15.11.2010, 14:35 Uhr | rw
Frühchen sind für Krankenhäuser ein lukratives Geschäft. (Bild: imago) (Quelle: imago)
Sie sind winzig, wirken zerbrechlich und hätten eigentlich noch gar nicht da sein sollen. Die Rede ist von Frühgeborenen. In Deutschland kommen immer mehr Babys als sogenannte Frühchen zur Welt. Mit neun Prozent ist inzwischen fast jedes zehnte Neugeborene laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Frühchen, kommt also vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Die Extremfälle unter ihnen, die mit einem Gewicht von unter 1250 Gramm und über zehn Wochen vor dem errechneten Geburtstermin geboren werden, machen etwa ein Prozent aller Geburten aus.
Dass in Deutschland immer mehr Frühchen zur Welt kommen, hänge unter anderem mit dem durchschnittlich steigenden Alter der Schwangeren zusammen, erklärt Professor Andreas Schulze, Leiter der Abteilung Neonatologie und Neugeborenen-Intensivtherapie am Münchner Klinikum Großhadern. Aber auch Mehrlingsschwangerschaften nach künstlichen Befruchtungen spielten eine Rolle. Die große Mehrheit der Frühchen werde medizinisch hervorragend betreut und sei klinisch nicht krank, so der Experte, der aber zugleich einschränkt, die besonders leichten Hochrisiko-Frühgeburten seien ein Problem.
Auch bei den Geburten zwischen der 24. und 26. vollendeten Schwangerschaftswoche betrage die Überlebenswahrscheinlichkeit inzwischen zwar rund 80 Prozent, wie Schulze berichtet. Bei 30 Prozent dieser Kinder gebe es aber langfristige gesundheitliche Probleme, rund zehn Prozent von ihnen seien schwer behindert. Die medizinische Versorgung dieser extrem frühen Geburten müsse verbessert werden, fordert Schulze. Sie sollte stärker in hochspezialisierten Kliniken zusammengefasst werden, die so viele Fallzahlen pro Jahr haben, dass sie Routine in der komplexen Behandlung Frühgeborener haben.
Fast jedes dritte der sehr kleinen Frühchen überlebt in Deutschland nicht. Damit liegt die Bundesrepublik nur im europäischen Mittelfeld - trotz sehr hoher Ausgaben von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr. Experten fordern seit Langem eine stärkere Spezialisierung der Kliniken, gerade bei Frühgeborenen. Vor allem die großen Unikliniken kämpfen dafür, eine hohe Mindestmenge von 50 Fällen pro Jahr festzulegen. So könnten sie sich noch stärker von kleinen und mittleren Krankenhäusern absetzen.
Doch in der Debatte geht es nicht nur ums Patientenwohl, sondern auch ums Geld: Eine normale Geburt bringt rund 2500 Euro. Ein Frühgeborenes bedeutet ein Vielfaches an Umsatz. Kein Wunder also, dass sich die kleinen Kliniken gegen die Festschreibung allzu hoher Fallzahlen wehren. Einige Häuser klagen aktuell gegen die Festschreibung von mindestens 30 Fällen pro Jahr, die der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) aus Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen im Sommer beschlossen hat. Dabei wird die Regelung, die ab 2011 gelten soll, auch von den Krankenkassen begrüßt. "Es spricht alles dafür, dass eine Konzentration der hoch spezialisierten Versorgung von Frühgeborenen unter 1250 Gramm Qualitätsvorteile bringt", meint etwa der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg Wilfried Jacobs. "Erst durch den ständigen und langfristigen Umgang mit vielen solchen Kindern, können die Ärzte und Pflegekräfte die notwendige Erfahrung gewinnen, die eine bestmögliche Versorgung voraussetzt", ist sich auch Spezialist Schulze sicher.
Die kleinen Kliniken dagegen befürchten, die neue Regelung könne das Aus für zwei Drittel der rund 200 Stationen für Frühchen bedeuten - inklusive Arbeitsplatzverlust für die dort Beschäftigten. Betroffen wären auch Häuser, denen sowohl Kritiker als auch Befürworter einer Mindestfallzahl-Regelung gute medizinische Versorgung bescheinigen. Außerdem fürchten die kleineren Kliniken, dass mit den sehr kleinen Frühchen auch viel Know-how aus ihren Häusern verschwinden würde. "Die Qualität der Versorgung würde nicht nur bei den Frühgeborenen schwinden, sondern in allen anderen Bereichen auch. Herzkranke Kinder, die zu uns kommen, auch als Frühgeborene oder Neugeborene, könnten sicherlich nicht mehr in der gewohnten Qualität versorgt werden", äußerte etwa der Chefarzt der Coesfelder Christopherus-Klink Hubert Gerleve in einem Interview mit dem ARD-Magazin Plusminus seine Bedenken gegen die geplante Regelung.
Quelle: t-online.de , dpa
Holly schrieb:
am 18. November 2010 um 23:07:49
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@ Alexia
Es tut mir leid für Dich, dass man Deinem Kind nicht helfen konnte. Dass eine Ärztin nicht helfen wollte, das glaube ich
nicht.
Glaub mir dass ich weiß wovon ich hier schreibe. Das alles ändert nichts an meiner hier "losgelassenen" Meinung. Bitte mal nachdenken!! Vor 9 Jahren gab es intensimedizinisch bei weitem nicht die heutigen Möglichkeiten.
Dir alles Gute.
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Alexia schrieb:
am 18. November 2010 um 11:17:23
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@Holly
So einen Komentar kann nur jemand loslassen, der davon keine Ahnung hat. Ich hab vor 9 Jahren selbst ein Frühchen in der 24. SSW
bekommen.Unsere Tochter mußte sterben, weil die Ärztin es nicht für nötig befand, ihr zu helfen. Wir hätten alles dafür gegeben, wenn unsere Tochter überlebt hätte, auch mit Behinderung. Natürlich kann es viele schwere Komplikationen geben bei Frühchen, aber ich bin der Meinung, daß ein Kind ein Geschenk ist und man es annehmen muß, wie es ist.
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Sperling schrieb:
am 17. November 2010 um 11:28:19
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Frühchen
... und jetzt kann man auch gut nachvollziehen, warum so mancher Arzt selbst Angst hat, krank zu werden!
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