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Beim Klamottenvererben auf Gerechtigkeit achten

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Beim Klamottenvererben auf Gerechtigkeit achten

22.12.2011, 09:25 Uhr | Simone Blaß

Der geerbte Pulli von der Schwester - nicht immer ein Grund zur Freude. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der geerbte Pulli von der Schwester - nicht immer ein Grund zur Freude. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Früher gab es da keine Diskussionen: Die Kleidung der älteren Geschwister musste aufgetragen werden, schon allein aus Kostengründen. Es wurde noch gestopft, und Lederflicken auf Knien und Ellenbogen waren die Regel, nicht die Ausnahme. Nicht zuletzt aufgrund der Spottpreise, die man heute für Kinderkleidung bezahlt, haben viele Kleine in Deutschland eine große Auswahl in ihrem Kleiderschrank. Noch bevor irgendetwas wirklich verschlissen sein kann, sind die Kinder bereits rausgewachsen, und zum Wegwerfen sind die Sachen oft zu schade. Wir sagen Ihnen, worauf Eltern bei gebrauchter Kleidung achten sollten.

Gebrauchte Klamotten sind keine Schande

Wenn es um Kinderkleidung geht, dann boomt der Secondhand-Markt. Das hat viele Gründe. Erstens kann man so relativ sicher sein, dass mögliche Schadstoffe bereits ausgewaschen sind, zweitens kann man sich auch mit einem schmalen Familiengeldbeutel bessere Qualität leisten, und drittens muss man so die besonders schönen Stücke, für die man innerhalb des Familien- oder Freundeskreises keine Abnehmer mehr findet, nicht wegwerfen.

Doch es gibt Eltern, die haben Skrupel, wenn sie gebrauchte Kleidung kaufen oder ihren Kindern die Kleidung anziehen, aus denen die älteren Geschwister herausgewachsen sind. Hier ein schlechtes Gewissen zu haben oder sich gar zu schämen, ist nicht notwendig, findet der Diplompsychologe Ulrich Gerth: "Kinder brauchen nicht viel außer Liebe und vor allem brauchen sie ganz bestimmt weder teure Markenkleidung  noch dauernd neue Sachen." Ähnlich sehen das auch Matthias Kalle und Tanja Stelzer, die Autoren des Buches "Der Elternknigge - Ein etwas anderer Erziehungsratgeber": "Die Klamotten älterer Geschwister auftragen zu müssen, versaut einem nicht gleich die Zukunft. Es ist außerdem manchmal finanziell einfach unausweichlich. Aber es kann demütigend sein, wenn ein Kind gar nichts Eigenes bekommt."

Vorsicht bei Schuhen

Allerdings gibt es auch beim Vererben von Kinderkleidung innerhalb der Familie Grenzen. Es mag ja sein, dass der kleine Bruder die rosa Feenstrumpfhose der bewunderten großen Schwester extrem schick findet, tragen sollte er sie - zumindest ab dem Kindergartenalter - lieber nicht. "Manchmal muss man den Kindern auch klarmachen, dass die Anderen sie auslachen werden. Kleidung, die vererbt wird, sollte schon einigermaßen neutral sein und besonders extravagante Stücke gehören einfach zu dem Kind, das sie sich ausgesucht hat", so die Autoren.

Auch bei Schuhen sollte man vorsichtig sein. Klar, die Flip-Flops oder die Inlineskates können jederzeit weitergegeben werden, aber das Schuhwerk, das die Kinder täglich tragen, sollte neu oder zumindest kaum getragen und mit neuen Innensohlen ausgestattet sein. Denn jedes Kind hat seinen eigenen Gang, der Abdrücke im Schuh hinterlässt und ihn formt. Auf der Internetseite eines Herstellers heißt es hierzu: "Das Problem bei getragenen Schuhen ist, dass sie schon 'geprägt' sind. Sie haben also möglicherweise ihre (entwicklungsspezifischen) neutralen Eigenschaften verloren. Ein getragener Schuh gibt dem nächsten Kind etwas 'Falsches' vor und lenkt es eventuell in die Richtung des bisherigen Trägers."

Heute gelten andere Sicherheitsanforderungen

Ein weiterer Punkt, auf den man unbedingt achten sollte, ist die Sicherheit. Aufgrund von schlimmen Unfällen in der Vergangenheit durch Kordeln oder Schnüre, hat die Kinderbekleidungsindustrie reagiert und sich der Selbstverpflichtung unterworfen, auf solche Extras zu verzichten. Ältere Kleidung kann aber noch damit ausgestattet sein und damit eine Gefahr für die Kinder darstellen. Denn die Kordeln und Schnüre können sich gerade beim Spielen auf Spielplätzen oder Klettermöglichkeiten verfangen und so zu tödlichen Schlingen werden. Hier ist bei gebrauchter Kleidung die Aufmerksamkeit der Eltern gefragt.

Den individuellen Stil respektieren

Grundsätzlich ist also nichts gegen Klamotten aus zweiter oder dritter Hand einzuwenden. Ist es die coole Jeansjacke des Cousins, dann ist das meist auch kein Problem. Doch häufig handelt es sich nun mal um die bereits leicht abgetragenen Klamotten der älteren Geschwister. Und da gefällt auch Kindern nicht alles, was sie so vererbt bekommen. Solange der Nachwuchs noch klein ist, ist es ihm ja meist egal. Schwieriger wird es, wenn sich der individuelle Stil entwickelt. Denn der weicht gerade bei Geschwistern gleichen Geschlechts häufig ziemlich voneinander ab. "In der Wahl der Kleidung zeigt sich der Ausdruck des Geschwisterverhältnisses zueinander", erklärt der Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. "Gerade bei gleichgeschlechtlichen Kindern mit geringem Altersabstand kann man oft eine Abgrenzung beobachten, die sich nicht nur in den Interessen, sondern eben auch im Kleidungsstil zeigt."

Auch die Großen sollten mal etwas Gebrauchtes tragen müssen

Wenn die große Tochter also Rosa in allen Variationen bevorzugt und die jüngere Schwester sich am liebsten nur in Jungsklamotten zeigen würde, dann sollte man darauf schon Rücksicht nehmen. "Wichtig ist, dass keine Ungerechtigkeiten entstehen! Das gilt für alle Kinder, auch für die Erstgeborenen: Wenn jeder mal gebrauchte Kleidung bekommt, aber jeder auch mal etwas Neues, etwas ganz Besonders, dann kommt auch zwischen den Geschwistern kein Unmut auf."

Und auch der Mama sei es, wenn es die Familienfinanzen hergeben, gegönnt, ab und zu mal etwas Neues für die Kinder zu kaufen. Denn wenn das dritte Kind immer noch die unverwüstliche Regenjacke trägt, die bereits das Patenkind anhatte, dann kann es schon mal vorkommen, dass man das gute Stück einfach nicht mehr sehen kann. Doch schon allein der Umwelt zuliebe sollte man auch solche Kleidung nicht wegwerfen. Es findet sich sicher noch jemand, der sich darüber freut. Und wenn man sie für einen Euro bei Ebay versteigert.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (11)

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Thema: "Beim Klamottenvererben auf Gerechtigkeit achten"

Mama 2007 schrieb: am 7. Februar 2012 um 09:03:38
(0) (0) gebrauchte Klamotten
Ich schließe mich hier an, unserem Sohn kaufe ich ganz viele gute u gebrauchte Klamotten (Flohmärkte) das hat nichts
mit Geld zu tun, davon haben wir genug, sondern damit, dass ich neue Klamotten für Kiga u Dreck total unnötig finde. Wenn Sohn raus gewachsen ist, verkaufe ich alles weiter. Spart Geld, ist praktisch, macht Spaß. Was das Thema Schuhe angeht: Ich habe auch schon gehört, dass gebrauchte Schuhe auch ok wären (solange kein Abdruck zu fühlen ist), der Fuß suche sich sein eige
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MuttervonTochter schrieb: am 22. Dezember 2011 um 16:51:44
(5) (1) Second-Hand-Klamotten
Wer sagt denn, daß Kinderkleidung BILLIG ist? Wir kaufen finanizell bedingt eher im unteren Preissegment, aber die
ganz billigen Sachen, die mag ich nicht. 1 x waschen und die Farbe/die Form/die Nähte lösen sich in Wohlgefallen. Gegen GUTE gebrauchte Sachen ist nichts einzuwenden, ich trage auch mal was nicht neues. Manche Sachen pflege ich seit mehr als 10 Jahren, sieht keiner. Solange es nicht zu altbacken ist oder dem Kind überhaupt nicht steht/gefällt, ist gebraucht akzeptabel.
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Gamma schrieb: am 22. Dezember 2011 um 11:53:51
(5) (0) Kleidung
Schuhe?Niemals,da war ein individueller Fuß drin.Kleidung an sich?Nichts gegen einzuwenden aber möglichst nicht in der Familie.Ich
erinner mich ungern an Zeiten in denen ich Mädchenhosen und Pullover tragen mußte,weil ich nur Schwestern hatte.Diese Zeiten sind hoffentlich für die Kinder vorbei aber in den 60ern und 70ern war das üblich.
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