30.03.2012, 16:57 Uhr
Wenn die Kinder den Kontakt abbrechen, ist das für Eltern erstmal ein großer Schock. (Quelle: imago)
Wenn der Nachwuchs eines Tages den Kontakt abbricht, ist das in fast jeder Familie ein riesiger Schock. Die Ursachen liegen aber oft weit in der Kindheit zurück. Diese im Gespräch aufzuarbeiten, kann für Eltern und Kinder ein erster Schritt zur Annäherung sein.
Früher schien alles in bester Ordnung zu sein. Die Eltern und ihre erwachsenen Kinder trafen sich regelmäßig: zu Geburtstagen, Weihnachten oder einfach so. Doch dann meldet sich das eigene Kind kaum noch - und bricht den Kontakt schließlich ganz ab. Kein Kontakt zum erwachsenen Kind, das ist für die meisten Eltern unerklärlich und vor allem schmerzhaft. Sie versuchen daher vieles, um den Draht zu ihrem Kind wieder herzustellen.
Das Elternportal von t-online.de hat nun Eltern gefragt, wie sie den Kontakt zu ihren Kindern bewerten würden: Von 3875 Lesern schätzt etwas mehr als ein Viertel (26,1 Prozent) das Verhältnis zu seinen Kindern als "sehr gut" ein. Der Großteil, nämlich 46,9 Prozent, ist ein wenig zurückhaltender und gibt an: "Es gibt immer mal wieder Streit und Spannungen, aber im Großen und Ganzen ist unser Verhältnis ganz gut." Knapp zwölf Prozent der User bezeichnen die Beziehung zu ihren Kindern als "nicht gut" und sogar 15,3 Prozent geben an: "Ich habe keinen Kontakt mehr zu meinen Kindern." Das zeigt, dass das Problem viele Menschen betrifft.
"Dass Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, passiert nicht von heute auf morgen", erklärt der Familienforscher Hartmut Kasten in München. "Meist sind das Prozesse, die schon früh begonnen haben." Für die Eltern muss das aber nicht zwangsläufig spürbar gewesen sein: beispielsweise wenn zwar immer Kontakt bestand, das Kind aber nie wirklich die Nähe zu den Eltern gesucht hat, sondern möglicherweise nur aus einem Pflichtgefühl heraus handelte und vor allem zu offiziellen und feierlichen Anlässen zu Besuch kam.
Die Diplom-Psychologin Silke Haase kennt solche Situationen ebenfalls aus ihrer langjährigen Erfahrung. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich das mittlerweile erwachsene Kind schon jahrelang innerlich zurückgezogen hat und nur noch körperlich anwesend war." Das, was Eltern als normalen Kontakt empfunden hätten, könne für das Kind schon nur noch Pflichterfüllung gewesen sein.
Die Gründe für solch eine Abgrenzung sind den Experten zufolge meist in der Kindheit oder Jugend zu finden. "Möglicherweise hat sich das Kind von den Eltern immer benachteiligt oder ungerecht behandelt gefühlt", sagt Diplom-Psychologe Kasten. Haase ergänzt: "Denkbar ist auch, dass sich das Kind ständig kritisiert, unter Druck gesetzt oder nicht geliebt fühlte." Es komme durchaus vor, dass Kinder das lange Zeit nicht ansprechen, sondern in sich hineinfressen. Irgendwann jedoch werde es ihnen zu viel und sie brechen den Kontakt ab. "In der Regel tun Kinder das aus Selbstschutz, weil sie denken, sie könnten das Problem mit ihren Eltern nicht klären", sagt Haase. "Sie halten es nicht mehr aus und wollen dem ständigen Stress entgehen."
Eltern müssen die Situation jedoch nicht einfach hinnehmen und akzeptieren. "Ich rate dazu, das Problem offen anzusprechen, dem Kind Gelegenheit zu geben, sich zu äußern und ihm wirklich zuzuhören", sagt Kasten. Eltern müssten bereit sein, sich die Kritik des Kindes wirklich anzuhören ohne sich sofort selbst zu verteidigen. Dazu gehöre auch, eigene Fehler einzugestehen oder einzuräumen, dass man bestimmte Dinge vielleicht nicht bewusst gemacht hat. "Oft ereignen sich wahre Überraschungen, weil die Eltern es so nicht wahrgenommen haben."
Auch wenn das erste Gespräch nicht viel bringt, kann es sich lohnen dranzubleiben. "Beziehungen wandeln sich ein Leben lang, es kann durchaus wieder eine Phase geben, in der man sich besser versteht", erläutert Kasten. Das sieht auch Haase so: "Die Kinder leiden ja auch unter der Situation und wünschen sich meist eine gute Beziehung zu den Eltern. Deswegen gibt es häufig eine Chance, dass doch wieder Kontakt zwischen Kindern und Eltern zustande kommt."
Gut sei auch, dem Kind Ruhe und Abstand zu geben, findet der psychologische Berater Markus Hammer in Greifswald: "Man sollte das Kind nicht drängen, sondern akzeptieren, wenn es Zeit braucht." Man könne zwar durchaus fragen, ob es in Ordnung sei, sich in einigen Monaten wieder zu melden - müsse dann aber auch hinnehmen, wenn das Kind selbst entscheiden will, wann es wieder Kontakt wünscht.
Außerdem sei es möglich, dem Kind einen Brief zu schreiben oder ihm anzubieten, seine Gedanken aufzuschreiben, sagt Psychologin Haase. Dem Kind zu sagen, wie gern man es hat und was es einem bedeutet, ist ebenfalls wichtig. "Das ist oft das, was das Kind hören will", weiß Haase.
"Wenn ein Kind sich lossagt, ist das meist auch für die Eltern sehr hart", sagt Hartmut Kasten. Dennoch solle man die Trauer und den Schmerz zulassen, auch wenn es wahnsinnig weh tue. Der psychologische Berater Markus Hammer rät zudem, andere Eltern zu ihren Erfahrungen zu befragen, sich auszutauschen und eventuell auch psychologische Hilfe zu holen. "Man sollte das nicht alleine durchstehen, muss sich aber auch Zeit geben, mit der Trauer fertig zu werden."
Quelle: dpa
Annette schrieb:
am 20. Mai 2012 um 17:51:04
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Kontaktabbruch
Wenn ein Kind den Kontakt abbricht, hat es eine ungeheure Macht. Wir Eltern lieben unsere Kinder, wenn sie wieder Zeit für
uns haben, wissen Sie, daß wir sofort kommen. Leider kann man niemals wieder unbefangen reden. Umgekehrt ist das nicht möglich, da die Kinder vielleicht nicht wieder kommen. Die Kinder müssen das was sie getan haben, für immer mit in ihr Leben nehmen. Wie gehen sie damit um? Einem Menschen das Wort abzuschneiden ist grausam. Warum trauen sie sich nicht, Erklärungen zu geben?
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eva schrieb:
am 17. Mai 2012 um 11:30:15
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eltern
man muß mit den kindern sprechen, wenn sie sich abwenden - nützt das nichts, dann eben abwarten - mit forderungen gleich welcher art
ist da nichts zu machen - kinder müssen sich selbst finden !
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Sister schrieb:
am 30. April 2012 um 13:20:45
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(0)
Kontaktabbruch
Also, meine Brüder und ich wurden von unseren Eltern stets gut behandelt. Trotzdem entschied sich einer meiner Brüder dazu,
die eigenen Eltern zu verleugnen - auf Wunsch seiner Ehefrau.
Herr Markus Hammer: Ihre Meinung dazu?
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