11.11.2010, 13:50 Uhr | as
Zurück in der Schule: Ein Vater erlebt seinen ersten Elternabend. (Bild: imago)
Das ist er also, mein erster Elternabend als Vater eines Neu-Gymnasiasten. Kalte, graue Wände, hohe Räume und eine spartanische Inneneinrichtung erwarten mich. Der altvertraute Schulmief, ein Mix aus den Ausdünstungen vieler Menschen, Linoleum-Boden und verbrauchter Luft, steigt mir in die Nase. Hier also wird unser Sohn die nächsten acht Jahre verbringen - sofern das Experiment Gymnasium gut geht. "Beginn: 19 Uhr, Ort: Schulmensa" steht in der Einladung. Ich bin am richtigen Ort zur richtigen Zeit, die ersten beiden Punkte sind damit schon einmal abgehakt.
Heute lerne ich all die Beteiligten des Zweckbündnisses G8 kennen, die Mit-Eltern und Lehrer der fünften Klasse unseres Sohnes. Zweieinhalb Stunden sind dafür vorgesehen. Himmel, zweieinhalb Stunden! Was, bitte, gibt es denn so lange zu reden? Egal, denke ich, das geht auch irgendwie rum. In der zum Informationssaal umgebauten Schulmensa entdecke ich hier und da ein paar Geschlechtsgenossen inmitten der weiblich dominierten anwesenden Elternschaft. Irgendwie tröstlich für den Augenblick.
Kaum Platz genommen werden wir sogleich klassenweise in kleinere Räume gebeten. Hier warten die Fachlehrer, um den Eltern ihre Vorstellungen von der Gestaltung des kommenden Schuljahres zu vermitteln. Ebenso das, was getan werden kann, um den Hoffentlich-irgend-wann-einmal-Abiturienten den Sprung ins kalte Wasser etwas angenehmer zu gestalten. Sport, Erdkunde, Religion, Mathe, Englisch - eifrig mache ich mir Notizen, welcher Lehrer es wie mit den Abfragen hält, wie viele Stegreifaufgaben anstehen und wie viele Farben der Malkasten vorweisen sollte. "24 wären gut, zwölf sind aber auch in Ordnung." Na toll! Der Frage einer übereifrigen Mutter nach der gewünschten Pinselstärke ordne ich dann schon eine niedrigere Priorität zu und stoppe erst einmal mein Elternabendprotokoll. Das ist nach bereits 30 Minuten auf beängstigende drei DIN A5-Seiten angewachsen.
Stattdessen mustere ich die angetretene Lehrerschaft und vergleiche sie vor meinem geistigen Auge mit den Pädagogen, die ich damals hatte. Ein bisschen streng aber witzig der eine, offen und sympathisch der andere und einfach nur stinklangweilig der dritte. Immerhin ist kein Totalausfall zu erkennen. Alles in allem eine ganz passable Mischung befinde ich am Ende der Vorstellungsrunde. Ob das unser Filius ebenso sieht? Ich habe da meine Zweifel. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht - wir hinken bereits jetzt dem Zeitplan hinterher - und es geht zurück in die Mensa. Hier steht "Organisatorisches und Allgemeines" auf dem Stundenplan. Ich lerne, dass das Mittagessen in der Mensa ausschließlich bargeldlos und nur über das Internet tags zuvor bestellt werden kann. Bezahlt wird per Kontoguthaben. Wow, das nenne ich mal modern! Es drängt sich mir allerdings die Frage auf, ob diejenigen, die kein Internet haben, auch etwas zu essen bekommen. Ich entscheide mich aber, das lieber doch nicht zu fragen. Am Ende kommt noch jemand auf den Gedanken, wir hätten kein Internet! Bis auf diesen Punkt erscheint mir alles andere einigermaßen logisch und angebracht, wieder Haken dran. Das Erfahrene lässt mein Protokoll auf inzwischen fünf Seiten anschwillen.
Richtig spannend, so wird uns mitgeteilt, wird es aber erst jetzt. Es geht ins Klassenzimmer "unserer" Klasse mit der Klassenleiterin und dem Kernteam - so nennt sich das Trio aus den Verantwortlichen für Englisch, Deutsch und Mathe. An dem Ort, an dem unsere gar nicht mehr so Kleinen künftig Schweiß und Tränen vergießen, stellt sich die Klassenführung der Musterung und Neugier der Erzeuger. Eines dämmert mir dabei ziemlich schnell: Der anfangs so großzügig anmutende Zeitplan wird angesichts des Fragen- und Mitteilungsbedürfnisses der über 30 Eltern nicht zu halten sein. Na super! Ich stelle mich innerlich schon mal auf irgendwas nach 22 Uhr als Schlusspunkt ein. "Also ich habe ja schon zwei andere Kinder hier auf der Schule und ich muss sagen ..." meldet sich eine Mutter ungefragt zu Wort und lässt uns fortan bei jeder passenden wie unpassenden Gelegenheit an ihrem reichen, aber ziemlich überflüssigen Erfahrungsschatz teilhaben. Ich bekomme Kopfschmerzen und entscheide, die Dame bei künftigen Gelegenheiten tunlichst zu meiden. Immerhin ist damit eine Hackordnung hergestellt: Wissende sind von unwissenden Eltern unterschieden und nebenbei ist auch die Eltern-Klassensprecherin auserkoren. Zumindest dieser Kelch ist an mir vorüber gegangen, Haken dran.
"Können die Kids zum Einschlafen auch ihre Lieblingsstofftiere mitbringen?", lautet eine andere, eminent wichtige Frage. Wir sind, unschwer zu erkennen, beim Thema Schullandheim angelangt und der Erkenntnis, dass man auch mit zehn bis elf Jahren durchaus noch ein Schnuffeltier als Einschlafhilfe haben kann. Ich widme mich lieber echten Problemen und mache mir Gedanken darüber, warum die Schultasche unseres Sohnes samt gefühlten 20 Büchern satte acht Kilogramm wiegen muss - ein Fünftel seines Körpergewichts. Ich überschlage schnell mein eigenes Gewicht, errechne, was ich zu tragen hätte und komme zu dem Schluss, dass das nicht wirklich gut sein kann.
Mittlerweile sind wir bei der Hausordnung, sprich den Verboten angelangt. Handys müssen aus sein, Kaugummis sind in der ganzen Schule strengstens untersagt. Für Schlägereien, Vandalismus und Müll auf den Boden schmeißen werden gelbe Karten verteilt. Ich finde den letzten Punkt zwar nicht ganz so schlimm wie die vorherigen, aber das wird schon seine Ordnung haben. Mein Protokoll weißt nunmehr acht eng geschriebene Seiten auf, hoffentlich kann ich das Geschreibsel daheim noch entziffern und meiner Frau alles haarklein erklären. Dann ist endlich Schluss - um 22:10 Uhr. Gut geschätzt, letzter Haken für heute. Beim Nachhauseweg beschließe ich für mich, den nächsten Elternabend unbedingt wieder meiner Frau zu überlassen.
Quelle: t-online.de
Jasmin schrieb:
am 15. November 2010 um 11:58:51
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Nett ...
Da hat ER aber noch einen seichten Abend erlebt :-) Bei unserem letzten Elternabend (Gymn. 6. Klasse) gingen Eltern UND Lehrer
richtig aufeinander los. Zoff um so viele Themen. Und Lehrer, die sich zwar als Strahlemänner/-frauen darstellen, aber auf berechtigte und ungerechtfertigte Kritik mit nett gezielten Bugschüssen kontern. Nach dem Motto: Ich stelle mich hier vor und opfere meinen Abend, aber wehe Ihr lasst mich nicht in Frieden. dann gnade DEINEM Kind ... Man lernt den Mund zu halten ...
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Bruno schrieb:
am 13. November 2010 um 03:53:44
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elternabend
Der gute alte Reinhard Mey hat das auch mal witzig rübergebracht.
Auf irgend einem nicht sehr bekannten Videoportal kann man da mal reinlauschen;-)
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Susi schrieb:
am 12. November 2010 um 15:44:32
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Elternabend
Mensch Leute, versteht ihr gar keinen Spaß?
Klar , auch wir Muttis haben so Erfahrungen mit Elternabenden. Wir sind dieses Jahr
in der Selben Situation und das klang glatt nach unserem Elternabend....Nur das das Essengeld bei uns bar gezahlt wird. Was mich irritiert hat war, das vorrausgesetzt wird, das jedes Kind eine eigene Email-Adresse hat.
Arrogant find ich den Beitrag gar nicht, eher amüsant und verdammt richtig, wen solche Abende nie nerven,hebe die Hand........
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