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Alkoholkonsum in der Schwangerschaft: Schon ein Gläschen ist eines zu viel

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Alkohol in der Schwangerschaft: Schon ein Gläschen ist eines zu viel

07.09.2010, 11:11 Uhr | rw

Frau gießt sich ein Gläschen Sekt ein.

Schon ein Glas kann eines zu viel sein. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Ein Gläschen Sekt bei einer Geburttagsfeier, ein kleines Bierchen auf dem Stadtfest - noch immer glauben viele werdende Mütter, es reiche, den Alkoholkonsum in der Schwangerschaft bloß zu reduzieren. Zwölf bis 15 Prozent der werdenden Mütter trinken mindestens einmal pro Monat Alkohol - mit teils fatalen Folgen. Viele tausend Babys kommen in Deutschland pro Jahr mit Alkoholschäden zur Welt. Die Schätzungen schwanken zwischen 4000 und 10.000 Kindern, die körperliche und geistige Schäden davontragen. "Das ist eine Hypothek fürs ganze Leben. Da wir nicht genau wissen, wann und wie stark Alkohol in der jeweiligen Phase der Schwangerschaft wirkt, sollten Frauen auf jedes Glas verzichten, sobald sie wissen, dass sie schwanger sind", warnt der Kinderarzt Professor Hans-Jürgen Spohr anlässlich des "Tags des alkoholgeschädigten Kindes" am neunten September. Studien zufolge trinken zwölf bis 15 Prozent der werdenden Mütter mindestens einmal pro Monat Alkohol.

Schäden in der geistigen und motorischen Entwicklung

Zusammen mit dem Gynäkologen Professor Joachim Dudenhausen leitet Spohr an der Berliner Charité eines der wenigen Beratungszentren für Kinder mit Fetalem Alkoholsyndrom (FASD) in Deutschland. Initiator ist die "Stiftung für das behinderte Kind". Dort versuchen die Ärzte zunächst, die Schädigung in einem aufwendigen Testverfahren zu diagnostizieren. "Es gibt mittlerweile dazu ein verlässliches Vier-Punkte-Untersuchungsprogramm", sagt Spohr, der seit über 20 Jahren mit alkoholgeschädigten Kindern arbeitet. Das Spektrum der Beeinträchtigungen reicht von leichten Konzentrationsproblemen bis zu starken Schäden in der geistigen und motorischen Entwicklung, Wachstumsstörungen und Gesichtsfehlbildungen.

70 Prozent der FASD-Geschädigten brauchen lebenslang Betreuung

"Mittlerweile liegen auch Langzeitdaten vor. Die sind ernüchternd. Denn aus stark alkoholgeschädigten Kindern werden Erwachsene, die selten mit dem Leben klar kommen. Und junge Männer haben es besonders schwer", betont Spohr. Eine Langzeitstudie stark geschädigter FASD-Kinder habe ergeben, dass 70 Prozent von ihnen auch als Erwachsene nicht ohne Betreuung leben konnten. 30 Prozent lebten allein oder in einer Partnerschaft. Neun von zehn waren ohne Job.

Komplette Heilung ausgeschlossen

Besonders gravierend ist das Problem in vielen Pflegefamilien: Eltern haben Kinder aufgenommen, die im Mutterbauch "mittrinken" mussten und die den leiblichen Eltern aus anderen Gründen vom Jugendamt entzogen wurden, ohne dass über den Alkoholmissbrauch Kenntnis bestand. "Die Diagnose wird so gut wie nie direkt nach der Geburt gestellt, sondern manchmal erst Jahre später, wenn die Pflegeeltern verzweifelt zu uns kommen, weil sie sich nicht mehr zu helfen wissen", sagt Spohr. Oft müsse dann in Detektivarbeit über die Jugendämter die Geschichte der Mutter eruiert werden.

"Die größte Hilfe für die Familie ist meist, dass die Betroffenen endlich wissen, was los ist", sagt Spohr. So wüssten die Familien dann zumindest, womit sie es zu tun haben und könnten sich darauf einstellen. Aussichten auf komplette Heilung gebe es jedoch keine, nur verschiedene Therapieansätze, um je nach Ausprägung der Behinderung den Alltag besser zu bewältigen. So hätten viele Kinder trotz eines normalen Intelligenzquotienten große Schwierigkeiten, in einer Regelschule mitzukommen, weil Konzentrations- und Merkfähigkeit gering seien. Auch Rechts- und Unrechtsbewusstsein ist nach Erfahrungen von Spohr manchmal kaum vorhanden. "Die Kinder brauchen oft einen extrem festgefügten Rahmen, kleine Klassen, manchmal sogar Eins-zu-Eins-Betreuung."

Hohe Folgekosten für die Krankenkassen

Doch nicht nur die wehrlosen Kinder im Mutterleib leiden unter dem schädlichen Einfluss des Alkohols. Auch der Gesellschaft entstehen hohe Folgekosten. Die Behandlung und klinische Versorgung von zu früh geborenen Babys, deren Mütter in der Schwangerschaft Suchtmittel konsumiert haben, koste die Kassen jährlich etwa 43 Millionen Euro, wie die Deutsche Kinderhilfe mitteilt. Sie fordert deshalb dem Thema Alkoholabstinenz während der Schwangerschaftvorsorge größere Aufmerksamkeit zu widmen. Immerhin gehöre das Fetale Alkoholsyndrom zu den häufigsten angeborenen körperlichen und geistigen Behinderung bei Säuglingen, so die Organisation.

Warnsymbol auf alkoholhaltigen Getränken gefordert

Auch eine bundesweite Aufklärungs- und Interventionsstrategie zur Reduzierung des Suchmittelkonsums in der Schwangerschaft gebe es bisher allenfalls in Ansätzen. So habe es sich beispielsweise in Frankreich bewährt, dass alle alkoholischen Getränke mit einem Warnhinweis mit einer durchgestrichenen Schwangeren versehen seien. Ein solches Symbol wünscht sich die Kinderhilfe auch in Deutschland. Einige Hersteller alkoholhaltiger Getränke führen ein solches Warnsymbol auf ihren Produkten bereits freiwillig. So prangt zum Beispiel auf dem Rückenetikett von Ramazotti, ebenso wie auf allen anderen Produkten des Herstellers Pernod Ricard, das von der Kinderhilfe geforderte Warnzeichen. Eine Pflicht hierzu gibt es allerdings nicht.

Verzicht am besten schon bei Kinderwunsch

Nicht immer ist ein Alkoholkonsum während der Schwangerschaft aber darauf zurückzuführen, dass die werdende Mutter fahrlässig handelt und bewusst weiter trinkt. Vielen Frauen ist die Tatsache, dass sie schwanger sind, anfangs gar nicht klar. So können sie ihr Verhalten natürlich auch noch nicht entsprechend anpassen. Wird die Schwangerschaft erst spät entdeckt, ist die Sorge um das ungeborene Kind deshalb oft groß - zu Recht. Gerade die Zeit von der fünften bis zur zwölften Schwangerschaftswoche sei besonders sensibel, da zu diesem Zeitpunkt die Organe des Kindes angelegt würden, warnt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in Hamburg.

Ob es bereits zu Schäden gekommen ist oder nicht, lässt sich vorab kaum feststellen. Als einzige Methode gilt eine besonders genaue Ultraschalluntersuchung, der sogenannte Organultraschall. Diese Untersuchung kann ab der 18. bis 20. Woche durchgeführt werden. Zumindest schwerere Fehlbildungen beim Fötus würden hier auffallen. Frauen, die regelmäßig größere Mengen Alkohol trinken, sollten dies unbedingt mit ihrem Frauenarzt besprechen. Das gilt auch dann, wenn sie nach Feststellung der Schwangerschaft auf den Konsum verzichtet haben. Grundsätzlich raten Experten dazu, dass schon Frauen, die einen Kinderwunsch hegen, auf Alkohol verzichten sollten.


Quelle: AFP , t-online.de , dpa

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Kommentare (3)

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Thema: "Alkoholkonsum in der Schwangerschaft: Schon ein Gläschen ist eines zu viel"

Selbstdenkend schrieb: am 10. September 2010 um 16:30:37
(1) (0) Hauptsache die Regierung bekommt Steuern ...
... und der Wirtschaftskreislauf "Saufen und Alkohol" bewegt sich und beschäftigt einige 100.000 Menschen.

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Selbstdenkend schrieb: am 10. September 2010 um 16:29:27
(0) (0) Trink-Alkohol sofort verbieten ...
Wozu braucht ein "Mensch" eigentlich "Alkohol"? Warum muss oder warum tut er sich besaufen? Leider habe
ich hierfür wohl keinDenkmuster. Ich würde Besaufzentren vorschlagen - wie Hochsicherhiets-Gefängnisse. Dort kann absolut um sonst die "Flat-abgesoffen" werden so lange wie gewünscht. Wer wieder raus "geht" wird sichwohl sehr genau überlegen ob ein erneuter Besuch zu machen ist. Nachteil ist keine ärztliche Versorgung und bei Tod "Photos von Außen+Innen+Promille. Abholen od verbrennen.
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Brutus schrieb: am 10. September 2010 um 10:30:02
(0) (0) Noch immer wird die schädliche ..............
...Wirkung von Alkohol unterschätzt. In München baut man gerade die Weltweit größte
"Säuferolympiade wieder auf (Oktoberfest). Bayern hat erkannt wie schädlich Rauchen ist,nur im gegensatz zum Alkohol finde ich Rauchen etwas harmloser was aber auch nicht zu einer Verharmlosung verleiten soll. Aber absichtliche Vernebelung der Gehirnströme durch die wunderdroge Alkohol in noch extra dafür aufgebauten Säuferhallen,muß das sein ? Der Gewerbesteuer zu liebe Ja ! O Zapft is !
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