11.06.2010, 16:46 Uhr | mmh
Eine späte Diagnose von Eileiterschwangerschaften kann bedrohliche Konsequenzen haben. (Bild: Imago) (Quelle: imago)
Es sind nur ein bis zwei Prozent aller Schwangerschaften, die als Eileiterschwangerschaft gelten, doch viele bleiben oft unbemerkt. Meist kommt es schon in einem frühen Stadium zu einer spontanen Fehlgeburt. Doch manchmal wächst der Embryo weiter. Eine späte Diagnose kann schwerwiegende, ja sogar lebensbedrohliche Folgen für die betroffene Frau haben.
Manchmal schafft es die befruchtete Eizelle nicht bis zur Gebärmutter und nistet sich schon im Eileiter ein, im Gebärmutterhals, in den Eierstöcken oder der Bauchhöhle. Normalerweise durchwandert sie den Eileiter eigentlich in drei bis fünf Tagen. In etwa einer von 100 Schwangerschaften heftet sie sich an die Schleimhaut des Eileiters, dann beginnt das Wachstum des Embryos dort. Diese Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter nennt man "ektope Schwangerschaft", manchmal auch Bauchhöhlenschwangerschaften, dabei kann sich der Embryo auch - allerdings seltener - am Eierstock oder in der Bauchhöhle einnisten. Diese Stellen sind natürlich nicht dafür vorgesehen, der Raum ist zu eng, der Embryo wird nicht mit ausreichend Nährstoffen versorgt. Starke Schmerzen und Blutungen in Verbindung mit einem positiven Schwangerschaftstest können Symptome einer Eileiterschwangerschaft sein. Oft verlaufen und enden sie unbemerkt, auch deshalb ist die Zahl sehr niedrig. Allerdings haben Frauen, bei denen einmal eine Eileiterschwangerschaft (ELSS) aufgetreten ist, ein erhöhtes Risiko (zwischen sieben und 25 Prozent höher), dass sich dies wiederholt. Das Verhängnisvolle: Die Eileiterschwangerschaft beginnt ganz normal, die Menstruation bleibt aus, der Test ist positiv. Die Vorfreude steigt, oft zeigen sich wochenlang keine bedenklichen Auffälligkeiten.
Sehr verschiedene Faktoren können die Wanderung der Eizelle in die Gebärmutter stören. Größter Risiko-Faktor sind geschädigte Eileiter. Manchmal löst eine Entzündung solch eine Schädigung aus oder falls Frauen trotz Spirale schwanger werden, verhindert diese Spirale den Transport. Ebenso führt häufig eine Endometrose dazu, dass durch starke Verwachsungen die Eileiter verkleben und dadurch zu unbeweglich sind, um den Embryo zu transportieren. Weitere Faktoren sind Polypen im Eileiter oder eine nur schwache Muskelschicht.
Das sind die Risikofaktoren:
Zunächst entwickelt sich der Embryo planmäßig, doch der Raum wird mit zunehmender Größe zu eng. Zu dem Platzmangel kommt die nicht ausreichende Versorgung. Sitzt der Embryo im engen Teil des Eileiters kommt es am schnellsten zu einer "Ruptur" von Blutgefäßen, das heißt das Gewebe reißt und es entsteht eine Blutung in die Bauchhöhle. Die Frau verspürt starke Schmerzen. Oft nimmt die Frau überhaupt erst jetzt die Eileiterschwangerschaft wahr, die sich bisher unbemerkt entwickelt hat. Die Blutungen können so massiv sein, dass sie sogar lebensbedrohliche Ausmaße haben können, ein Schockzustand mit Kreislaufversagen kann folgen. Das Problem: Die Blutgefäße in der Umgebung können durch die Schwangerschaft verletzt werden.
Frauen, die folgende Symptome zeigen, sollten unbedingt sofort einen Arzt aufsuchen, besonders dann, wenn die Monatsblutung ausgeblieben ist. Im Zweifelsfall auch den Notarzt rufen. Denn: Eine Eileiterschwangerschaft und die begleitenden Blutungen können lebensgefährlich sein. Das sind die Warnsignale:
Je früher eine Eileiterschwangerschaft diagnostiziert wird, desto ungefährlicher verläuft sie. Aber es ist nicht leicht, die Eileiterschwangerschaft zu einem frühen Zeitpunkt mit Sicherheit festzustellen, da im Ultraschall noch nichts zu sehen ist. In der vaginalen Untersuchung kann der Frauenarzt oft ertasten, dass die Gebärmutter kleiner als sonst bei gleicher Schwangerschaftsdauer ist, oft ertastet er eine schmerzhafte Stelle, eine Schwellung, an der sich das befruchtete Ei eingenistet hat. Ein Verdacht auf Eileiterschwangerschaft besteht dann, wenn der Schwangerschaftstest positiv ausfällt, aber auch in der sechsten Woche auf dem Ultraschall noch keine Schwangerschaft in der Gebärmutter zu sehen ist. In manchen Fällen zeigt der Ultraschall auch eine Eileiterschwangerschaft. Ein weiteres Indiz für eine Eileiterschwangerschaft ist der Hormonspiegel: Steigt die Konzentration des Schwangerschaftshormons (hCG) nur langsam an, verstärkt sich der Verdacht Ist der Verdacht sehr stark, die Diagnose aber nicht sicher, muss eine Bauchspiegelung durchgeführt werden.
Je früher die Eileiterschwangerschaft festgestellt und behandelt wird, desto besser ist die Chance, dass der Eileiter erhalten werden kann. Ist die Frau beschwerdefrei, ist es eine Abwägungssache zwischen Abwarten oder medizinischem Eingriff, denn sehr oft "hilft sich die Natur selbst", wie es umschrieben wird, wenn ein Tubarabort, eintritt, also ein Abgang des Embryos. Dann bildet sich die Schwangerschaft ohne Rückstände zurück. Allerdings kann der Eileiter auch plötzlich und ohne Vorwarnung reißen und es kann zu einer gefährlichen inneren Blutung kommen. Oft wird den Frauen in dieser Situation eine stationäre Beobachtung empfohlen. Meist wird in einer Bauchspiegelung - drei kleine Schnitte in der Bauchdecke - der Eileiter an der betreffenden Stelle geöffnet und der Embryo entfernt. Der Eileiter verheilt anschließend. Die betroffenen Frauen tragen allerdings ein erhöhtes Risiko, eine weitere Eileiterschwangerschaft zu erleben. In manchen Fällen kann das Gewebe nicht komplett entfernt werden oder die hCG-Werte sind so niedrig, dass man vermuten muss, in einer Bauchspiegelung die Schwangerschaft nicht auffinden zu können. In einer normalen Schwangerschaft würden sich die hCG-Werte alle zwei Tage etwa verdoppeln. Bei solchen Befunden wird man ein wachstumhemmendes Zellgift (Metothrexat) einsetzen, das über eine Infusion verabreicht wird, dies tötet das Schwangerschaftsgewebe ab. Wird die Eileiterschwangerschaft erst spät diagnostiziert oder liegen sehr starke Verwachsungen vor, muss der betroffene Eileiter entfernt werden. In den allermeisten Fällen kann der Eileiter erhalten werden. Für eine weitere Schwangerschaft genügt jedoch auch ein Eileiter.
Leider kann man keinen Embryo aus dem Eileiter in die Gebärmutter verpflanzen. Das würden sich viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch erhoffen, denn vor allem sie trifft oft mehrmals eine Eileiterschwangerschaft verbunden mit allen Hoffnungen und Enttäuschungen.
Drei Monate sollten Frauen nach einer Operation warten und verhüten, bevor sie eine weitere Schwangerschaft anstreben. Wird das Medikament Metothrexat eingesetzt, werden sogar sechs Monate Wartezeit empfohlen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter wiederholt, um zehn bis 20 Prozent erhöht. Bleibt bei einer Behandlung der Eileiter erhalten, liegt die Chance einer normalen Folge-Schwangerschaft bei 50 bis 60 Prozent, bleibt nur ein funktionstüchtiger Eileiter erhalten, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf 20 bis 50 Prozent.
Quelle: t-online.de
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