23.11.2009, 11:24 Uhr | mmh
Bildungscheck: Gleiche Bildungschancen für alle? (Bild: Imago)
Welches Bundesland hat das beste Schulsystem. Wo bestehen Defizite im Bildungssystem? Wer hat sich verbessert? Der Bildungscheck "Bildungsmonitor 2009" nahm Kindergarten, Schule, Lehre und Hochschule unter die Lupe. Der Fokus liegt auf bildungsökonomisch relevanten Handlungsfeldern. Ergebnis: Alle Bundesländer haben sich verbessert, aber es bestehen noch deutliche Defizite und Handlungsnotwendigkeiten.
Die deutschen Schulen werden nach einer Studie immer besser. Alle 16 Bundesländer haben laut "Bildungsmonitor 2009" in den vergangenen fünf Jahren ihre Bildungssysteme reformiert und dadurch leistungsfähiger gemacht. Die besten Bildungsstandorte sind wie in den Vorjahren Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Auf dem letzten Platz steht Berlin. Mit den aktuellen Ergebnissen wäre Berlin vor fünf Jahren Spitzenreiter noch vor Bayern gewesen.
Die Bildungssysteme aller 16 Bundesländer sind innerhalb von fünf Jahren deutlich leistungsfähiger geworden. Das ergab die Ländervergleichsstudie "Bildungsmonitor", die seit 2004 im Auftrag der arbeitgeberfinanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erstellt wird. „In vielen der untersuchten Kriterien haben sich die Länder deutlich verbessert“, sagt Max A. Höfer, Geschäftsführer der INSM. Der Bildungsmonitor vergleicht die Bildungssysteme der Bundesländer anhand von über 100 Kriterien, darunter Klassengröße, staatliche Investitionen, Zahl der Bildungsabschlüsse von Schülern und Studenten, Bildungsausgaben und Studiendauer. Anscheinend entscheidet nicht die Wirtschaftskraft eines Bundeslandes über die Bildungsqualität. An die Spitze der Rangliste haben es mit Sachsen und Thüringen zwei Länder geschafft, deren Bruttoinlandsprodukt unter dem Bundesdurchschnitt liegt.
Der Handlungsdruck bleibt groß in den Feldern Betreuungsbedingungen und im MINT-Bereich, das ist die mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung, ebenso im bereich Integration. Eine der wichtigsten "Baustellen" der Bildungspolitik bleibt weiterhin das Aufbrechen des Zusammenhangs zwischen Bildungserfolg und Herkunft.
Ansatzpunkt der Studie ist: Das Schulsystem hat als übergeordnetes Ziel, dazu beizutragen, die Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Wachstum zu verbessern. Die Leitfrage also: Wird das Humankapital der Bevölkerung angehoben? Werden die Kompetenzen der Jugend verbessert? Grundannahme ist: Das wirtschaftliche Wachstum beschleunigt sich dann, wenn das Bildungssystem den Übergang in das Erwerbsleben und den Eintritt in den Arbeitsmarkt erleichtert, denn dadurch verringert sich die Steuer- und Abgabenbelastung durch das Mehr an Beschäftigung.
Sachsen baut 2009 seine Spitzenposition weiter aus. Danach ist das Bildungssystem in Sachsen am ehesten in der Lage, die Wirtschaftsleistung anzukurbeln. Sachsen - die sogenannte "Ingenieurschmiede Deutschlands" - weist in keinem der 13 untersuchten Handlungsfelder Schwächen auf. Im Bundesvergleich ist Sachsen sehr gut mit Ganztagseinrichtungen (Förderinfrastruktur) ausgestattet und weist nach Thüringen die besten Betreuungsrelationen an Schulen auf. Die aus der Bildungsvergleichsstudie PISA hervorgegangene beste Schulqualität, die geringste Bildungsarmut und die zweitbesten Ergebnisse bei der Integration bildungsferner Schüler sind neben der Stärke der Ingenieurausbildung herausragend. Der Freistaat dominiert den Ländervergleich und legt im Vergleich zum Vorjahr um 6,5 Punkte zu, nur Mecklenburg-Vorpommern (+ 11,3 Punkte) kann eine noch bessere Dynamik vorweisen. Thüringen hat sich um einen Platz auf Rang 2 verbessert. Große Sprünge nach vorn schaffen auch Rheinland-Pfalz (+ 5,4 Punkte) und Bremen (+ 5,1 Punkte).
Zwar kommt die Bundeshauptstadt beim aktuellen Bildungsmonitor nur auf Rang 16. Jedoch hätte das aktuelle Ergebnis vor fünf Jahren Platz eins vor dem damaligen Sieger Bayern bedeutet. Die Hauptstadt kann sich gegenüber 2008 im Durchschnitt der bewerteten Handlungsfelder um 0,1 Punkte verbessern. Kein anderes Bundesland hat eine geringere Dynamik vorzuweisen (Datenstand: überwiegend 2007 zu 2006). Deutliche Schwächen werden bei der Bekämpfung der Bildungsarmut und bei der beruflichen Bildung deutlich. Die größten Verbesserungen konnten in den Handlungsfeldern Ausgabenpriorisierung (+ 13,9) und Inputeffizienz (+ 13,4) erreicht werden. Sachsen baut 2009 seine Spitzenposition weiter aus. Der Freistaat dominiert den Ländervergleich und legt im Vergleich zum Vorjahr erneut um 6,5 Punkte zu, nur Mecklenburg-Vorpommern (+ 11,3 Punkte) kann eine noch bessere Dynamik vorweisen. Thüringen hat sich um einen Platz auf den zweiten Rang verbessert. Große Sprünge nach vorn schaffen auch Rheinland-Pfalz (+ 5,4 Punkte) und Bremen (+ 5,1 Punkte).
Besonders beeindruckend: Im Durchschnitt aller Länder ist die Quote der Studienberechtigten von rund 38 Prozent im Jahr 2002 auf über 44 Prozent im Jahr 2007 deutlich gestiegen. 2007 starteten bereits 60 Prozent aller Studienanfänger in Bachelor-Studiengängen, 18 Prozentpunkte mehr als 2006. Deutliche Verbesserungen gibt es auch beim Fremdsprachenunterricht und bei der Schulabbrecherquote.
Die Studie zeigt, dass ärmere Bundesländer den reicheren bei den gesetzten Rahmenbedingungen für einen größeren Bildungserfolg in nichts nachstehen. Sachsen und Thüringen, mit einem vergleichsweise niedrigen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, beweisen das eindrucksvoll. Festzustellen ist auch, dass trotz angespannter öffentlicher Haushalte in den Bundesländern die Bildungsausgaben über alle Länder hinweg nach und nach angestiegen sind.
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat die Bundesländer aufgefordert, mehr für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern zu tun. Seit dem Inkrafttreten einer entsprechenden UN-Konvention in Deutschland im März habe es keine großen Fortschritte gegeben. Lediglich Schleswig-Holstein und Bremen hätten konkrete Schritte eingeleitet, um behinderte und nichtbehinderte Kinder häufiger zusammen zu unterrichten. "In Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz wurde immerhin Handlungsbedarf erkannt", sagte Verbandspräsident Adolf Bauer.
Nach Angaben der Kultusministerkonferenz gibt es in Deutschland etwa eine halbe Million Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Dazu gehören körper-, lern- und auch geistig behinderte Kinder. Jedoch haben nach Zahlen aus dem zweiten nationalen Bildungsbericht 2008 nur 15,7 Prozent von ihnen die Chance, eine Regelschule zu besuchen. Die UN-Behindertenkonvention sieht vor, dass 90 Prozent aller behinderten Kinder zusammen mit Nichtbehinderten unterrichtet werden. "Bislang erfüllen die meisten Bundesländer nicht ansatzweise ihre Verpflichtung, behinderte und nichtbehinderte Kinder in der Regel gemeinsam zu unterrichten", kritisierte Bauer.
Der Bildungsmonitor bewertet, was die Bildungssysteme zu wirtschaftlichem Wachstum beitragen können. 102 Indikatoren werden 13 bildungspolitischen Handlungsfeldern zugeordnet. Die Daten wurden unter anderem von den Statistischen Landesämtern und der OECD erhoben und stammen mehrheitlich aus dem Jahr 2007, dem aktuellsten statistisch verfügbaren Kalenderjahr.
Quelle: dapd , dpa , t-online.de
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