
20.10.2011, 15:06 Uhr
Immer öfter fragen Eltern, ob ihr Kind hochbegabt sei. (Quelle: imago)
Mitarbeiterin im Leitungsteam einer Kindertagestätte, Hamburg
Wir müssen uns immer wieder gegenüber überambitionierten Eltern rechtfertigen. Die beschweren sich nach Hospitationen, weil das, was sie gesehen haben, nicht genug nach Lernen aussieht. Manche sagen: "In der Vorschule gibt es zu wenig Hausaufgaben." Ein Vater hat gemeckert, weil Ausflüge auf Spielplätze und nicht in Parks oder ins Planetarium gingen. Dabei ist es viel wichtiger, dass Kinder erst mal ihren Stadtteil kennenlernen.
Freies Spiel mögen viele Eltern gar nicht. Aber Sachen wie Herumtollen, Rennen, Springen und auch mal Hinfliegen sind enorm wichtig für die Entwicklung von Kindern. Die Eltern sagen nur: "In der Zeit könnte man Zahlen oder Englisch lernen." Die wollen Bildung von Anfang an und verkennen, dass Spielen Lernen ist.
Selbst Eltern, die Krippenkinder anmelden, fragen oft: Wie oft findet Vorschule in der Woche statt? Wie viele Kinder sind in der Vorschulklasse? Welche Fächer werden angeboten? Bei Anmeldungen kommen auch regelmäßig Fragen nach Angeboten. Wenn ich dann den normalen Kita-Alltag mit Spielen, Essen und Basteln schildere, fragen die nach Fremdsprachenangeboten und Lesenlernen.
Überforderung ist auch ein Riesenthema. Nicht jedes Kind muss mit anderthalb schon trocken sein und mit zwei stundenlang stillsitzen und zuhören können. Aber Eltern monieren häufig, dass die Kinder gewisse Dinge - mit der Schere eine gerade Linie schneiden oder Schuhe zubinden - noch nicht können. Die Eltern vergessen, dass die Kinder Zeit haben, das zu lernen, bis sie sechs sind.
Natürlich passen wir unser Angebot an, weil es gefordert wird. Selbst bei Null- bis Dreijährigen werden dann englische Wörter benutzt, weil die Eltern das wollen. Und wir bieten "musikalische Früherziehung" an. Das klingt halt besser als wenn man sagt, wir haben heute in der Kita gesungen.
Wie viele Eltern Leistung und Bildung über alles stellen, zeigt sich auch daran, dass wir immer häufiger gefragt werden, ob ein Kind hochbegabt ist. Das ist so gut wie nie der Fall. Viele Eltern bezweifeln das Testergebnis und suchen Ausflüchte: Das Kind kannte die Erzieherin nicht, es hatte an dem Tag schlecht geschlafen. Manche gehen zu einem Kinderarzt und lassen einen neuen Test machen.
Die Eltern begreifen nicht, was sie mit diesem Druck anrichten. Manchmal fragen sie, warum ihr Kind nachts einnässt. Wenn ich nachhake, kommt heraus, dass sie mit dem Kind den ganzen Tag auf Achse waren - vom Spanischkurs zum Fußball und abends noch das Lernprogramm auf dem Computer. Die Kinder sind dann einfach gestresst, todmüde und in der Kita zu nichts mehr zu gebrauchen.
Das Schlimme ist, dass trotz vermehrter Angebote in Kitas die Zahl an Verordnungen für Therapien wie Ergotherapie oder Logopädie stark steigt. Das hat auch damit zu tun, dass Eltern sofort intervenieren, wenn sie ein vermeintliches Defizit feststellen. Die wollen Rückstände wegtherapieren lassen, damit ihr Kind ja nicht den Anschluss verliert.
Quelle: Spiegel Online
wolfgang schrieb:
am 25. Oktober 2011 um 16:14:26
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Früherzieheung
Mann, laßt die Kleinen die ersten Jahre einfach Kinder sein.Meine zwei sind aus Rußland adoptiert (Junge und Mädchen).Wir
haben beide ein Jahr zurückstellen lassen.Mein Daniel war dafür ein Jahr freiwillig in der Förderschule aufgrund der sprachlichen Defizite,was ihm gut getan hat.Aber nur aus diesem Grund.Inzwischen ist er in der normalen Grundschule.Karina ist noch im Kindergarten,kommt dieses Jahr in die Schule.Sprachlich war da kein Problem.
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Tina schrieb:
am 22. Oktober 2011 um 01:09:23
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Früherziehung
Meine Kids, 3 u fast 5 sind einfach nur Kinder. Sie spielen im Matsch und das Tempo, wann sie was lernen geben meistens sie
vor.
Der Leistungsdruck kommt früh genug, meine Engel sollen ihre Kindheit genießen!
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betroffene schrieb:
am 21. Oktober 2011 um 23:48:37
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Nur Druck
Es ist schon traurig, dass wir ( ich behaupte hauptsächlich Deutsche ) uns ausschließlich über Leistung definieren. Hab' ich
selber getan und hab seit ca einem Jahr nun die Quittung. Hab Burn out, weil ich nichts anderes getan habe als arbeiten und Druck machen ( auch mir gegenüber ). Nun muss ich lernen ganz langsam wieder zurückzukommen und hab kaum Kraft zu gehen. Leute wacht endlich auf !!! Es gibt wichtigeres als Leistung und Arbeit.!!!
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