08.12.2009, 11:41 Uhr | Robert Scholz
Babynahrung selbst machen bedeutet gleichzeitig Selbstbestimmung. (Bild: Archiv)
Es ist zeit- und kostenaufwendig: Das Selbermachen von Babynahrung entspricht nicht der Schnelllebigkeit unserer Zeit. Gleichzeitig ist es die einzige Art und Weise Ihr Kind mit Grundstoffen, Vitaminen und Lebensmitteln zu versorgen, die Sie selbst bestimmen können. Was kann ich meinem Kind anbieten? Welche Effekte auf die Gesundheit sind zu erwarten? Wie sicher ist selbst gemachte Babynahrung gegenüber industriellen Produkten?
Wagen wir gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) einen Ausblick auf das Jahr 2030. Die Häufigkeit des Diabetes Typs-2 wird bis dahin um 50 Prozent gestiegen sein. Früher nannte man diesen Typ Altersdiabetes, heute betrifft sie immer mehr Jugendliche. Schon jetzt geben die Krankenkassen jährlich etwa 15 Milliarden Euro aus, allein um diesen Diabetestypus zu behandeln. Das Krankheitsbild hat eine genetische Grundlage, wird aber durch die Kombination hoher Kalorienaufnahme bei geringem Kalorienverbrauch erst ausgelöst. Die Ernährung spielt darüber hinaus eine wesentliche Rolle in der Krebsentstehung. Eine ballaststoffreiche, fettarme Ernährung, reich an Obst und Gemüse, senkt das Risiko sowohl für verschiedene Krebsarten, als auch für den oben genannten Diabetes-Typ, so der letzte Jahresbericht des Institutes.
Der Geschmacksinn ist einer der ersten, der sich bei unserem Kind entwickelt. Das wäre ein idealer Ansatzpunkt für eine frühe Prägung auf gesunde und für die spätere Gesundheit vorsorgende Ernährung. Diesen Effekt nutzen aber auch die Hersteller industrieller Babynahrung. Nach Auffassung einiger kritischer Beobachter der Lebensmittelherstellung in diesem Bereich, fügen diese den Produkten Salze und Zucker bei, und dies in Mengen, die den natürlichen Bedarf des Kindes übersteigen würden. Einige behaupten auch die Beimengung von Aromen in industriellem Babybrei. Ein Gewohnheitseffekt soll erreicht werden, so die Kritiker, eine Produktbindung. Der Griff ins Süßigkeitenregal an der Kasse wäre in den Folgejahren damit bereits angelegt.
Dem entgegen steht die aktuelle Gesetzeslage. Die Herstellung und Beimengung von Zusatzstoffen für die Säuglings- und Kleinkindnahrung wird in der Diätverordnung geregelt. Dort sind die erlaubten Zusatzstoffe festgelegt - Aromen sind nicht gestattet. Auch werden die Vorprodukte in ihrer Qualität klar umrissen. Pestizide und andere Pflanzenschutzmittel dürfen in der Rohware vom Feld nicht enthalten sein. Ein klares Regelwerk, an das sich die Hersteller zu halten haben. Dass sie sich daran halten, soll die staatliche Lebensmittelüberwachung sicherstellen. Bei allen Skandalen in diesem Bereich, gilt dennoch: Baby- und Kleinkindnahrung sind die am besten kontrollierten industriellen Lebensmittel, sowohl von Herstellerseite aus, als auch staatlicherseits. Dies gilt übrigens für jegliche Babynahrung, auch die, ohne das vorangestellte Marketinglabel "Bio".
Laut Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKO) gibt es in Deutschland mehr als 130 industriell hergestellte Säuglingsnahrungen verschiedener Anbieter auf dem Markt: Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung und Kleinkindermilch. Allein diese Produktvielfalt verwirrt viele Verbraucher, aber auch durch eine Änderung der EU-Richtlinie für Säuglingsnahrungen, fällt es vielen schwer, sich hier zurechtzufinden.
Wenn möglich ist die beste und natürlichste Ernährung in den ersten Monaten nach der Geburt die Muttermilch. Stillen stärkt das Immunsystem und beugt somit Allergien vor. Nach dem fünften Lebensmonat ist die Verdauung eines Säuglings so weit ausgereift, dass die bisherige Milch-Ernährung mit Beikost ergänzt werden kann. Vorher sollte ein Zufüttern vermieden werden, denn das Verdauungs- und Immunsystem ist noch nicht ausreichend dafür entwickelt und das Allergie-Risiko würde steigen. Mütter sollten sich aber nicht auf eine bestimmt Woche fixieren. Jedes Kind hat seinen eigenen "Fahrplan". Das Abstillen oder das Umsteigen von Fläschchen auf Löffel ist ein großer Schritt.
0 bis 5. / 6. Monat | Start mit Beikost | ab 6. Monat | ab 7. / 8. Monat | ab 9./ 10. Monat | ab 11. / 12. Monat | ab 12. Monat |
Muttermilch / Flaschenmilch | erster Gemüsebrei jeweils nur eine Zutat Zucchini / Karotte | Obst- und Gemüsebreis mit Getreide, Kartoffeln, Kürbis, Banane, Apfel Reisflocken, Hirseflocken Fleisch, Rapsöl, Butter, Sonneblumenöl Apfelsaft (Vitamin C erhöht Eisenaufnahme) | Blumenkohl, Broccoli, Mais, Pastinake, Sellerie, Kohlrabi, Pfirsich, Birnen, Banane Vollkornflocken | Mango, Aprikosen, Erbsen, Chinakohl, milder Käse, Joghurt, Ei, Kräuter, Brot ganz wenig Salz | (teilweise) Familien-Essen | Fisch, Sojaprodukte, Nüsse, Kuhmilch, Zitrusfrüchte, kalt gepresste Öle auch schwerer verdauliche und allergene Nahrung möglich |
(Quelle: Forschungsinstitut für Kinderernährung)
Zu Beginn sollte eine Still- oder Fläschchen-Mahlzeit durch Brei ersetzt werden. Ist das Baby zu hungrig, klappt es nicht mit dem Brei, denn es braucht ein bisschen Geduld. Es sollte also weder zu hungrig noch zu müde sein. Ein guter Zeitpunkt für die Löffel-Einheit ist mittags. Ist der Löffel gut gefüllt, hat es das Kind leichter, denn dann kann es den Brei einsaugen. Kleine Kostproben erhält das Baby mit einem halben Jahr, mit einem Jahr etwa kann es schon die Familien-Mahlzeit mitessen. Schwer verträgliche und allergene Nahrungsmittel werden erst mit einem Jahr gefüttert.
Das Abstillen wird leichter, wenn man Brust und Löffel übergangsweise kombiniert, also bevor man dem Baby die Brust gibt, ein paar Löffelchen Brei füttert. Dadurch saugt das Baby weniger heftig und die Milchproduktion wird nicht mehr so stark angeregt. Außerdem wird so die Verdauung des Babys nicht überfordert. Nach und nach wird die Breimenge gesteigert, bis die Milchmahlzeit komplett ersetzt ist. Verwenden Sie immer nur eine Zutat, also eine Sorte Gemüse oder Obst, Karotte oder Pastinake sind ideal, das ist sanft für Babys Darm, außerdem können Sie so die Reaktionen genau beobachten und eventuelle Unverträglichkeiten sofort erkennen.
Bei selbst gefertigter Babynahrung stellt sich erneut die Frage, welche Rohprodukte ich verwende. Diese sind im Zweifelsfall weniger engmaschig kontrolliert, als die in der "Gläschenfabrik“ eines Babykostproduzenten. Deswegen ist hier die Auswahl sehr wichtig. Hier gewinnt die Marke "Bio“ sicherlich wieder an Gewicht. Vor allem die behutsam dosierte Zugabe von würzenden Zusätzen, wie Kräutern, Lebensmittelöle und Salz, bereichert die Ernährung des Säuglings und prägen spätere Geschmacks- und damit auch Essgewohnheiten. Nur beim selber Kochen kann diese von ihnen auch selbst beeinflusst werden. Ziel sollten die vom DIfE entwickelten Grundsätze gesunder und gesundheitspräventiver Ernährung sein.
Gründliches Waschen verringert den Schadstoffgehalt im selbstgekochten Babybrei. Kartoffeln, Obst und Gemüse sollten unzerkleinert mit Wasser gewaschen, nachgerieben und gegebenenfalls geschält werden, rät der Infodienst Landwirtschaft - Ernährung - Ländlicher Raum (LEL) in Schwäbisch Gmünd. Eltern kaufen am besten erntefrisches Gemüse der Saison und verarbeiten es rasch. Eine andere Möglichkeit seien Tiefkühlprodukte ohne weitere Zutaten.Gekocht wird mit wenig Wasser und bei geringer Hitze. Dann wird das Essen entweder sofort verzehrt oder nach dem Abkühlen in den Kühlschrank gestellt. Dort hält es sich einen Tag, so die Experten. Größere Mengen lassen sich portionsweise einfrieren und sind damit jederzeit verfügbar - das spart Arbeit.
Es finden sich eine Fülle von Informations- und Rezeptangeboten im Internet, die das Selbstkochen der Babynahrung erleichtern und auch mit ganz praktischen Tipps versehen. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) rät zur Abwechslung. Es spricht nichts gegen die Verwendung von Gläschenbrei, aber die Mischung mit dem eigenen Herd macht`s. Das selber Kochen ist wichtig vor allem für die Legung eines geschmacklichen Grundsteins, mit dem späteren Bewusstsein für frische und gute Produkte und weniger Pizza und Döner. Beide Varianten der Säuglingskost sollten ihre Berechtigung im kulinarischen Dasein der neuen Familienmaus haben.
Quelle: t-online.de , dpa
Mama 2004 schrieb:
am 5. Februar 2012 um 17:16:25
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Babynahrung selbst gemacht
Ich habe immer die Babybreie selbst gemacht. Da gibt es ein tolles Buch "Babybreie selbst gemacht". Da
steht alles drin, was man wissen muss und meine beiden haben immer gut gefuttert ohneZusatzstoffe. Viel Gemüse, Reis, Kartoffeln, Reisflocken etc. Alles püriert und in Schälchen für jeweils 6-7 Tage eingeforgen. Davon 2 Gerichte auf einmal gekocht, hatte ich manchmal für 10 - 12 Tage Essen portionsweise im Tiefkühlschrank. Ein Gläschen haben wir mal probiert wurde bon beiden glatt verwe
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