13.10.2008, 15:49 Uhr | ruf
Fast jeder zweite Deutsche glaubt, Familie sei ein Karrierekiller. (Bild: dpa)
Sind Kind und Karriere in Deutschland unter einen Hut zu bringen? Die größte bisher durchgeführte Studie zu diesem Thema liefert erschreckende Ergebnisse: Fast jeder zweite Deutsche ist laut der Umfrage der Ansicht, dass familiäres Engagement der Karriere schadet. So erwarten gut 45 Prozent der Befragten durch eine Familiengründung Nachteile beim beruflichen Aufstieg, wie die in Berlin vorgestellte Studie im Auftrag der "Bertelsmann Stiftung" ergab. Knapp ein Drittel der Befragten beklagte, dass der Arbeitgeber nach einer Geburt Zweifel an ihrer Leistungsbereitschaft geäußert habe.
Trotz der Widerstände, die berufstätige Väter und Mütter erfahren, ist es Eltern laut der Untersuchung möglich, Familie und Karriere gut unter einen Hut zu bringen. Paare, die sich das Geldverdienen und die Hausarbeit teilten, seien sogar oft sehr zufrieden. Allerdings müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. So müssten etwa genügend und gute Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder angeboten werden. Außerdem müssten Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten anbieten.
Doppelverdiener, die weder auf Kinder noch auf den Beruf verzichten wollen, wünschen sich der Studie zufolge mehr Unterstützung vom Arbeitgeber. 98 Prozent der Befragten seien der Ansicht, Unternehmen sollten ihnen mit flexibler Dauer und Verteilung der Arbeitszeit helfen, teilte die "Bertelsmann Stiftung" mit. 91 Prozent wünschten Unterstützung vor allem für Väter.
76 Prozent der Befragten wollten eine gleiche Rollenverteilung in der Familie und hätten sich daher für das Modell "Doppelkarrierepaar" entschieden. Beide seien damit sowohl in der beruflichen als auch der familiären Welt zu Hause - dies führt laut der Studie zu mehr Zufriedenheit. Größte Herausforderung sei die Kinderbetreuung. 56 Prozent der Mütter und 47 Prozent der Väter wünschten sich mehr Zeit für die Familie. Zwei Drittel der Befragten setzten sich für mehr Familienfreundlichkeit ein.
Für die Studie hatte die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft in Berlin (EAF) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung 1200 Frauen und Männer online befragt. Es ist die bislang umfangreichste Untersuchung zum Thema Doppelkarriere mit Kind. Die Studie erfolgte im Rahmen eines Kooperations-Projektes mit dem Bundesfamilienministerium.
Quelle: dpa
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