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Essgewohnheiten von Kindern: "Nein, meine Suppe ess' ich nicht"

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"Nein, meine Suppe ess' ich nicht"

12.12.2011, 11:53 Uhr | Jenni Zwick

Streit beim Thema Essen führt schnell zu Machtkämpfen zwischen Eltern und Kindern. (Foto: imago)

Streit beim Thema Essen führt schnell zu Machtkämpfen zwischen Eltern und Kindern. (Foto: imago)

Ihr Kind mag nur Nudeln mit Ketchup, zappelt am Tisch und wartet nicht, bis alle fertig gegessen haben? Es möchte am liebsten den ganzen Tag Eis, Gummibärchen und Schokolade - Obst kommt nicht in die Tüte? Oder gehört Ihr Kind eher zu denen, die so gut wie nichts trinken, dafür aber alles Essbare mit Wonne in sich hineinstopfen, so dass Sie sich manchmal fragen, ob es irgendwann zu einem kleinen Pummelchen wird, weil es kein Stopp kennt? So oder so, über die Essgewohnheiten ihrer Kinder machen sich viele Eltern Sorgen. Deshalb wird gerade am Esstisch gestritten und es entstehen leicht Machtkämpfe zwischen Eltern und Kindern, obwohl eine gemeinsame Esskultur etwas sehr Wichtiges und eigentlich sehr Schönes ist. Wir sagen Ihnen, wie Sie auf die Gewohnheiten Ihres Kindes angemessen reagieren.

Die Wählerischen

Das eine Essen ist ihnen zu scharf, das andere nicht würzig genug. Obst bitte nur klein geschnitten und Gemüse nur in Rahmsoße. Die wählerischen Kinder wissen genau, was sie am Esstisch (nicht) wollen und essen höchstens vier bis fünf Gerichte, neue Geschmackserlebnisse werden erst mal verneint. Viele Eltern sind von ihrem Kind genervt, wenn es solche Essgewohnheiten entwickelt hat. Doch die meisten müssen sich an die eigene Nase fassen. Jesper Juul erklärt in seinem Buch "Was gibt's heute?", dass wählerische Kinder nicht so geboren werden, sondern dass sie ihr Verhalten gelernt haben. Seiner Meinung nach sind es immer die Eltern, "die durch ihre bewusste Politik oder ihr unbewusstes Handeln die Lehrmeister" hierfür sind.

Das kann viele Gründe haben: Die Stimmung rund um die Mahlzeiten ist gedrückt, weil sich die Eltern streiten; die Eltern versuchen ihr Kind subtil zu manipulieren, bestimmtes Essen zu mögen; das Kind wird gezwungen, bestimmte Dinge zu essen; das Kind hatte keine Möglichkeit, seine Geschmacksnerven an die unterschiedlichen Geschmäcke zu gewöhnen; das Kind holt sich durch das ablehnende Verhalten fehlende Aufmerksamkeit der Eltern. In allen Fällen baut das Kind eine negative Haltung zum Essen auf und lebt dies mit seinem mäkligen Verhalten aus.

So sollten Sie reagieren: Lassen Sie sich nicht erpressen. Ihr Kind verhungert nicht, wenn es sich die "Rosinen" aus dem Essen pickt oder zum Abendessen nur ein Butterbrot statt leckerem Gemüseauflauf isst. Meistens essen solche Kinder in einem anderen Rahmen (im Kindergarten oder bei der Oma) auch "ungeliebte" Dinge ohne zu Murren, weil es die Machtkämpfe nicht gibt, die am heimischen Esstisch herrschen. Probieren sollte Ihr Kind allerdings alles. Wenn es dann nicht schmeckt, suchen Sie gemeinsam eine zeitsparende Alternative. Das sollte kein Wahlprogramm Ihres Kindes sein - Sie bestimmen die Alternative. Das kann heißen, dass Ihr Kind zur Hauptmahlzeit nur nackten Reis oder Nudeln isst oder es eben ein Brot bekommt.

Besprechen Sie gemeinsam, was es in den nächsten Tagen zu essen gibt. Durfte Ihr Kind zwischen zwei oder drei Gerichten wählen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es ohne zu mäkeln mitisst. Kaufen Sie ein Kinderkochbuch und lassen Sie Ihr Kind an einem Tag kochen - natürlich mit Ihrer altersgemäßen Unterstützung. Hat es selbst erfahren, wie lange es dauert, für die ganze Familie zu kochen, wertet es das gemeinsame Essen vielleicht anders. Außerdem ist das Kochen gut für das Selbstwertgefühl und Sie machen etwas zusammen!

Die Spatzen

Isst ihr Kind zu wenig, machen sich viele Eltern Sorgen und Vorwürfe: Kann es denn überhaupt wachsen, bei den kleinen Mengen? Bekommt es genug Nährstoffe? Mein Kind wird ja immer dünner, bin ich Schuld? Doch die Behauptung "mein Kind isst nichts" muss man bei genauerem Hinsehen meistens relativieren: Denn in den meisten Fällen essen solche Kinder zwar sehr viel weniger, als die Eltern es für nötig halten. Doch haben Kinder einen natürlichen Selbsterhaltungstrieb und sterben nicht, weil sie zu wenig essen (außer bei schweren Essstörungen). Sie bekommen trotzdem alle wichtigen Nährstoffe, da sie gute Nahrungsverwerter sind. Hinzu kommt, dass die meisten Kinder in der Wachstumsphase mehr essen und in der Phase, in der ihr Körper nur wenig wächst, weniger.

So erscheint es den Eltern, als würde ihr Kind plötzlich viel weniger essen, was aber ein natürliches Verhalten ist - es braucht einfach weniger Energie als zuvor. Oft sind gerade die "Spatzen" unter den Kindern sehr groß und eher schmächtig, haben aber trotzdem eine gute Konstitution. Bedenklich wird das Verhalten solcher Kinder erst, wenn sie keine Lust mehr haben sich zu bewegen und dauerhaft schlapp wirken. Langfristig kritisch für die Entwicklung der Kinder ist meistens das Verhalten der Eltern zu ihren Kindern, nicht das wenige Essen. Juul schreibt hierzu, dass "die ständige Sorge sich schädlich auf das Selbstwertgefühl und die Lebensenergie des Kindes auswirkt. Folglich besteht bei der unbegründeten Sorge der Eltern die Gefahr, dass sie sich zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung auswächst und sich das Kind am Ende ungesund entwickelt." Probieren Sie also, die Sorgen abzulegen.

So sollten Sie reagieren: Besprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt, ob das Gewicht Ihres Kindes der Norm entspricht oder ob es wirklich untergewichtig ist. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit, Fürsorge und Liebe nicht darauf, wie viel Ihr Kind isst, sondern auf das Kind selbst. Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Kind, unternehmen Sie etwas gemeinsam und lassen Sie das Thema Essen erstmal außen vor. Ansonsten wird das Thema zum "Dauerbrenner" in der Familie, was für alle Beteiligten ungesund ist. Bieten Sie Ihrem Kind unauffällig die Möglichkeit, auch zwischen den Mahlzeiten etwas zu sich zu nehmen. Stellen Sie geschnittene Paprika, Karotten, Apfelschnitze oder ähnliches auf den Tisch. Wird solch ein Essen angeboten, ohne großen Aufhebens darum zu machen, greifen die meisten Kinder zu. Das klappt vielleicht nicht beim ersten Mal - haben Sie etwas Geduld.

Vielleicht ist Ihr Kind einfach zu abgelenkt und denkt beim Essen schon an das nächste Spiel oder seine Freunde, die es gleich treffen möchte? Helfen Sie ihm, indem Sie nach dem Mittagessen eine Pause einberufen, in der alle Familienmitglieder sich ausruhen. So hat Ihr Kind vielleicht weniger Angst, etwas zu verpassen. Oder führen Sie einen Hörspieltag ein: An diesem Tag darf während dem Essen ein Hörspiel Ihres Kindes laufen. Dafür wird an den anderen Tagen ruhig und konzentriert gegessen. Das könnte ein Anreiz sein, länger sitzen zu bleiben und das Essen zu genießen. Brechen Sie Ihre Familienstrukturen auf und spielen Sie einmal "verkehrte Welt". Ihr Kind ist Papa oder Mama und Sie sind das Kind. Dabei kommen vielleicht Familienstrukturen ans Licht, die Ihnen gar nicht bewusst sind, die Ihrem Kind aber das Leben - und das Essen - schwer machen.

Die Gemüse- und/oder Obstverweigerer

Viele Eltern erleben bei ihren Kindern, dass sie das eine oder andere Gemüse oder verschiedene Obstsorten nicht mögen. Bei manchen läuten direkt die Alarmglocken: Sie haben Angst, dass ihr Kind sich langfristig ungesund ernähren und dadurch krank wird. Viele Eltern entwickeln sich zu wahren Werbefachleuten, nur um ihre Kinder davon zu überzeugen, dass auch das "gesunde" Essen schmeckt. Und schon beginnt der familiäre Tanz ums Essen, der wirklich dazu führen kann, dass das Kind langfristig keine Lust auf Gemüse oder Obst hat. Natürlich ist eine gesunde Ernährung wichtig für die Entwicklung Ihres Kindes. Aber bedenken Sie, dass Sie in der Anfangszeit, als Ihr Kind die ersten Breichen bekommen hat, auch nur eine Gemüsesorte gefüttert haben, um Allergien zu vermeiden. In dieser Zeit hat sich Ihr Kind die wichtigen Nährstoffe nur aus diesem Brei gezogen und verwertet. Das kann auch Ihr größeres Kind noch.

So sollten Sie reagieren: Jesper Juul vertritt in diesem Punkt eine ganz klare Meinung und gibt Eltern folgenden Tipp: "Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen, akzeptieren Sie, dass das Kind eine Zeit lang kein Gemüse essen will, und machen Sie es nicht bei jeder Mahlzeit zum Thema. Und kein Betrügen, Überreden und Belohnen", schreibt der Familientherapeut. Trotzdem sei es wichtig, dem Kind klarzumachen, welchen Standpunkt man vertrete. Sagen Sie Ihrem Kind deshalb, dass Sie sich wünschen, dass ihm zumindest eine Gemüsesorte schmeckt, dass es aber seine Entscheidung sei. Des Weiteren richten Sie sich in Ihrem Speiseplan weiterhin danach, was Ihnen und dem Rest der Familie schmeckt. Der Gemüseverweigerer sollte nicht auch noch zwanzig Extrawürste serviert bekommen.

Die Vielfraße

Die gefräßigen Kinder bekommen den Hals nicht voll, verlangen drei Mal Nachschlag und es ist ihnen egal, ob sie Nudeln, Kartoffeln oder Pfannkuchen essen. Hauptsache viel. Gerne auch Süßigkeiten, Chips und Nüsschen für zwischendurch, man weiß ja nicht, wann es das nächste Mal etwas zu essen gibt. Auch in diesem Fall machen sich viele Eltern Gedanken, schließlich wollen sie nicht, dass ihr Kind zu dick wird. In diesem Fall ist der Snack zwischendurch (anders als beim Spatzen) kontraproduktiv. Denn gerade in der heutigen Zeit, in der es an jeder Ecke eine Dönerbude oder eine Fast-Food-Kette gibt, kann ein Kind, das sein eigenes Hungergefühl schlecht wahrnimmt, wirklich übergewichtig werden, was langfristig sehr ungesund ist.

So sollten Sie reagieren: Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind nicht ständig etwas in den Mund schiebt. Essen vor dem Fernseher ist tabu. Sorgen Sie für feste Essenszeiten, an denen die ganze Familie am Tisch sitzt und gemeinsam isst. Bieten Sie Ihrem Kind einen Nachtisch an, den Sie selbst zubereitet haben. Das muss kein süßer Pudding sein, sondern Sie können auch mal einen Buttermilch- oder Joghurtshake mit frischen Früchten machen. So kann Ihr Kind sein Bedürfnis nach etwas Süßem im Anschluss an die Hauptmahlzeit stillen - und eben nicht zwischendurch. Wichtig sind zwei Dinge: Ihrem Kind sollte bewusst sein, wenn es etwas isst. Viele Kinder merken gar nicht, wenn sie sich zwischendurch eine Leckerei gönnen, weil sie zu abgelenkt von ihrem Spiel sind. Außerdem sollten Sie Ihrem Kind beibringen, dass auch Lebensmittel und Gerichte ohne industriellen Zucker oder starken Geschmacksverstärkern schmecken können. Hierfür müssen Sie gegebenenfalls Ihre eigenen Essgewohnheiten überdenken und anpassen. Bekommt Ihr Kind ständig Schokolade oder andere Süßigkeiten, ist es kein Wunder, wenn es beispielsweise Fruchtjoghurt nicht mag.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (10)

zum Forum

Thema: "Essgewohnheiten von Kindern: "Nein, meine Suppe ess' ich nicht""

Versuchsverweigerer schrieb: am 14. Juni 2011 um 08:13:56
(0) (0) Wollte einmal bei Spinat den
bei Spinat den großen Streik versuchen,weigerte mich solange bis der Teller voll mit Spinat in meinem Gesicht
hing.Danke Mutter, Spinat ist heute meine Leibspeise.ständig unterdrückt brachte den Willen zum erfolg.verlagshaus schlosser.masselmann.Und ich denke das wenn Eltern nachgeben sie an dem Führungsrespekt verlieren der nötig ist damit Kinder nicht zu Tyrannen verkommen. Das Gehätschele der letzten 30 Jahre hat nur versager gebracht
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Paul schrieb: am 8. Juni 2011 um 12:38:28
(0) (0) Wie schon Jesper Juul sagt
Schuld daran sind immer die Eltern und das ist richtig. Je nach Anzahl der Kinder sollte sich jedes Kind einmal in
der Woche ein Essen wünschen dürfen. Ansonsten wird das gegessen was auf den Tisch kommt und wer nicht will, der hat schon. Wenn ein Kind dann wirklich Hunger hat, isst es schon das, was es gibt. Nur keine Machtkämpfe zulassen und jegliches Theater einfach ignorieren. Basta
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Lilli schrieb: am 6. Juni 2011 um 21:09:47
(0) (0) ess ich nicht
Mein Bruder und ich haben von Anfang an alles gegessen. Das Problem mit "ess ich nicht" hat unsere Mutter überhaupt
nicht gekannt, bis sie mal zwei Kinder in unserem Alter hüten musste. Sie war gar nicht auf die Idee gekommen, bei deren Mutter vorher nachzufragen, sondern hat einfach irgendwas zu Mittag gekocht. Erst bei Tisch stellte sich dann raus, dass diese Kinder das absolut nicht mochten. Wir waren amüsiert und unsere Mutter fassungslos.
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