27.08.2009, 10:25 Uhr | rev
Viele Kinder scheitern am Schulsystem. (Bild: Archiv)Nicht nur Noten und Leistungen zählen in der Schule - eine neue Studie zeigt einmal mehr, wie groß der Einfluss des Bildungsstands der Eltern auf die Schullaufbahn und damit die beruflichen Chancen der Kinder ist. Es wird deutlich, dass viele Schüler systematisch unterfordert werden: Obwohl das Potenzial für eine höhere Schule ausreiche, landen viele Kinder auf der Hauptschule - mit drastischen Folgen.
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Das Ergebnis einer Studie des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ist erschreckend: Fast jedes dritte Kind geht auf die falsche Schule. Die Experten haben herausgefunden, dass beim Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule 17 Prozent auf einer Schule landen, die unter ihrem Leistungsniveau ist. Besonders in Familien ohne Akademiker gehen Kinder oft nicht zur Realschule oder aufs Gymnasium - auch wenn sie in der Grundschule gute Noten haben. Dadurch sind nicht wenige unterfordert. Für Kinder aus nichtakademischen Familien ist dieses Risiko zweieinhalb Mal so hoch wie für Kinder aus Akademikerhaushalten. Weitere 13 Prozent der Schüler wechseln nach der Grundschule auf eine Schule, die oberhalb ihrer Fähigkeiten liegt.
In der Aktion "Bildungslückengegner" setzen sich Prominente für bessere Schulen in Deutschland ein. (Bild: Bildungslückengegner)Für die Studie wurde das Lernpotenzial von knapp 900 Schülern getestet und so für jede Schulform Mittelwerte aufgestellt. Mit Berücksichtigung einer Standardabweichung konnte auf diese Weise festgestellt werden, ob ein Schüler an seiner Schule unter- oder überfordert ist. Deutlich erkannten die Berliner Bildungsforscher, wie groß der Einfluss des Bildungsgrades der Eltern auf die schulische Laufbahn der Kinder ist. Es ergebe sich ein klares Ungleichgewicht bei der Verteilung auf die weiterführenden Schultypen: So besuchen fast vier Fünftel der Kinder aus Akademikerfamilien das Gymnasium. Bei Schülern aus Haushalten ohne solchen Bildungshintergrund sind es nur rund drei Zehntel. Ähnlich stark ausgeprägt ist das Missverhältnis bei den Hauptschulen. Jedes vierte Kind aus einem nicht-akademischen Elternhaus (26 Prozent) lernt dort. Das tut nur jedes zwanzigste Kind (fünf Prozent), dessen Eltern einen Hochschulabschluss haben.
Schon früher haben andere Studien im Umfeld der Pisa- und Iglu-Studien belegt, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen in Deutschland weit größer ist als in einem Großteil anderer Staaten. Zu oft liegen Lehrer im stark selektiven deutschen Schulsystem mit ihren Schulempfehlungen für die weiterführende Schule daneben. Andere Untersuchungen ergaben sogar eine Quote von bis zu 50 Prozent von Schulempfehlungen, die nicht durch Noten und Leistung der Schüler gerechtfertigt sind. Wilfried Bos, der Leiter der deutschen Iglu-Studie, bezeichnete dies als "bildungspolitischen Skandal".
Die Folgen jener systematischen Unterforderung, die viele falsch eingestufte Schüler betrifft, seien fatal. Vielen Kindern würden die Chancen auf ein späteres Studium frühzeitig verbaut. Sie könnten ihr Potenzial nicht nutzen, und ihre Motivation in Bezug auf Bildung werde nicht ausreichend gefördert. Es wird deutlich: Regelmäßig scheitern in Deutschland Kinder am Schulsystem - und nicht an ihren Fähigkeiten und ihrem Potenzial.
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Quelle: t-online.de , dpa
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