02.02.2009, 08:48 Uhr | rev
"Serious Games" sind längst etabliert als effiziente Lernmethode. (Bild: Imago)Lernspiele, sogenannte "Serious Games", werden in Schulen und Firmen ein immer wichtigeres Instrument der Weiterbildung. Rein rechnerisch führen sie im Bereich Unterhaltungssoftware zwar noch ein Nischendasein. "Mehr und mehr Firmen investieren inzwischen aber für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter in Computerspiele, die sie speziell für ihre Bedürfnisse entwickeln lassen und mit denen sie ihre Mitarbeiter schulen", sagt die Düsseldorfer Game-Design-Professorin Linda Breitlauch im Gespräch. "Bei größeren Firmen sind das dann schon mal zehn bis 20 Prozent des Weiterbildungsbudgets", erklärt sie im Vorfeld der Karlsruher Bildungstechnologie-Messe Learntec. "Serious Games" sind das Schwerpunktthema der Learntec 2009 (3. bis 5. Februar).
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"Solche Spiele eignen sich hervorragend, etwa strategisches und wirtschaftliches Denken und planerische Fähigkeiten zu fördern." Auch für Schulen begleitend zum Lehrmaterial seien "Serious Games" bestens geeignet. "Diese Spiele sind optimal gerade für Themen und Fächer, in denen man stur lernen und ochsen muss", sagt Breitlauch, die auf der Learntec mehrere Vorträge zu dem Thema hält. "Die Kinder spielen und werden für jede richtige Antwort, jede richtige Vokabel belohnt." Die Effizienz von spielerischem Lernen sei schon seit langem wissenschaftlich erwiesen.
Auch Erwachsene lernten beim Spielen schneller, leichter und bereitwilliger. "Das ist gar nichts Neues", sagt Breitlauch. Allerdings nutzten Schulen diese Erkenntnis noch zu wenig. "Von solchen Spielen könnte es dort viel mehr geben." Für das Erlernen von Sprachen oder Fächern wie Geschichte seien "Serious Games" sehr gut geeignet. Erste Studien belegten inzwischen den Erfolg dieser Lernspiele.
Allerdings könnten Lernspiele nicht jedes Lerngebiet gleichermaßen erfolgreich oder sinnvoll begleiten. "Gerade wenn es um soziale Kompetenz, also etwa Verhalten beispielsweise im Umgang mit Kunden geht, bringen 'Serious Games' nicht so viel", sagt die Wissenschaftlerin. Sie lehrt als erste und bislang einzige Professorin Game Design an der Düsseldorfer Media-Design-Hochschule. Wenn man einem Verkäufer beibringen wolle, wie er höflich mit Kunden umgehe, sei das persönliche Coaching oftmals besser.
Auch setze die am Bildschirm mögliche Motorik Grenzen für die Anwendung solcher Spiele. "Wenn etwa ein Arzt lernen will, wie man am offenen Herzen operiert, dann sollte er letztlich doch lieber in der Pathologie üben", sagt sie. Ein gelungenes Beispiel für ein "Serious Game" sei hingegen etwa "Techforce", in dem Spieler lernen können, wie Metallteile gefräst oder Glühbirnen gebastelt werden und das junge Menschen für Metallberufe interessieren soll.
Die Entwicklung eines Spiels koste zwischen einigen zehntausend und mehreren Millionen Euro - etwa bei einem "Spiel mit 3-D-Umgebung und einer Spielzeit von 30 oder 40 Stunden". Spiele etwa für einen Gameboy oder kleine, tragbare Spielkonsolen seien sehr günstig zu entwickeln. "Wenn ich eine Firma hätte, dann würde ich jedem Mitarbeiter so ein kleines Gerät kaufen und sie dann je nach Weiterbildungsbedarf hin und wieder mit einem klugen Chip versorgen", sagt sie. "So macht Weiterbildung Spaß."
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Quelle: dpa
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