchmal kleinere Schlägereien. In der Schule läuft da zum Glück nicht viel. Wir haben natürlich Schüler, die ganz klar gewaltbereit sind, die auch schon aktenkundig sind, doch so was läuft weniger an der Schule, sondern eher im privaten Bereich. Da leben manche Kids das aus. Es gab natürlich auch schon mal Fälle an unserer Schule, da war das anders und es hat jemand massiv geschlagen. Doch der musste die Schule dann auch verlassen. Solche Schüler bekommen zwar ihre Chancen, aber wenn es nicht geht, müssen sie gehen. Das ist auch wichtig für den Schutz unserer anderen Schüler.
In jedem Fall schwänzt jeder Zehnte, das denke ich auch.
Wir versuchen vor allem mit Schülern und Eltern gemeinsam zu arbeiten. Und die Gründe zu finden, warum der Schüler schwänzt. Außerdem erarbeiten wir mit dem Schüler und den Eltern Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken. Doch wenn die Eltern nicht mitmachen wird es schwer. Wir haben auch Eltern, die legen der Schule und der Schullaufbahn ihrer Kinder eine große Gleichgültigkeit an den Tag, dann können wir sehr wenig machen. Die Kinder wissen, dass ihre Eltern desinteressiert sind und das tut ihnen weh. Auch, wenn sie das natürlich nie zugeben würden.
Die Hauptgründe fürs Schwänzen sind Frustration, mangelnder Erfolg und natürlich wollen viele lieber mit den Freunden rumhängen. Ist es im Freundeskreis normal, nichts zu arbeiten oder nicht zur Schule zu gehen, bekommt man die Kids aus dem Kreis kaum raus. Es macht natürlich mehr Spaß, mit ihnen abzuhängen, als bei uns auf der Schulbank zu sitzen. Gegen die fehlende Motivation versuchen wir anzugehen und sie zu fördern, um ihnen auch mal Erfolgserlebnisse zu geben.
Ja, ich bin gerne Lehrerin. Ich arbeite einfach gerne mit Kindern und Jugendlichen.
Das nicht, aber an der Leistungsgrenze war ich schon. Wir haben so viel zu tun und wenn dann schwierige Schüler dazu kommen, kann das ganz schön an Grenzen gehen.
Quelle: t-online.de
Martin schrieb:
am 17. Oktober 2011 um 16:26:02
(1)
(0)
Lehrer sind Einzelkämpfer
Den Aussagen dieser Kollegin kann ich vollzustimmen. Was aber noch zu ergänzen wäre ist die Tatsache, daß die
Anzahl der Förderschullehrer zu gering ist und in diesem Bereich die Anzahl der abgeordneten Lehrer immer größer wird. Das heißt , es müssen Kollegen dort arbeiten, die dafür überhaupt keine Ausbildung haben. Was dabei herauskommt, erlebe ich jeden Tag.Auch das Verhältnis weibliche - männliche Kollegen muß in solchen Schulen verändert werden. Auch die Klasssenstärke muß geringer werden.
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