22.09.2009, 09:50 Uhr | Simone Blaß
Nicht alle Väter sind begeistert, wenn ihre Jungs mit Puppen spielen oder sich rosa Tüllkleider anziehen. (Bild: Imago)
„Das ist doch jetzt wohl nicht dein Ernst, oder?“ Erschrocken zucke ich zusammen, als der mir Angetraute gänzlich unbemerkt hinter mir auftaucht. Ich halte gerade ein nettes kleines Baby-Outfit in den Händen. Es ist von unserer Großen und es sah immer so niedlich aus. Viel zu schade zum Weggeben. „Wieso, was meinst‘n du?“, frage ich – fast – arglos. Denn eigentlich weiß ich ja ganz genau, was er meint.
„Es ist rosa und kommt daher auf keinen Fall in Frage!“ „Es ist blasslila“, erwidere ich hochnäsig. „Und wer sagt denn überhaupt, dass Jungs immer blau und khaki tragen müssen?“ „Ich sag das!“ kommt lapidar zurück und das kann ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. „Du bist altmodisch!“ schmettere ich dem Herrn der Schöpfung entgegen. „Und homophob! So!“ Das wiederum kann er nicht auf sich sitzen lassen. Schließlich habe es ja nichts mit homophob zu tun, wenn er nicht wolle, dass sein Sohn meinetwegen schwul werde. Naja, so gesehen hat er wieder recht. Und dann kommt er mir, wie immer bei Diskussionen dieser Art, mit dem Argument der Argumente: „Denk an Volker!“
„Denk an Volker!“, mit diesem Satz wird auch unsere Freundin Sabine ständig konfrontiert. Ihr Kleiner hat eine ganz ausgeprägte Vorliebe für rosa – und zwar in all seinen Schattierungen, bevorzugt mit Elfen, Prinzessinnen und Glitzer verziert. Und da Sabine ein sparsamer und toleranter Mensch ist, nutzt sie die Neigung ihres Sohnes gern dazu aus, die Sachen ihrer Nichte aufzutragen. Seit der Geschichte mit Volker allerdings wird sie von ihrem Mann dazu gezwungen, das zu lassen. Theoretisch. Praktisch weiß er eben einfach nicht, dass bisweilen doch unter der Jeans und dem braunen Sweatshirt mit Bagger drauf so was wie eine rosa Strumpfhose mit Feen steckt. Genauso wenig wie Markus weiß, dass sein eigen Fleisch und Blut eine Puppe besitzt und dieser außergewöhnlich gern Röcke und Kleider anzieht. Und zwar werktags von 9 bis 17 Uhr.
Frauen sind in dieser Beziehung einfach toleranter. Wir sind vehemente Verfechter der geschlechtsneutralen Erziehung. Zumindest so lange, bis wir endlich ein Mädchen haben und dieses in Glitzer-Glimmer-Rosa kleiden dürfen. Was wir natürlich niiee laut zugeben würden. Und wir sind der festen Überzeugung, dass ein Junge, der bevorzugt die Badeanzüge seiner Schwester trägt, trotzdem mal ein echter Mann wird. So mit Fußball, Autorennen und der perfekten Grilltechnik und so. Wenn es nach uns Frauen geht, dürfen Jungs weinen, auch mal einen Rock tragen und Mutter-Vater-Kind spielen. Schließlich respektieren wir ja auch die Wilde-Kerle-Bettwäsche und die Cowboy-Kostüme unserer Töchter. Apropos Kostüm: Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich Volker übrigens beim letzten Faschingszug in einem Dirndl durch den Ort hupfen sehen. Mit einer blonden Perücke und dick Lippenstift im Gesicht.
Ach, Sie wissen gar nicht, wer Volker ist? Volker ist ein Freund von uns. Und ein sehr maskulines Exemplar der Spezies Mann. Das allerdings interessiert seinen Sohn Luca reichlich wenig. Genau wie sein Name hat auch Luca eine sehr weibliche Seite. Die er bevorzugt beim Einkaufen mit seinem Papa auslebt, indem er grundsätzlich darauf besteht, im rosa Ballett-Tütü der großen Schwester mitzukommen. Haben Sie schon einmal einem Vierjährigen einen Herzenswunsch abgeschlagen? Noch dazu einem, dessen Mutter in dieser Sache voll hinter ihm steht? Sehen Sie, so geht es auch Volker! Und seitdem er einmal nachgegeben hat, trabt er jetzt Samstag für Samstag mit dem ganz in Tüll gewandeten Herrn Sohn durch den örtlichen Baumarkt und hofft zweierlei: Erstens, dass alle den Kleinen aufgrund seiner langen Haare für ein Mädchen halten und zweitens, dass diese Phase schnell vorbeigehen möge!
Obwohl rot in allen Schattierungen – und dazu gehört nun mal auch rosa – die Farbe der Herrscher ist, haben alle Männer im Bekanntenkreis aus dem grausamen Schicksal ihres Kumpels gelernt und sich geschworen: Wehret den Anfängen! Ich frag mich ja nur, wem dann die rosa Herrenhemden gehören, die immer wieder meinen Wäscheberg bevölkern? „Das trägt man jetzt!“, klärt mich mein Mann auf. Ach so. Ob sich Volker wohl auch eines gekauft hat?
Simone Blaß
Ada schrieb:
am 30. August 2010 um 12:02:08
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Farben
Wer sich einmal mit der Geschichte menschlicher Kleidung beschäftigt, wird schnell feststellen, dass wir die 'gedeckten' Farben in
der Männerkleidung, dem Erstarken der bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert zu verdanken haben. Bis zur französischen Revolution kleidetete auch Mann sich in leuchtendes Rot, strahlendes Blau oder Goldgelb. Dabei kam es keinem in den Kopf, dass der derart Gewandete eventuell Männern zugeneigt sein könne.
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