04.07.2011, 15:59 Uhr
Der Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen ist weiter angestiegen. (Foto: imago)
Trotz Verbots verkaufen viele Händler hochprozentigen Alkohol an Jugendliche. Darauf weisen Testkäufe in mehreren baden-württembergischen Städten hin. So konnten in Mannheim Jugendliche in mehr als der Hälfte aller getesteten Geschäfte ohne Probleme hochprozentige Alkoholika kaufen.
Aus Sicht der Mannheimer Stadtverwaltung ist das ein bedenkliches Ergebnis. "Wer Spirituosen an Kinder und Jugendliche verkauft, handelt absolut verantwortungslos und gefährdet deren gesunde Entwicklung", betont der Erste Bürgermeister und Sicherheitsdezernent Christian Specht.
Der Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen ist bundesweit angestiegen. Die Behörden befürchten, dass viele Händler Wodka, Whisky oder Korn auch ohne Altersnachweis verkaufen. Daher erlaubte das baden-württembergische Sozialministerium im vergangenen Jahr gezielte Alkohol-Testkäufe durch Jugendliche.
In Mannheim wurden 65 Geschäfte in verschiedenen Stadtteilen getestet. Dabei erhielten die jugendlichen Testkäufer - zumeist Auszubildende der Stadtverwaltung - in 33 Fällen problemlos hochprozentigen Alkohol. Nur 32 Verkäufer hielten sich an das Verbot und fragten - wie vorgeschrieben - nach dem Alter der Teenager.
Dabei schauen immer mehr Jugendliche in Mannheim zu tief ins Glas. "Die Zahlen sind alarmierend", sagt Bürgermeister Specht. Wurden im Jahr 2001 insgesamt 28 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung in das Mannheimer Klinikum eingeliefert, waren es 2010 schon 73.
Künftig werde die Stadt weitere Testkäufe veranlassen, kündigt Specht an. Zudem werde man für Kassensysteme werben, die das Kassenpersonal beim Verkauf von Alkohol beispielsweise mit einem Signalton automatisch auf die Altersprüfung hinweisen.
Mit dem Problem steht die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs nicht alleine da. So meldet auch das Ordnungsamt in Stuttgart, dass bei der Hälfte der 134 Testkäufe gegen die gesetzlichen Vorgaben verstoßen wurde. Auch in Heilbronn ergaben die Testkäufe in Supermärkten, Tankstellen oder Kiosken, dass sich 40 Prozent der Händler nicht an die Gesetze hielten. In Ulm verstießen sogar 56 Prozent der Händler gegen die Bestimmungen.
Nach Angaben des Fachbereichsleiters vom Ordnungsamt Stuttgart, Benno Bartosch, deutet einiges darauf hin, dass die Kontrollen einen Effekt haben. Seit Beginn der Testkäufe vor einem Jahr sei der Anteil der Händler, die gegen das Gesetz verstießen, von 61 auf 41 Prozent zurückgegangen. Das sei eine Reaktion auf die Bußgelder, die bei 300 Euro für Verkäufer beziehungsweise bei 2000 Euro für den Gewerbetreibenden oder Filialleiter lägen. Besonders renitenten Händlern könne sogar die Verkaufslizenz entzogen werden.
Um den Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen einzudämmen, hält auch Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) die Alkohol-Testkäufe für ein wichtiges Instrument. Zwar sei die Aufklärung der jungen Menschen nach wie vor das wichtigste Element, aber man müsse auch auf die Einhaltung der Gesetze hinarbeiten, sagt sie. "Die Zahlen der Testkäufe sind erschreckend. Aber immerhin wissen wir jetzt, wie oft der gesetzliche Rahmen ignoriert wird."
Daher sei es zu begrüßen, wenn die Kommunen weiterhin Testkäufe organisierten und entsprechende Bußgelder verhängten. "Viele Händler sind einfach zu unbedarft. Um junge Menschen zu schützen, brauchen wir aber wesentlich mehr Sensibilität", fügt Altpeter hinzu.
Quelle: dapd
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