19.01.2012, 15:17 Uhr
Viele Kita-Kinder sprechen nicht gut Deutsch. (Quelle: Archiv)
Seit dem Pisa-Schock ist bekannt: Kinder ausländischer Herkunft haben es in der Schule oft schwer. Seitdem gibt es bundesweit zig Programme zu frühkindlicher Sprachförderung - doch wie gut sie wirken, ist kaum bekannt.
Deutsch-Programme für Kita-Kinder mit Förderbedarf schöpfen einer neuen Überblicksarbeit zufolge ihr Potenzial noch nicht aus. "Es fehlt nicht an Engagement, sondern eher an Erfolgen", schreiben die Autoren vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in ihrem Papier ("Dem Nachwuchs eine Sprache geben"). Bislang seien nur drei und damit viel zu wenige der bundesweit zahlreichen Ansätze untersucht worden.
"Von daher wissen wir noch gar nicht, ob vielleicht ein Goldstandard darunter ist", sagte Mitautorin Tanja Kiziak. Bei der Übersicht über die vorhandenen Ansätze werde jedoch klar: "Im Alltag der Kinder muss noch viel mehr passieren. Separate Sprachkurse alleine reichen nicht aus". Die Förderprogramme seien in der Regel zu kurz, die Mitarbeiter oft nicht genügend geschult.
Die Zahl der Kinder im Kita-Alter, die nicht ausreichend deutsch sprechen, wächst - das zeigen die Zahlen in der Überblicksarbeit. In Großstädten tritt das Problem demnach verstärkt auf: Nach 2010 veröffentlichten Ergebnissen lag in Berlin der Anteil bei den Kindern mit ausländischen Wurzeln bei 34 Prozent, in München bei 46 Prozent. Auch Kinder aus niedrigen sozialen Schichten haben oft Sprachdefizite.
"Ein früher Kita-Besuch ist deshalb wichtig, um die Basiskompetenz bis zur Einschulung zu vermitteln", betont Kiziak. Denn den betroffenen Kindern fehle das notwendige "Sprachbad", um deutsch in Familie und Wohnumfeld wie von selbst zu lernen. Besonders Kitas in Problembezirken bieten demnach oft keinen ausgewogenen Sprachmix: "Hier kann vielleicht eine bessere personelle und pädagogische Ausstattung helfen, eine Kita im 'Problembezirk' attraktiv zu machen." Derzeit müssten Erzieher häufig nach nur wenigen Tagen Schulung das Sprachprogramm übernehmen. "Viele Erwachsene tendieren aber dazu, selbst zu sprechen, anstatt die Kinder sprechen zu lassen", berichtet Mitautorin Vera Kreuter. Dies bringe den Kindern wenig. Eine Kombination aus langfristigen Sprachkursen in kleinen Gruppen und Sprachförderung im Kita-Alltag verspreche die besten Erfolge.
Zusammenfassend lässt sich das Problem so beschrieben: Die Kurse sind zu kurz, zu spät, nicht kindgerecht, das Personal nicht ausreichend geschult, die Kinder haben keine Sprachpraxis. Außerdem bleiben die Kinder mit Deutsch als Fremdsprache unter sich, doch Sprache lernt man auch vom Zuhören, im Gespräch mit Muttersprachlern, im alltäglichen Miteinander. Das "Sprachbad" fehlt. So lange aber deutsche Eltern darauf achten, ihre Kinder mit andern Deutsch-Muttersprachlern spielen zu lassen, wird sich daran wenig ändern. Natürlich gibt es kaum Eltern, die dies zugeben, aber die Zusammensetzungen der Kita-Gruppen zeigen dies deutlich. Dieses Verhalten wirkt mit, dass Kinder mit Migrationshintergrund kaum, nur mit großen Schwierigkeiten oder großer Sprach-Begabung ein vergleichbar hohes Sprach-Niveau erreichen wie Kinder ohne Migrationshintergrund. Allerdings muss man auch einräumen, die Erfolgserwartung an diese Kurse ist extrem hoch. Sprachkurse sind weder ein Patentrezept noch eine Wunderwaffe, um Integration alleine zu stemmen, sie sind ein Puzzle-Teil in dem gesellschaftlichen Prozess.
Ein positiver Nebenaspekt: In den Programmen steckt eine Anerkennung der Kita-Erzieher. Sie spielen eine wichtige Rolle, die aber nur selten und schon gar nicht finanziell honoriert wird.
Die Autoren der Studie sind optimistisch. In dem Papier heißt es: "Vielleicht fiele es in Deutschland leichter, einen besseren Umgang mit Sprachdefiziten zu finden, wenn diese nicht, wie derzeit meist der Fall, als ein Zeichen des Scheiterns betrachtet würden – sondern als Zwischenergebnisse eines Spracherwerbsprozesses, der mit allen Mitteln unterstützt und gefördert werden sollte, bis er abgeschlossen ist. Dabei besteht die optimale Strategie darin, bereits bei kleinen Kindern anzusetzen - denn sie sind von Natur aus die besten Sprachenlerner, die es gibt."
Quelle: dpa
Mutter schrieb:
am 30. April 2012 um 19:59:51
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(0)
Sinnvoll
Wie wäre es denn, wenn Erziehrinnen aus der Praxis gefragt werden würden, was sie bräuchten, damit Integration - auch sprachlich
- gelingen kann? Und wie wäre es, wenn diese praktischen Erfahrungen in die Planungen und Finazierungen einfießen würden?
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Lena schrieb:
am 26. Februar 2012 um 20:55:09
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Wer wundert sich denn wirklich darüber?
Wann und wo haben Kinder denn die Möglichkeit, zu sprechen? Das TV-Gerät wird noch vor dem
Aufstehen eingeschaltet und berieselt Kinder - das sind Erzählungen der Kinder! Wenn die Kinder abends nach Hause kommen ist das Gerät immer noch an, viele kinder haben ein Gerät in ihrem Zimmer. Oder sie sitzen am Nintendo u.ä. Woher sollen sie deutsch können>?
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Henry schrieb:
am 15. Februar 2012 um 18:41:36
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Verantwortung
Alles recht und schön! Wer aber glaubt, dass Institutionen die Versäumnisse der Eltern ausbügeln können, wird eines Tages
aufwachen und sich fragen müssen, warum er solange die Augen vor der Wahrheit verschlossen hat. Es gab schon einnmal eine Generation die kollektiv behauptet hat, von Allem nichts gewusst zu haben! Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
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