23.12.2010, 10:23 Uhr
Väter, die in Elternzeit gehen, befürchten häufig einen Karriereknick. (Bild: imago) (Quelle: imago)
Das Baby ist da, und Papa ist stolz wie Oskar. Dann kommt das große Grübeln: Kann ich mir eine Auszeit im Job erlauben? Und wie soll ich's dem Chef sagen? Experten zufolge werden Väter wegen einer Babypause aber längst nicht mehr schief vom Chef angesehen. Die Quote der Männer, die Erziehungszeit nehmen, wächst.
Ein Kind zu bekommen, stellt nicht nur berufstätige Mütter vor Herausforderungen im Job. Auch werdende Väter haben mit Unsicherheiten zu kämpfen. Was wird sich alles ändern durch das Leben zu dritt? Seit 2007 stellen sich viele noch eine Frage: Gehe ich in Elternzeit? Immerhin bietet der Staat rund zwei Drittel des bisherigen Netto-Einkommens bis zu einem Betrag von 1800 Euro an. Bleiben Väter mindestens zwei Monate zu Hause, verlängern sie damit den gesamten Elterngeldbezug auf bis zu 14 Monate.
"Es gibt immer noch Väter, die befürchten, in der Firma aufs Abstellgleis zu geraten, wenn sie in Elternzeit gehen", sagt Eberhard Schäfer, Leiter des Väterzentrums Berlin. Auch möchten viele Männer nicht als Hausmann oder gar Weichei gelten, das lieber Windeln wechselt als das nächste spannende Projekt zu betreuen. Das mag ein Grund sein, warum die Quote der Männer unter den Elterngeldbeziehern derzeit nur bei rund 20 Prozent liegt. Viele Sorgen seien aber unbegründet, sagt Schäfer. "Es gibt einige Väter, bei denen ist es gar kein Problem, Elternzeit zu nehmen."
Ähnlich sieht das der Karrierecoach Hans-Georg Huber aus Freiburg: "Derzeit findet ein Wandel statt in den Betrieben, die Elternzeit für Väter wird immer weniger exotisch." Sehr wichtig sei, dass man mit seinem Chef offen und vor allem frühzeitig über die geplanten Vätermonate spricht. Dann gelinge der vorübergehende Ausstieg meist reibungslos. Das meint auch Laufbahnberaterin Julia Funke aus Frankfurt am Main: "Ich würde es kommunizieren, sobald ich weiß, wann und für wie lange ich in Elternzeit gehen will, und bloß nicht warten, bis es fünf vor zwölf ist."
Denn der Chef muss möglicherweise Projekte neu besetzen und die Personalplanung ändern. Wer sich vor dem Gespräch überlegt, welche Probleme auf den Vorgesetzten zukommen, hält am besten schon Lösungsansätze bereit. "Es ist immer gut, Kooperationsbereitschaft zu zeigen", rät Funke. Vielleicht kann man sich darauf einigen, einen Tag in der Woche für wichtige Kunden erreichbar zu sein. Laut Gesetz dürfen Väter und Mütter in Elternzeit bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten. Der Lohn wird entsprechend vom Elterngeld abgezogen.
Generell gilt: "Zwei Monate Väterzeit machen am wenigsten Karriereprobleme", sagt Funke. Je länger Väter wegbleiben, desto schwieriger könne es aber werden. "Dann tritt derselbe Effekt ein wie bei Frauen auch: Interessante Projekte laufen ohne einen weiter, und man ist erst einmal raus." Dadurch könne ein Karriereknick entstehen. Ein Karrierekiller sei das aber meist nicht.
Der Statistik zufolge steigen nur wenige Männer wirklich lange aus dem Job aus. Laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden blieben drei Viertel der männlichen Elterngeldbezieher im ersten und zweiten Quartal 2010 zwei Monate zu Hause. Nur rund 17 Prozent betreuten ihren Nachwuchs sechs Monate und länger. Gerade einmal zwei Prozent bleiben ein ganzes Jahr oder länger in Elternzeit.
Die meisten Väter äußern sich sehr positiv über die "Auszeit mit Kind" und erleben den intensiven Alltag mit ihrem Nachwuchs als Bereicherung. Rund um die Uhr die Vaterrolle aktiv wahrzunehmen und den ganzen Tag den Kindern nah zu sein, wird fast immer als ausfüllendes Erlebnis mit großer Verantwortung und nicht als Stress empfunden.
Die Altersstatistik zeigt dabei, dass ein Großteil der männlichen Elterngeldbezieher zwischen 30 und 40 Jahre alt ist - mehr als 60 Prozent. Im Berufsleben ist das eine Zeit, in der es oft die ersten wichtigen Stufen auf der Karriereleiter hinaufgeht. Das macht die Entscheidung für die Familie nicht leichter, wie Führungskräftecoach Hans-Georg Huber erläutert: "Je höher die Position in einem Unternehmen, desto schwieriger wird es, länger weg zu bleiben." Führungskräfte müssten eventuell auf "Stand-by" bleiben, damit Entscheidungsprozesse nicht ins Stocken geraten.
Andererseits können ein oder zwei Monate Väterzeit gerade für Führungskräfte von Vorteil sein. "Es gibt Seminare und Workshops, die darauf abzielen, Führungskräfte aus dem Alltag rauszuholen, um ihnen neue Erfahrungen und Blickwinkel zu ermöglichen", sagt Huber. So gesehen ist die Elternzeit geradezu ein Fortbildungsprogramm, das den eigenen Horizont erweitern kann. "Der 24-Stunden-Job als Vater ist für viele Männer eine neue Welt mit umgekehrten Vorzeichen." Kennt man es als Chef eher, Antworten zu geben und Richtungen zu weisen, kommen als Vater immer wieder neue Fragezeichen auf - denn hier dominiert das Kind. "Gute Führungskräfte zeichnet es aus, unterschiedliche Blickwinkel annehmen zu können", findet Huber.
Auch Laufbahnberaterin Julia Funke meint: "Die Elternzeit können Männer auch als super Chance sehen, einmal rauszukommen und sich zu überlegen, wo es hingehen soll." Mancher verbindet seine Vätermonate dann vielleicht mit einer Neuorientierung und einem Firmenwechsel. Ob neue oder alte Firma - Väter sollten wissen, dass der Wiedereinstieg holprig sein kann. Das gilt vor allem, wenn man längere Zeit weg war, sagt Väterberater Eberhard Schäfer. "Man sollte sich schon auf eine gewisse Einarbeitungszeit einstellen." Womöglich ist der Schreibtisch noch von demjenigen besetzt, der einen vertreten hat. Oder es gab Änderungen im Arbeitsablauf, die man verpasst hat. Abschrecken muss das Väter nicht: Wer vor der Elternzeit einen guten Job gemacht hat, schafft das danach auch wieder.
Manchmal kann es ratsam sein, mit dem Antrag auf Elternzeit beim Arbeitgeber zu warten, bis der Sonderkündigungsschutz greift. Er beginnt mit dem Einreichen des Antrags, frühestens aber acht Wochen vor Beginn der Babypause. Der Antrag muss spätestens sieben Wochen im Voraus eingereicht werden. Allerdings sollten Väter genau abwägen, ob sie den Chef mit dieser Hinhalte-Taktik nicht erst recht reizen. Dann schadet sie womöglich mehr, als sie nützt.
Quelle: dpa
Mandalander schrieb:
am 4. Februar 2011 um 13:59:31
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Zu meiner Zeit..
...ging Vater zur Arbeit und Mutter war zu Hause. Später (ca. 4. Klasse) arbeitet Mutter halbtags, ich holte mir schnell
den Wohnungsschlüssel ab und war dann ca. eine Stunde alleine. Kinder muß man sich leisten können - und zwar so, daß eine ganztägige, reichhaltige Betreuung durch ein Elternteil gewährleistet ist. Ansonsten wird der Nachwuchs eben mal mit Anfang 30 in die Welt gesetzt und nicht mit 22!!
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Anja schrieb:
am 30. Januar 2011 um 12:33:04
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Elternzeit
Jon, so ein Quatsch. Wo hast du diese Fehlinformation denn her? Du kannst schon immer (auch schon vor dem Elterngeld) drei Jahre
Elternzeit nehmen, genauso wie deine Frau. Sogar gemeinsam.
Diese ominösen zwei Monate sind die MINDESTZEIT, die genommen werden müssen, um Elterngeld zu bekommen. Es darf gerne mehr sein.
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Klaus schrieb:
am 27. Januar 2011 um 16:02:42
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Kündigungsschutz
Ich halte den Tipp, die Elternzeit frühzeitig zu kommunizieren, für gefährlich. Väter sollten keinesfalls VOR Beginn
des Kundigungsschutzes, also füher als 8 Wochen, den Antrag einreichen, um eine Kündigung in jedem Fall zu vermeiden. Hat das Unternehmen ernsthaft Interesse an einer vorzeitigen Antargstellung, sollte es den Kündigungsschutz vertraglich ausweisten, dies ist ohne weiteres (etwa per Betriebsvereinbarung) möglich.
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