08.09.2011, 16:03 Uhr | Jenni Zwick
Schon ein Gläschen Alkohol kann in der Schwangerschaft großen Schaden anrichten. (Quelle: imago)
Neu ist die Erkenntnis nicht: Alkohol in der Schwangerschaft schadet dem ungeborenen Kind. Und trotzdem: Pro Jahr werden in Deutschland rund 10.000 Kinder mit dem sogenannten fetalen Alkoholsyndrom (FAS) geboren. Das sei ein Anteil von 1,5 Prozent, wie die Liga der freien Wohlfahrtspflege Baden-Württemberg in Stuttgart weiter mitteilt. Anlässlich des Tages des alkoholgeschädigten Kindes am 9.9.2011 fordert die Liga standardisierte Aufklärungsmaßnahmen.
Die Ausprägungen des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS) können sehr unterschiedlich sein: Die Kinder können zum Beispiel körperliche Fehlbildungen, Wachstumsstörungen und Schädigungen des zentralen Nervensystems aufweisen. Alle diese Fälle wären im Unterschied zu erblich bedingten Behinderungen vermeidbar. Aber ab und an mal ein Schlückchen - das kann doch nicht so schlimm sein, denken noch immer viele werdende Mütter. An den Zahlen sieht man: Doch - auch ein kleines Schlückchen kann schlimme Folgen für das Kind haben!
Einen Schwellenwert für Alkoholkonsum gibt es nicht. Schon kleinere Mengen können das Kind schädigen, warnen Kinderärzte und Hebammen. Allerdings gilt: Je mehr eine Schwangere auf einmal trinkt, desto schwerwiegender sind die Folgen. Das Problem: Alkohol und seine Abbauprodukte hemmen die Zellteilung, so dass die natürliche Organentwicklung und vor allem die Entwicklung des Gehirns gestört werden kann. Chronischer Alkoholmissbrauch der Mutter kann eine schon vorgeburtliche Wachstumsverzögerung, Hirnschäden und Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen. Die betroffenen Kinder haben ein niedriges Geburtsgewicht, wenig Unterhautfettgewebe sowie prä- und postnatale Wachstumsstörungen. Außerdem leiden sie oft unter Gesichtsfehlbildungen, Gaumenspalten und Fehlbildungen innerer Organe, Herzfehlern, Auffälligkeiten der Genitalien und Harnwege sowie Störungen der geistigen, psychischen und psychomotorischen Entwicklung. Wenn weniger schwere Folgeschäden vorliegen, sprechen Ärzte von Fetalen Alkoholeffekten (FAE). Diese zeigen sich durch intellektuelle Leistungsschwächen im logischen Denken und beim Lösen komplizierter Probleme. Die Kinder können Informationen nicht schnell verarbeiten und haben Merkschwächen. Auch sind ihre fein- und grobmotorischen Fähigkeiten oft gestört, Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität kommen ebenfalls vor. Außerdem ist das Risiko für eine Fehlgeburt insbesondere in den ersten zehn Wochen der Schwangerschaft erhöht.
Nimmt die Mutter Alkohol zu sich, rauscht dieser durch die Nabelschnur direkt ins Blut des Embryos. Somit hat das Kind schnell den gleichen Promillegehalt wie die Mutter, da die Plazentaschranke, die den Blutkreislauf der Mutter und der des Babys trennt, den Alkohol nicht herausfiltern kann. Doch baut die Mutter den Alkohol schneller ab als das Kind. Die Leber des ungeborenen Kindes ist noch nicht vollständig entwickelt, so dass, im Vergleich zur Mutter, der Alkoholspiegel beim Baby zehnmal langsamer sinkt. Wenn die Mutter den Alkohol in ihrem Blut bereits abgebaut hat und keine Wirkung mehr spürt, ist ihr Baby noch immer der schädigenden Wirkung des Alkohols ausgesetzt. Trinkt die Mutter jeden Tag ein Glas, ist das Kind womöglich durch die ganze Schwangerschaft betrunken.
Vielen Ärzten fehlt das Wissen, um das Fetale Alkoholsyndrom zu diagnostizieren. Auch spezialisierte Diagnose-Zentren sind rar. So wird FAS häufig gar nicht oder erst nach Jahren festgestellt - für Erziehungsberechtigte und Kind bedeutet das ein Spießrutenlaufen. Viele sind überfordert von ihren „speziellen“ Kindern. Gerade wenn den Eltern, Erziehern und Ärzten nicht bewusst ist, welche Krankheit hinter dem meist auffälligen Verhalten des Kindes steckt, ist der Frust in der Familie groß. Das Kind wird schnell zum Problemkind, das sich nicht - auch nicht mithilfe der Eltern - aus seiner Lage befreien kann. Die Schäden durch FAS „verwachsen“ sich nicht, sie können auch nicht gänzlich therapiert werden. Therapien helfen aber, das Potential, das bei den Kindern vorhanden ist, wenigstens ausschöpfen zu können. Selbsthilfegruppen und Vereine empfehlen folgende Therapien: Frühförderung, Krankengymnastik, Ergotherapie, Sprach- und Schlucktherapie, Motopädie , Musiktherapie, Hippotherapie (therapeutisches Reiten), Bobath-Therapie , Osteopathie und Kinesiologie. Betroffene Eltern und Pflegeeltern finden beispielsweise auf www.fasworld.de und www.fasd-beratung.de Foren und Selbsthilfegruppen, in denen sie sich über ihre Situation und Probleme austauschen können.
Der Verein FASworld-Deutschland hat mit Unterstützung der betroffenen Eltern die typischen Verhaltensmerkmale von FAS-Kindern in den verschiedenen Altersklassen zusammengetragen. Das sind Eigenschaften, die auch beim gesunden Menschen vorkommen, allerdings bei Menschen mit FAS ganz besonders extrem ausgeprägt sind, wie der Verein anmerkt. Auch nach therapeutischer Hilfe zeigen sich meistens kaum Besserungen.
Vielen Frauen ist die Tatsache, dass sie schwanger sind, nicht bewusst. Durch Alkoholkonsum schaden sie ihrem Kind, ohne dass sie es wissen. Wird die Schwangerschaft erst spät entdeckt, machen sich viele Frauen Sorgen - zu Recht. In diesen Fällen sollten die Frauen auf jeden Fall konsequent auf Alkohol verzichten, damit sich der kindliche Organismus in der restlichen Zeit normal entwickeln und bis zu einem gewissen Grad auch regenerieren kann. Ob es bereits zu Schäden gekommen ist oder nicht, lässt sich vorab nicht feststellen, denn gerade in der ersten Zeit der Schwangerschaft ist die Gefahr, dass es zu körperlichen Fehlbildungen kommt, groß. Als einzige Methode gilt die möglichst genaue Ultraschalluntersuchung (sogenannte Organultraschall). Diese Untersuchung kann ab der 18. - 20. Woche durchgeführt werden. Sie erlaubt es, zumindest schwerere Fehlbildungen bei dem Fötus auszuschließen oder nachzuweisen. Frauen mit stärkerem Alkoholkonsum in der ersten Zeit der Schwangerschaft sollten dies unbedingt mit ihrem Frauenarzt besprechen, auch, wenn sie nach Feststellung der Schwangerschaft auf den Alkohol verzichten.
Quelle: t-online.de
de Chabernac schrieb:
am 10. Februar 2012 um 19:06:24
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suff
Ich bin selbst im Suff und im Zorn gezeugt worden.
Vati hatte den Suff und Mutti deshalb den Zorn.
Macht aber nix,mir gehts gut !
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heini schrieb:
am 30. Dezember 2011 um 19:47:31
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Alkohol
Das gilt natürlich auch für alle anderen Drogen!
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Felix schrieb:
am 3. August 2010 um 11:14:31
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@ada: Alkohol
Das Phänomen, daß im Grunde Unzurechnungsfähige oder Leute, die ihr Leben und schon gar nicht das ihrer Kinder im Griff
haben, nimmt (da keine Korrektivmechanismen vorhanden) exponentiell zu-die Kinder machen es nämlich genauso! - Die Forderung, solche Leute zwangsweise (wie auch immer.....) an der Reproduktion zu hindern, wird in unserer vom schlechten Gewissen (NS) geprägten Gesellschaft erst dann durchgesetzt, wenn es zu spät ist. Dabei gibt es erprobte Methoden zu reversibler Sterilisierung!
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