15.04.2011, 16:06 Uhr | Sarah Jasmin Mehrtash
Kinder kann die Realität traumatisieren, jedoch sollten sie zeitgemäß über ihr Essen aufgeklärt werden. (Foto: imago) (Quelle: imago)
Eine deutsche Durchschnittsfamilie isst drei Mal am Tag. Zum Frühstück gibt es Brötchen mit Aufschnitt, mittags Rindergoulasch und vielleicht noch einmal Hühnchen zum Abendbrot. Selten reden Familien darüber, woher das Fleisch kommt - dass ein Tier dafür sterben muss, ist natürlich bekannt. Doch die breite Masse wird wenig mit der Realität konfrontiert und der wohlbehütete Nachwuchs schon gar nicht. Dies dachte sich wohl auch ein Lehrer an der Gemeinschaftsschule in Ratekau. Bei dem Projekt "Steinzeit“ ist ein Kaninchen vor den Augen der Schüler geschlachtet und am nächsten Tag gegrillt worden. Besorgte Eltern wandten sich an Presse und Justiz.
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Eltern waren verärgert und manche Kinder wurden traumatisiert. Auch Thomas Schunck, Pressesprecher des Bildungsministeriums Schleswig-Holstein äußerte sich zu dem Vorfall: "Die Elternkritik war unter anderem, dass einige Kinder an Übelkeit litten oder Einschlaf-Probleme hatten."
Dieses Szenario hat nicht nur in Ratekau für jede Menge Aufruhr gesorgt. Deutschlandweite Schlagzeilen blieben nicht aus. "'Wie kommt das Essen auf den Teller' ist ein Schul- und Unterrichtsthema. Pädagogische Konzepte müssen aber anders aussehen als in diesem Fall und auch altersgerecht auf die Schüler zugeschnitten sein", sagt Schunck zu dem Vorfall und bezeichnet das Geschehen als "höchst problematisch".
Auch Ronald Oerter, Kinder- und Jugend-Psychotherapeut spezialisiert auf Psychoanalyse, bestätigt gegenüber t-online.de/eltern diese Aussage: "Für ein Kind der fünften Klasse im Alter von neun bis elf Jahren kann die unvermittelte Konfrontation mit dem Sterben eines beliebten Haustiers durchaus traumatisierend sein. Kinder in diesem Alter nutzen Tiere als Projektionsfläche für ihre Gefühlswelt und als sogenanntes 'Selbstobjekt', das mit 'nur guten Eigenschaften' ausgestattet wird."
Doch trotz aller Kritik an dem Schulprojekt sollte das Thema nicht vollständig außer Acht gelassen werden, da sind sich alle Beteiligten einig. Die Tatsache, dass Landkinder noch wissen wie "echte Kühe" aussehen, doch Großstadtkinder nur Bruchteile der Natur kennen, ist Fakt. Kinder vom Bauernhof lernen im Sommer ein Schwein namens "Herbert" kennen, welches gestreichelt, gefüttert oder auch gemästet wird und das im Winter auf dem Teller landet. Sie sind es gewohnt und kennen es nicht anders.
Sie mögen deshalb weniger anfällig für ein Trauma sein als andere Kinder, was auch Ronald Oerter bestätigt und gibt dazu das Beispiel:"In meiner Praxis werde ich häufig mit Scheidungskindern in diesem Alter konfrontiert, für die ihre Welt plötzliche zusammenbricht und dann in eine Realität gestoßen werden, die sie nicht ausreichend gut bewältigen können, weil sie entwicklungspsychologisch noch nicht dazu in der Lage sind."
Ähnlich verhält es sich im Fall des Schulprojekts: "Ein Projekt dieser Art kann frühestens ab der Pubertät mit einem Huhn, gut eingebettet in die komplette Unterrichtseinheit, durchgeführt werden, wobei Elternvertreter mit einbezogen werden müssen. Oerter bestätigt auch, dass solche Projekte durchaus notwendig sind, nur ab wann und wie sie eingesetzt werden ist fraglich. "Kinder müssen entwicklungspsychologisch weit genug für eine kritische Reflektion sein und genau das ist bei Kindern in der fünften Klasse nicht der Fall. Mit zwölf, 13 Jahren fängt die körperlich-biologische Reifung an und erst dann wäre ein nur theoretisches Projekt absolut sinnvoll", betont der Psychotherapeut. Auch Schunck sagt: "Wenn besondere Projekte durchgeführt werden, sollten diese von den Schulen auch besonders angekündigt werden. Schüler- und Elternbeteiligung sind immer vernünftig und gelegentlich zwingend.“
Zusätzlich sollten Eltern ihre Kinder über die Nahrungsmittel informieren, welche ihnen auf den Tisch gestellt werden. Nicht nur über die Herkunft des Fleisches, sondern auch über andere gesunde Nahrungsmittel, sollte aufgeklärt werden. Häufig schmeckt Kindern nur Essen, welches künstlich hergestellt worden ist, denn sie haben es oft nicht anders kennengelernt und empfinden das Natürliche als Unnatürlich.
Eltern sollten sich deshalb dringend auch mit diesem Thema auseinandersetzen und zu Hause mit frischen Zutaten kochen, um vor Krankheiten vorzubeugen und ihren Kindern die Möglichkeit zu geben, auch solches Essen kennenzulernen. Voraussetzung für eine gute Ernährung ist es schließlich informiert zu sein.
Sarah Jasmin Mehrtash
Sundancer29 schrieb:
am 18. November 2011 um 12:22:34
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Schlachten
Finde es nicht gut wenn man Kindern zeigt wie man ein Tier schlachtet. Viele Kinder können soetwas nicht verarbeiten. Denn sie
sind Tierlieb. Mir selbst dreht sich der Magen um wenn ich so was lese. Gut früher war es noch ein bisschen anders da sahen die Kinder wie geschlachtet wurde aber heute nicht. Früher hatte man selbst Hühner und Schweine und man wusste woher dass Fleisch kam heute nicht mehr. Selbst dann sollte so ws nicht in der Schule gezeigt werden.
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Ulrike schrieb:
am 17. Mai 2011 um 16:34:09
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Tiere schlachten
Hab als Kind immer beim Schlachten zugesehen, das war für mich was ganz Normales und für alle anderen Kinder in der
Umgebung auch. Traurig, dass die allermeisten heutigen Kinder keinerlei Bezug mehr zu Landwirtschaft und Viehhaltung haben und nicht mehr kennen lernen, woher ihr Essen kommt!
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Elvira schrieb:
am 26. April 2011 um 09:21:32
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Fleisch
Manche Tiere sind da, damit wir sie liebhaben können (Haustiere) und manche Tiere sind da, damit wir sie essen können (Nutztiere).
Diesen Unterschied kann man schon Kleinkindern vermitteln, dann bekommen sie von Anfang an einen ganz natürlichen Bezug zu Fleisch. Bin selber mit Haustieren UND Nutztieren aufgewachsen, ich wusste von klein auf, wie das Fleisch auf den Teller kommt und habe das später auch meinen Kindern vermittelt. Ein Problem mit Fleisch gab es in unserer Familie noch nie.
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