02.11.2011, 17:58 Uhr | mmh
Kinder verändern die Wahrnehmung - und bereichern sie. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Schwarze Löcher - ein faszinierendes Phänomen der Physik. Nicht nur. Ich habe nämlich meine eigenen schwarzen Löcher. Löcher, in denen Weltereignisse einfach verschwinden. Sie sind zeitlich eng verknüpft mit den Geburten meiner Kinder, die inzwischen schon Teenager sind.
Diese schwarzen Löcher machen selbst vor den größten Weltereignissen nicht Halt. 9/11? einfach eingesaugt in das schwarze Loch! Jetzt, zum zehnten Jahrestag habe ich jede Dokumentation verschlungen. Als die Katastrophe sich ereignete, blieb der Fernseher aus. Ich konnte damals solche Bilder nicht verkraften, mit einem Baby auf dem Arm waren die Eindrücke zu schlimm.
Haften geblieben ist der Lego-Turm, den ein Kind in der Kita gebaut hatte und einstürzen ließ, so hatten die größeren Kinder das 9/11-Drama gesehen.
Tsunamis, Erdbeben, politische Unruhen – fanden für mich nicht statt.
Selbst der gute alte Tatort, von dem ich normalerweise keine Folge verpasse, war mir zu brutal. Nachrichten von entführten Kindern treiben mir noch heute die Tränen in die Augen.
Ohne mich. Oder Kino-Highlights: Johnny Depp – wer ist das? Die Titanic - untergegangen? "Sex and the City" – ging völlig an mir vorbei. Keine Zeit, kein Interesse, kein Babysitter. Mein DVD-Konsum ist in den letzten Jahren enorm gestiegen, denn mein Nachholbedarf ist enorm, ich will endlich mitreden können, wenn andere sich an die "alten“ Filme erinnern. Gut, dass die Filme inzwischen so günstig zu erwerben sind.
Was "Sex and the City" angeht, bin ich etwas neidisch, nicht zu den Fans der ersten Stunde zu gehören, allerdings standen mir damals die "Desperate Housewives“ ja sowieso viel näher, was nicht nur an der mütterfreundlicheren Sendezeit lag: 21:15 Uhr - Kinder im Bett, Legosteine verräumt, Küche klar Schiff. Lynette, Bree, Susan und Gabrielle aus der Wisteria Lane und ich teilten ja doch so viele Erfahrungen und Probleme des Alltags, mal abgesehen von Mord, zahlreichen Seitensprüngen und anderen Kleinigkeiten.
Bei Musik klafft immer noch eine große unauffüllbare Lücke, allerdings bin ich hier mittlerweile gleich zum allerneuesten Stand gesprungen. Dank meiner Teenager-Kinder habe ich meine Freunde längst überholt und abgehängt. Ähnliches gilt für Computer, Handys, eben das gesamte digitale Leben.
Dass ich das alles augeblendet habe, hat nichts mit der sogenannten Still-Demenz zu tun, nichts mit Ignoranz oder Arroganz. In dieser Kleinkind-Zeit haben wir unser Nest geschützt, die Kinder und uns selbst. Wichtig war, das Nest rechtzeitig wieder zu öffnen, die Kinder fliegen zu lassen.
Diese schwarzen Löcher der Weltgeschichte sind trotzdem gefüllt mit unheimlich vielen Ereignissen aus unserer eigenen kleinen Welt, dokumentiert in unzähligen Fotoalben, Videos und vor allem in unseren Herzen. Alles andere lässt sich nachlesen, auf Wikipedia.
Quelle: t-online.de
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