31.08.2011, 15:07 Uhr | rev
Zu viel Kontrolle durch die Eltern schränkt Kinder in ihrer Entfaltung ein. (Bild: imago)
"Wir weisen Kindern Räume zu wie Reservate: Kinderzimmer, Spielplätze. Aber Kinder wollen die Welt entdecken", so der Spielforscher Knut Dietrich im Interview mit der "Frankfurter Rundschau". Während es früher vor allem wichtig war, dass die Kinder rechtzeitig zum Abendessen wieder zu Hause sind, begleiten und organisieren heute viele Eltern die Spielzeit ihrer Kleinen bis ins letzte Detail: "Willst du nicht das neue Puzzle anfangen?", "Komm, lass uns rutschen gehen!", "Wollten wir nicht zusammen Ostereier färben?" Das sind typische Elternsätze, wie man sie ständig auf Spielplätzen und in Kinderzimmern hört. Vor lauter "Bespaßung" durch die Eltern bleibt den Kindern kaum Zeit und Freiraum, die Welt spielerisch und auf eigene Faust zu entdecken, wie es der Experte fordert.
Keine Frage, den Kindern Zeit zu widmen, sich für ihr Tun und ihre Leistungen zu interessieren und sie immer mal wieder zu sinnvollen Aktivitäten zu motivieren, ist wichtig - insbesondere in einer Zeit, in der Fachleute immer wieder den zu hohen TV- und Computer-Konsum von Kindern und Jugendlichen kritisieren. Doch wer seinen Kindern jede Entscheidung abnimmt und ihre gesamte Freizeit und Spielzeit verplant und begleitet, tut ihnen keinen Gefallen. Wie die Pädagogin und Spieltherapeutin Gabriele Pohl in ihren Buch "Kindheit - aufs Spiel gesetzt" erklärt, sei ununterbrochenes Einmischen kontraproduktiv.
"Freies Spiel entspringt der eigenen Fantasie, Es lebt davon, dass Kinder ihren Impulsen folgen", sagt Pohl. Auf diese Weise können Kinder ausdrücken, was sie tatsächlich interessiert, nur so können sie eigene Erfahrungen sammeln und verarbeiten und nur so lernen sie, dass sie ihre Welt selbst mitgestalten und etwas in ihr bewegen können. Übermäßige Bespaßung und ständige Vorgaben durch die Eltern schränken die Kids hingegen in ihrer eigenen Kreativität ein und verunsichern sie zudem: Sie verlieren zunehmend den Glauben in ihre eigenen Fähigkeiten. Ein schwaches Selbstbewusstsein könnte die Folge sein.
Für jene Eltern, die alles, was ihre Kinder treiben, vorgeben und kontrollieren und die vor allem immer dabei sind, hat sich in den USA inzwischen der Begriff "helicopter parenting" durchgesetzt: Eltern kreisen - wie ein Helikopter im Film über verdächtigen Verbrechern - ständig über ihren Kindern und nichts geschieht ohne ihr Wissen. Was aber sind die Gründe für dieses Elternverhalten, das sich gerade in den letzten Jahren mehr und mehr zum Standard entwickelt hat? Der britische Soziologe Fran Furedi spricht in diesem Zusammenhang von "Eltern-Paranoia": Eltern projizieren ihre Ängste auf das Kind. Diese sind selten an eine tatsächlich bestehende Bedrohung gekoppelt. Es gilt inzwischen schlichtweg als gefährlich ein Kind unbeaufsichtigt - auch zusammen mit anderen - spielen zu lassen. Gehäufte Medienberichte zum Beispiel über das Thema Kindesmissbrauch verunsichern die Eltern zusätzlich.
Doch nicht allein die Angst der Eltern ist ausschlaggebend - es ist auch der Druck, der auf ihnen lastet. In den jeweiligen Bildungsplänen von Bayern und Hessen heißt es: "Kein Kind will nur spielen, es will auch mit realem Leben und ernsthaftem Tun beschäftigt sein." Kein Wunder, dass Eltern bei solchen Richtlinien leicht einem Förderwahn verfallen. Die Ergebnisse der ersten Pisastudie aus dem Jahr 2000 haben ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen: Die Furcht der Eltern, dass die Kinder in ihrer Entwicklung und in ihrem Bildungsstand, Gleichaltrigen hinterher hinken könnten, ist groß. Aus diesem Grund sollen Spiele nicht mehr in erster Linie Spaß bereiten, sondern sie müssen immer auch einen Lerneffekt, einen pädagogischen Nutzen beinhalten - so zumindest die scheinbar vorherrschende Meinung, der sich Eltern in unserer Gesellschaft kaum entziehen können. Dass Kinder auf diesem Wege entscheidende Eigenschaften wie Kreativität oder Eigenständigkeit sich nicht aneignen können, wird gerne unterschlagen. Zweifellos ist der Druck, der heutzutage auf den Eltern lastet, immens - doch in zu vielen Fällen wird er von ihnen an die Kinder weitergegeben.
Für die Entwicklung des Kindes und für sein Selbstbewusstsein ist es bedeutend, dass das Kind früh lernt, sich auch unabhängig von anderen - speziell von den Eltern - zu beschäftigen. Hier sind einige Tipps wie Sie Ihren Nachwuchs soweit bringen:
Quelle: t-online.de
Pädagoge schrieb:
am 6. September 2011 um 19:30:52
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Kids
Kann ich als Pädagoge so unterschreiben. Der Kinderhype ist mörderisch. Lasst den armen Kindern ihre Kindheit. Zwingt sie nicht zu
früh zu einem Erwachsenenleben.
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