02.05.2011, 14:56 Uhr | rw
Cyber-Mobbing: Beleidigungen in der virtuellen Welt. (Bild: imago) (Quelle: imago)
Schon längst hat das digitale Zeitalter Einzug in deutsche Kinderzimmer gehalten. Souverän bewegen sich Kinder und Jugendliche im Internet und nutzen ganz selbstverständlich auch soziale Netzwerke wie SchülerVZ, Facebook und viele mehr. Leider haben Schulen genauso wie Eltern es in der Vergangenheit häufig versäumt, den Nachwuchs auch auf mögliche Gefahren hinzuweisen, ihm die nötige Medienkompetenz zu vermitteln - meist weil sie bei Lehrern wie bei Erziehungsberechtigten selbst nicht ausreichend vorhanden ist. Eines der eklatantesten Probleme, das daraus resultiert, ist das Phänomen Cybermobbing.
Cyber-Mobbing ist eine moderne Form psychischer Gewalt. Die Verleumdungen und Schmähungen im Internet nehmen dabei eine ganze Bandbreite an Formen an. Neben der Veröffentlichung peinlicher Informationen, Bilder und Videos sind Kinder und Jugendliche häufig mit der Verbreitung von Gerüchten und Beleidigungen über soziale Netzwerke konfrontiert. "Cyber-Mobbing löst bei Kindern und Jugendlichen Wut, Trauer, Konzentrationsschwierigkeiten, körperliche Beschwerden bis zu Suizidgedanken aus", wissen auch die Experten von Pro Juventute. Die Schweizer Stiftung, die sich für die Rechte der Kinder einsetzt, musste bereits hunderte Kinder beraten und betreuen, die Opfer der virtuellen Beleidigungen wurden.
Der Leidensdruck bei den Opfern von Cyber-Mobbing ist enorm, zum Teil sogar größer als bei Mobbingopfern in der "echten" Welt. Denn über die sozialen Netzwerke erreichen peinliche Fotos oder Gerüchte nicht nur einen lokal begrenzten Kreis von Menschen, etwa eine Schulklasse, sondern wird öffentlich. Alle Beleidigungen wirken somit ins gesamte Leben des Opfers hinein. So bieten unter Umständen selbst ein Klassen- oder gar Schulwechsel keine Garantie für einen unbelasteten Neuanfang. Das Opfer empfindet seine Situation zunehmend als ausweglos.
Im Extremfall können die digitalen Beleidigungen Kinder und Jugendliche sogar in den Selbstmord treiben. Jüngstes Beispiel ist der amerikanische Student Tyler C., der heimlich beim Sex mit einem anderen Mann gefilmt worden war. Wenige Tage nachdem das Material auf der Video-Plattform YouTube online gestellt worden war, sprang der 18-Jährige nach Informationen des amerikanischen TV-Sender ABC von einer Brücke in den eigenen Tod. Wie existenziell wichtig ihre virtuelle Identität vielen Jugendlichen ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Tyler auch seinen Freitod zuvor auf seinem Facebook-Profil ankündigte.
Um die übelsten Auswüchse von Cyber-Mobbing in den Griff zu bekommen, fordern die Experten von Juventute eine bessere Ausbildung der Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und vor allem auch bei den Eltern. Noch immer wissen allzu viele Erziehungsberechtigte wenig darüber, was ihr Nachwuchs den lieben langen Tag im Internet treibt, geschweige denn, wie man im Ernstfall auf die virtuellen Mobbing-Attacken reagieren und sich zur Wehr setzen kann. Dabei ist es wichtig schnell einzugreifen, damit sich beim Kind gar nicht erst der Eindruck verfestigt, allen Angriffen schutz- und machtlos ausgesetzt zu sein.
Um auf die Täter oder deren Eltern zugehen zu können oder gegebenenfalls auch Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten, sollten Sie Beweise sichern. Speichern sie die rufschädigenden Inhalte ab und versuchen sie denjenigen herauszufinden, der diese veröffentlicht hat. Oft weiß das Opfer zumindest ungefähr aus welcher Richtung die Attacken kommen. Außerdem sollten sie die Schule, vor allem den Klassenlehrer über die Situation Ihres Kindes aufklären, damit Cyber-Mobbing und die möglichen drastischen Folgen in der Schule thematisiert werden.
Außerdem können Sie die Betreiber der Webseiten, auf denen Sie Mobbing-Inhalte gefunden haben informieren. Die Anbieter von sozialen Netzwerke haben selbst ein großes Interesse daran, dass ihre Seiten "sauber" bleiben und werden beleidigende Inhalte auf Ihren Hinweis hin löschen. Dasselbe gilt für Videos auf YouTube, wenn diese die Persönlichkeitsrechte des Kindes verletzen. Klar ist allerdings auch: Inhalte, die einmal ihren Weg ins Internet gefunden haben, sind dort kaum wieder restlos zu löschen. Niemand kann ausschließen, dass ein gelöschtes Video schon bald an anderer Stelle wieder auftaucht. Versuchen Sie, Ihr Kind über Gespräche stark zu machen, damit es möglichst gut damit umgehen kann. Das Gefühl, nur ein ohnmächtiges Opfer zu sein, das allen Angriffen wehrlos ausgesetzt ist, muss auf jeden Fall verhindert werden. Lassen Sie die Situation also nicht einfach laufen und hoffen auf Besserung, sondern handeln Sie.
Quelle: t-online.de , Pressetext
Sandra schrieb:
am 20. Juni 2011 um 14:42:24
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Der Staat muss hier eingreifen
Cybermobbing ist ein Verbrechen und sollte vom Staat verfolgt werdem: http://on.fb.me/gnPIns
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Mutter schrieb:
am 3. Mai 2011 um 08:18:32
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Medienkompetenz?
Im Zusammenhang mit Cyber-Mobbing wird immer Medienkompetenz der Kinder eingefordert. Aber eigentlich ist die Kompetenz des
Opfers völlig egal, denn die haben keinen Einfluss auf das, was über sie ins Netz gestellt wird. Selbst jemand, der gar keinen Computer hätte, könnte Mobbing gegen ihn nicht verhindern, er wüsste nur nichts davon! Verantwortungsgefühl und Mitmenschlichkeit bei den möglichen Tätern zu wecken, dürfte wohl dringender sein.
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Reinhard schrieb:
am 8. Oktober 2010 um 07:43:24
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(1)
Kehrseite
Kehrseite der Medaille
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