19.01.2011, 09:49 Uhr
Wohin nach der Grundschule? (Foto: imago)
Wohin nach der Grundschule? Diese Frage wird in den nächsten Wochen wieder Zehntausende von Familien bundesweit beschäftigen. Jedes Bundesland hat seine eigenen Regeln für den Übergang auf eine weiterführende Schule. In den meisten Ländern entscheiden grundsätzlich die Familien, ob ihr Kind aufs Gymnasium oder eine andere Schulform wechselt. Oft sind allerdings Probezeiten oder Tests zu bestehen, wenn der begehrte Gymnasialbesuch nicht von der Grundschule empfohlen wird.
Nach wie vor gleicht das Schulwesen in Deutschland einem Flickenteppich. Gemeinsam sind vielen Ländern aber Reformbemühungen, die auf die Zusammenlegung der ungeliebten Hauptschule mit Realschulen und in einigen Ländern mit Gesamtschulen hinauslaufen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche trotz unterschiedlicher Begabungen und Neigungen möglichst lange gemeinsam lernen zu lassen. Den Hauptschülern soll zudem der Stempel erspart bleiben, sie seien am untersten Ende des Bildungssystems stecken geblieben.
Einige Länder, etwa Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, haben die Reformen schon hinter sich, andere Länder stecken mittendrin, so Berlin, Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. In Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen sind Veränderungen auf den Weg gebracht. Daneben gibt es zahlreiche Misch- und Sonderformen.
Hier ein Überblick der Bundesländer:
Hier gibt es ein dreigliedriges Schulsystem aus Realschule, Hauptschule/Werkrealschule und Gymnasium. Folgen die Eltern der Empfehlung der Grundschule zur weiterführenden Schule nicht, nehmen sie an einem Beratungsverfahren teil. Das sieht für ihr Kind verschiedene Tests vor. Abschluss ist eine gemeinsame Bildungsempfehlung. Gegebenenfalls folgt eine Aufnahmeprüfung.
Es entscheiden die Leistungen in der vierten Klasse über die Übertrittsempfehlung: Ein Notendurchschnitt bis 2,33 heißt Gymnasium, bis 2,66 heißt Realschule. Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, kann im Gymnasium oder an der Realschule zum Probeunterricht antreten.
Derzeit werden Haupt-, Real- und Gesamtschule zur integrierten Sekundarschule zusammengeführt. Hier ist das Abitur nach 13 Jahren möglich. Das Gymnasium führt in zwölf Jahren zum Abitur. Der Übertritt ist nach sechs Jahren Grundschule vorgesehen, in Ausnahmefällen nach der vierten Klasse. Stark nachgefragte Gymnasien suchen 60 Prozent ihrer Schüler nach Kriterien wie Notendurchschnitt, künstlerische Begabungen oder über einen Test aus. 30 Prozent der Plätze werden verlost. Zehn Prozent sind Härtefällen wie chronisch kranken Kindern vorbehalten.
Die Kinder wechseln nach sechs Jahren Grundschule auf Gymnasium, Oberschule oder Gesamtschule. Sie erhalten eine Empfehlung der Grundschule. Für die Aufnahme in ein Gymnasium darf die Summe der Noten in Deutsch, Mathematik und erster Fremdsprache auf dem letzten Halbjahreszeugnis maximal sieben betragen. Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, kann ein Schüler im Gymnasium zum zweitägigen Probeunterricht antreten.
Das zweigliedrige Schulsystem wird schrittweise eingeführt. Die Oberschule ermöglicht das Abitur in der Regel nach 13 Jahren, das Gymnasium nach zwölf Jahren. Eine Schulempfehlung gibt es nicht.
Ein Volksentscheid hat die sechsjährige Primarschule verhindert. Nach der im August 2010 in Kraft getretenen Schulreform bekommen die Viertklässler eine unverbindliche Laufbahnentscheidung. Die Familien entscheiden zwischen Stadtteilschule und Gymnasium. Beide Schulen ermöglichen ein gleichwertiges Abitur.
In Hessen beginnt im Schuljahr 2011/12 die Einführung der Mittelstufenschule. Das Konzept soll zunächst von den verbundenen Haupt- und Realschulen auf freiwilliger Basis umgesetzt werden und sieht in den Klassen fünf bis sieben einen gemeinsamen Unterricht vor. Hauptschul- und Realschulabschluss sind möglich. Die Empfehlung der Grundschule ist nicht bindend.
Nach der vierjährigen Grundschule schließt sich eine zweijährige Orientierungsstufe an. Die Laufbahnempfehlung in der sechsten Klasse ist nicht bindend. Kinder, die ohne sie auf ein Gymnasium gehen, müssen eine halbjährige Probezeit bestehen. Neben dem Gymnasium gibt es die Gesamtschule mit integrierter Oberstufe oder die Regionale Schule mit Abschluss nach der zehnten Klasse.
Zum Ende der vierten Klasse gibt es eine unverbindliche Empfehlung. Der "freie Elternwille" entscheidet über die weiterführende Schule. Die CDU/FDP-Landesregierung plant den Zusammenschluss von Haupt- und Realschulen zu "Oberschulen" im nächsten Schuljahr.
Die verbindliche Schulempfehlung wurde nach Elternprotesten abgeschafft. Jetzt entscheiden wieder die Eltern über die weiterführende Schule nach der vierjährigen Grundschule.
Die Eltern entscheiden über die weiterführende Schule nach der vierjährigen Grundschule.
Die Eltern entscheiden über die weiterführende Schule nach der vierjährigen Grundschule.
Sachsen hat ein zweigliedriges Schulsystem aus Gymnasium und Mittelschule, die Real- und Hauptschulabschlüsse anbietet. Viertklässler müssen auf dem Halbjahreszeugnis einen Notendurchschnitt von mindestens 2,0 in Mathematik, Deutsch und Sachkunde haben, um auf ein Gymnasium wechseln zu können. Ab dem Schuljahr 2011/2012 erhalten Mittelschüler eine weitere Empfehlung, die mit einem Durchschnitt von 2,0 in Mathe, Deutsch und Englisch den Wechsel aufs Gymnasium ermöglicht.
Es kann ein Test beantragt werden, falls ein Kind keine Gymnasialempfehlung nach der vierten Klasse erhält. Für eine Gymnasialempfehlung soll ein Schüler in Deutsch, Mathematik, Englisch und Heimat- und Sachunterricht jeweils mindestens eine 2,0, in den anderen versetzungsrelevanten Fächern einen Notendurchschnitt von 2,5 haben. Die Sekundarschule geht bis zur zehnten Klasse, gute Schüler können zur siebten oder neunten Klasse noch aufs Gymnasium wechseln und Abitur machen.
Auch in Schleswig-Holstein gibt es nach der vierten Klasse eine rechtlich unverbindliche Empfehlung. Abitur ist auf Gymnasien und Gemeinschaftsschulen möglich. Regionalschulen führen zum Haupt- und Realschulabschluss.
Im nächsten Schuljahr wird zusätzlich die Gemeinschaftsschule eingeführt. Die Schüler sollen bis zur achten Klasse gemeinsam lernen. Alle Abschlüsse sollen angeboten werden. Eine Pilotphase läuft. Für den Wechsel auf ein Gymnasium nach vier Jahren Grundschule müssen in Deutsch, Mathematik und Sachkunde mindestens jeweils eine 2,0 vorliegen. Andernfalls ist eine Empfehlung des Lehrers notwendig. Fällt die negativ aus, kann der Schüler eine Zusatzprüfung ablegen, um es auf ein Gymnasium zu schaffen.
Quelle: dapd
Rudolph schrieb:
am 25. Mai 2011 um 12:18:52
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Bildungspolitik
Und erneut haben die Landesfürsten die Möglichkeit, die Bildung zu manipulieren. Wie lange soll das mit den Experimenten
noch so weitergehen.
Das dreigliedrige Schulsystem unter Bundeshoheit gestellt ist völlig in Ordnung, nur die Länder und ihre unqualifizierten Bildungsministern sollten nicht mehr mitreden dürfen. Es ist wie im Mittelalter, jeder Duodezfürst kocht seine eigene Suppe zu Lasten der Bildung.
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Hiob schrieb:
am 28. Januar 2011 um 21:05:20
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staatliches System
Ein Hoch den privaten Schulen!!!
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bibi schrieb:
am 24. Januar 2011 um 12:07:22
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Schulchaos
Hallo Soester,
für die mangelnde Bewegung unserer Kinder sind nicht die Lehrer Schuld. Ich sehe kaum noch Eltern mit ihren
Kindern auf dem Spielplatz. Wo sind die kleinen KInder? Im Ganztagskindergarten oder Ganztagsschule. Wieso nicht draußen im Freien zum toben und spielen?
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