20.07.2011, 14:53 Uhr
Eine Besucherin betrachtet im Haus der Geschichte in Bonn eine "Lara Croft" Figur. (Foto: Henning Kaiser dpa)
"Wie Du wieder rumläufst!" - "Was soll bloß aus Dir werden?" - "Das hat ein Nachspiel!" Das sind nur einige anscheinend zeitlose Elternsprüche, die Jugendliche hören müssen. Von dort schallt es zurück: "Ihr seid peinlich." Die giftigen Töne beider Konfliktparteien empfangen den Besucher gleich zu Beginn einer Sonderausstellung zur schwierigen Jugendzeit im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Die bunte Schau mit dem Titel "Mit 17 ... Jung sein in Deutschland" ist bis zum 9. April 2012 zu sehen.
Die Reibungen zwischen Jugendlichen und ihren Erzeugern kehren mit jeder Generation wieder - oft sogar in den gleichen verbalen Auseinandersetzungen. "Knapper geht der Rock wohl nicht!" Das sagten Väter vor 40 Jahren und auch heute. Für die Jugend ist der Konflikt mit den Eltern aber nur ein Ausschnitt aus ihrem Alltag, denn spätestens mit der Pubertät baut sie sich eine eigene Welt, wie die Ausstellung facettenreich zeigt.
Dabei fällt auf: Über einen Kamm zu scheren ist die Jugend zu keiner Zeit. Die Idole reichen von Che Guevara bis zu "Rocky" (Sylvester Stallone), die Freizeitgestaltung vom Skaten bis zum Musizieren, das Styling vom Piercing bis zur besonderen Jeans- oder Unterhosenmarke. Und auch mit Klischees ist die Jugend nicht zu packen. Was ist sie heute? Faul? Angepasst? Eine Herde von Komasäufern ("Saufen, bis der Arzt kommt")? Eine "Generation Doof" oder eine "Generation Facebook" oder etwa die "Generation Porno"?
Sind sie "Provos", "Stinos" (Stinknormale) oder bemitleidenswerte "Nerds" oder "Emos"? Dabei macht die Jugend meist nur vor, was später "Mainstream" wird. "Die Jugendlichen sind oft Vorreiter für das, was später in der Gesellschaft zum Allgemeingut wird", sagte der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, Professor Hans Walter Hütter, zur Ausstellungseröffnung in Bonn.
Gezeigt werden mit Fotos, Film- und Tondokumenten Entwicklungen und Trends seit dem Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Die Themen reichen von eigenen Idealen und Träumen bis hin zu Sexualität, Rebellion, Religion und Ausbildung. Rund 800 Exponate ziehen den Blick an und stehen exemplarisch für Einstellungen und Moden - auch längst vergangene.
Der frühen Sexualität wird viel Platz eingeräumt. Original-Briefe an "Dr. Sommer", den Aufklärungsberater der Jugendzeitschrift "Bravo", zeugen von prüden Zeiten. Als Klamauk ist wohl der Kondom-Automat "Herzenslust" gedacht, an dem mutige Besucher für 50 Cent eine Packung Präservative mit dem Plakatlogo der Ausstellung ziehen können.
In der DDR mussten die Jugendlichen mit der SED-Diktatur und Eingrenzungen klarkommen. Die westliche Kultur und US-Rockbands wurde von vielen im Verborgenen angehimmelt. Am 17. Oktober 1965 warnte das SED-Blatt "Neues Deutschland": "Den Anfängen wehren: Moralische Zersetzung wird leicht zur politischen Zersetzung."
Quelle: dpa
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