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Berlin: Schüler am ersten Schultag ohne Platz

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Berlin: Schüler am ersten Schultag ohne Platz

31.08.2009, 13:50 Uhr | sca

Einige Schüler wussten am ersten Schultag nicht, welche Schule sie besuchen werden. (Bild: Archiv)Einige Schüler wussten am ersten Schultag nicht, welche Schule sie besuchen werden. (Bild: Archiv)Am heutigen ersten Tag des neuen Schuljahres ist für einige Kinder in Berlin noch nicht klar, welche Schule sie besuchen werden. In den Ferien hatten tausende Eltern Widerspruch gegen die Schulzuweisungen des Schulamtes eingelegt. Laut Berliner Morgenpost sehen viele Experten die Ursache in der bevorstehenden Schulstrukturreform, die 2011 abgeschlossen sein soll. #


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Künftige Auswahlkriterien sind unklar

Nach der Schulstrukturreform in Berlin sollen Schulen 60 Prozent der Schüler selbst auswählen können, über weitere 30 Prozent soll per Losvergabe entschieden werden. Die verbleibenden zehn Prozent sollen Härtefällen vorbehalten sein. Noch allerdings ist nicht klar, nach welchen Auswahlkriterien die Schulleiter auswählen sollen. Diese unklare Situation begründet die vielen Widersprüche. Außerdem pochen Eltern verstärkt auf ihr Wahlrecht und akzeptieren den Fahrplan der öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr als Kriterium. Zehn Mal so viele Eltern wie im Vorjahr hatten sogar das Verwaltungsgericht eingeschaltet. Eine Arbeitsgruppe soll die Frage der Auswahlkriterien klären, damit das Verfahren auch vor Gericht überzeugt.


Die geplant Schulreform in Berlin

In Berlin und sieben anderen Bundesländern haben die Eltern die Möglichkeit, ihr Kind auch entgegen der Lehrerempfehlung auf eine höhere Schule zu schicken. In anderen Bundesländern ist die Empfehlung bindend. Mit der geplanten Bildungsreform in Berlin sollen Eltern weiterhin die Schulform wählen können: Zur Auswahl steht die Sekundarschule, in der das Abitur nach 13 Jahren gemacht werden kann, und das Gymnasium mit Abitur nach zwölf Jahren. Darüber hinaus sollen Eltern künftig auch die Schule aussuchen können. Bisher entschied in Berlin die Wohnortnähe zur Schule letztlich über die Platzvergabe. Nun soll das Wohnortprinzip an Bedeutung verlieren, um "soziale Inseln" zu vermeiden und eine bessere soziale Durchmischung an Gymnasien zu erreichen.

Trotz Realschulempfehlung aufs Gymnasium

An einigen Gymnasien wurde die Platzvergabe auch deshalb noch umstrittener, weil sich immer mehr Kinder mit Realschulempfehlung auf dem Gymnasium anmeldeten. In Reinickendorf hat sich die Zahl der Widersprüche verdoppelt, für das kommende Schuljahr befürchtet Stadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) eine weitere Verschlimmerung. Auch das scheint mit der anstehenden Strukturreform zusammenzuhängen: Im kommenden Schuljahr sollen die meisten Haupt- und Realschulen schon Sekundarschulen sein, ohne dass aber geklärt ist, welche Schulen zusammengehen werden.

Kinderfeindliches Losverfahren

Viele Experten kritisieren die bevorstehende Reform. Das Losverfahren sende ein "falsches Signal", sagte Harald Mier von der Vereinigung Berliner Oberstudiendirektoren gegenüber Spiegel-Online. Da die Schule auf dem Leistungsprinzip funktioniert, könne man den Kindern auf der anderen Seite nicht klar machen, dass sie in einen Lostopf gesteckt werden. "Der Philologenverband lehnt jede Art von Quotenregelung ab - auch zehn Prozent der Kinder ins vorprogrammierte Scheitern zu schicken - ist unredlich und falsch." Ein Losverfahren sei leistungs- und kinderfeindlich, ungerecht, zutiefst unpädagogisch und nehme zynisch das Scheitern von Kindern in Kauf. "Wer aber in der Schulpolitik bewusst mit dem Scheitern von Kindern spielt, hat jede Glaubwürdigkeit verloren", so der Bundesvorsitzende des Philologenverbandes Meidinger auf bildungsklick.de.

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