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Adoption: Chance auf ein besseres Leben

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Adoption - Chance auf ein besseres Leben

01.02.2010, 12:25 Uhr | Simone Blaß

Schlafender Säugling.

Adoption: Der Weg zum Wunschkind für unfruchtbare Eltern? (Bild: Imago) (Quelle: imago)

Eine Adoption ist immer auch mit einer ganzen Menge Emotionen verbunden. Da sind einmal die Eltern, die sich oft schweren Herzens entscheiden, ihr Kind in andere Hände zu geben und damit komplett loszulassen. Da sind diejenigen Menschen, die diesem Kind ein neues Zuhause schaffen und natürlich die Kinder selbst, die ihr Leben lang damit klarkommen müssen, dass ihre leiblichen Eltern sie weggegeben haben. Eltern.t-online hat sich mit Menschen unterhalten, deren Leben durch eine Adoption eine neue Wendung erfahren hat.

Es kann nur eine Mutter geben

„Ich bin froh, dass ich genau diese Eltern habe. Ich möchte gar keine anderen. Sie waren immer für mich und meinen ebenfalls adoptierten Bruder da, haben uns alles ermöglicht und alles dafür getan, dass es uns gut geht. Und jetzt beginnt die Zeit, in der ich ihnen all das Liebevolle Stück für Stück zurückgeben kann.“ So fasst Rocco die Beziehung zu seinen Adoptiveltern zusammen. Der Vierzigjährige kam bereits mit vier Tagen zu seiner neuen Familie, die von Anfang an, wie es Fachleute auch raten, kein Geheimnis aus der Adoption machte. So handhaben es auch Nicole und Mark, die vor knapp drei Jahren ein Neugeborenes adoptiert haben. „Wir sagen ihm immer, dass er in einem anderen Bauch gewachsen ist und direkt nach der Geburt in unsere Arme kam.“ Doch früher oder später tauchen meist die Fragen nach der tatsächlichen Herkunft auf. „Wirklich registrieren kann man das Ganze erst in einem Alter, in dem man es auch verarbeiten kann“, erklärt Rocco. „Ich habe mich gleich mit achtzehn aufgemacht, um meine Erzeugerin und meinen Erzeuger zu suchen. Ich wollte meine Neugier stillen, meine vielen Fragen beantwortet haben. Warum haben sie mich weggegeben, woher habe ich bestimmte Charaktereigenschaften, das Aussehen? Meine Mutter weinte in dem Moment, in dem ich ihr erklärte, dass ich mich auf die Suche nach meinen Wurzeln machen möchte. Sie hatte Angst, mich zu verlieren. Aber ich habe ihr gesagt, dass man nur eine Mama und einen Papa haben kann in seinem Leben und dass ich das Treffen nur aus reinem Interesse heraus möchte und das hat sie beruhigt.“

Ratgeber - Wie funktioniert eine Adoption?

Die Suche nach den leiblichen Eltern kann schmerzhaft sein

Weil er bei seinen Nachforschungen alleine nicht weiterkam, hat Rocco den Weg über eine Talkshow gewählt. „Es war schon seltsam zu hören, dass ich Geschwister habe, die erst einen Tag vor der Sendung erfahren haben, dass es mich überhaupt gibt. Auf meine Frage nach dem 'Warum' sagte diese Frau, sie hätte kein Geld gehabt und hätte mich ja nicht verhungern lassen können. Für mich klingt das ziemlich nach Ausrede, schließlich hatte sie schon drei Kinder vor mir und die hat sie auch nicht weggegeben, nur mich!“ War diese Tatsache schon verletzend genug, so hat es Rocco als besonders schlimm empfunden, dass seine leibliche Mutter kein Wort über den Vater sagen wollte. Damit bleibt nach wie vor ein weißer Fleck in Roccos Lebenspuzzle.

Wartezeiten sind oft nervenaufreibend

Genauso wird es wohl auch einmal Grace gehen. Das Mädchen, das inzwischen von seinen Adoptiveltern den Zweitnamen Stella, also "Stern", bekam, war vier und lebte nach einer anonymen Geburt in einem indischen Waisenhaus, bevor sie von Andrea und Harald adoptiert wurde. Die beiden konnten keine eigenen Kinder bekommen und nach neun künstlichen Befruchtungen ohne Erfolg gaben sie zunächst die Hoffnung auf. „Aber der Gedanke an ein Kind, dem ich meine Liebe schenken kann und das 'Mama' zu mir sagt, hat mich nie ganz losgelassen“, erinnert sich Andrea und sie ist sich sicher: „Es war die beste Entscheidung unseres Lebens.“ Da beide zu diesem Zeitpunkt bereits etwas älter waren und ihre Chancen auf ein kleines Kind in Deutschland nicht besonders hoch einschätzten, entschieden sie sich für eine Auslandsadoption. „Die Länder stellen zum Teil sehr unterschiedliche Voraussetzungen an die Bewerber. Wir haben uns für Indien entschieden, weil wir bereits vorher eine Affinität zum indischen Kulturkreis hatten. Aber auch hier werden Altersgrenzen gesetzt, gemeinsam durften wir das Alter von neunzig Jahren nicht überschreiten.“ Auch eine Auslandsadoption geht nicht von heute auf morgen. Andrea und Harald mussten insgesamt zwei Jahre auf Stella warten. „Unsere lange Bewerberzeit und die oft nervenaufreibende Wartezeit, in der es immer wieder Verzögerungen gab, die wir nicht nachvollziehen konnten, war für meinen Mann und mich unsere 'Schwangerschaft'. Wir haben in der Zeit oft versucht, uns unser zukünftiges Kind vorzustellen. Wird es ein Junge sein oder ein Mädchen, wie alt wird es sein, wie wird es aussehen, ist es gesund und werden wir uns im wahrsten Sinne des Wortes 'riechen' können?“, erzählt Andrea, die ihre Erfahrungen in einem Buch mit dem Titel "Stella, unser Stern aus Indien" verarbeitet hat.

Aller Anfang ist schwer

Hinzu kam die Befürchtung, zu einem adoptierten Kind vielleicht gar nicht so eine Beziehung aufbauen zu können wie zu einem leiblichen sowie die Angst, vom Kind abgelehnt zu werden. Und tatsächlich war das Mädchen zunächst sehr zurückhaltend. „Wir hatten so lange gewartet, gehofft, gebangt und wollten ihr so viel Liebe geben und 'unser' Kind wies uns ab. Aber ihre Schüchternheit und Vorsicht uns gegenüber haben wir als große Charakterstärke gesehen. Sie musste erst beobachten, abwägen, sich sicher sein, bevor sie sich auf ihr neues Leben einlassen konnte. Das kleine Mädchen hat unglaublich schmerzhaft mit sich gekämpft.“ Und auch, wenn Andrea und Harald das Verhalten des Kindes nachvollziehen konnten, hat es ihnen weh getan. „In unseren ersten schwierigen Tagen haben wir oft geweint! Aber heute ist die Kleine acht Jahre alt, besucht die zweite Klasse und unsere Beziehung zueinander ist so eng und herzlich, dass Stella mir ganz oft sagt, sie wäre am liebsten in meinem Bauch gewesen. Sie freut sich über jede Ähnlichkeit, die sie bei uns beiden entdeckt.“

Ganz der Papa

Auch Nicole bestätigt diese Erfahrung. „Wir sind als Familie zusammengewachsen. Und immer wieder passiert es uns, dass jemand, der nichts von der Adoption weiß, uns zum Beispiel im Urlaub sagt, der Kleine sehe ja aus wie der Papa. Wir lächeln dann einfach nur.“ Nicole, die bereits mit 15 Jahren wusste, dass sie keine leiblichen Kinder bekommen könne und für sie nur eine Adoption in Frage käme, freut sich darüber, dass alles unproblematisch verlief. „Wir haben insgesamt nur 14 Monate auf einen Säugling in Deutschland gewartet. Wir hatten wohl einfach Glück. Und wir haben uns immer gesagt, die Leute vom Amt sind auch nur Menschen, die ihren Job machen und das ist nun mal so, um uns zu prüfen. Dabei haben wir die Hoffnung nie aufgegeben, dass es klappen wird. Und dann wurde ja auch der lang ersehnte Wunsch wahr.“ Zur leiblichen Mutter besteht kein Kontakt, aber Tim hat es besser getroffen als Rocco und Stella. „Wir haben Bilder von seiner Mutter und dem Vater. Und einen Brief für den Kleinen und einen für uns. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir ihm das später zeigen können. Schließlich ist es normal, wenn er mal wissen möchte, wie seine leiblichen Eltern aussehen.“

Die Frage nach einem weiteren Kind will gut überlegt sein

Bis vor kurzem hätte Nicole die Frage nach einem weiteren Kind noch mit einem glatten "Ja" beantwortet. Heute ist sie sich da nicht mehr so sicher. „Wir hatten so viel Glück mit dem Kleinen. Was man so manchmal von anderen hört, da bekommt man schon Angst. Und wir haben Bedenken, wie es für ihn wäre. Schließlich ist eine Adoption keine Schwangerschaft, in der man Zeit hat, das Kind vorzubereiten. Damals gab es ja nur uns zwei, aber inzwischen müssen wir auch Rücksicht auf den Kleinen nehmen.“ Doch die beiden sind noch auf der Liste der Adoptionswilligen. Und letztendlich geht es ihnen wie vielen Eltern, die sich überlegen, noch ein Kind zu bekommen, egal auf welchem Weg. „Wir sind zufrieden mit dem, wie es ist und nehmen, was kommt.“


Simone Blaß  

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