02.02.2012, 16:55 Uhr | Maria M. Held
Die wichtigsten Spielerfrauen im Jugendfußball: Die Fußball-Mamis. (Foto: zoonar)
Sie stehen Nationaltrainer Jogi Löw und seinen Ausrastern in Nichts nach, mancher möchte ihnen die Rote Karte zeigen, aber ohne sie läuft nichts im Amateurfußball: die Fußball-Mamis. Da müssen sich die Spielerfrauen der Nationalelf warm anziehen, am Rasenrand in der Provinz guckt alles nur auf sie.
“Abseits!”, “Du Schauspieler!” - Mann, die kennen sich aber gut aus beim Amateurfußball, denke ich. Jede Aktion auf dem Spielfeld wird kommentiert, aber erst wird der selbst gebackene Kuchen am Verkaufsstand abgegeben. Dann werden die Klappstühle aufgestellt und - je nach Jahreszeit - die Decken über die Knie gebreitet oder Sonnenschirmchen aufgespannt und aus dem Korb die Thermoskannen mit Kaffee oder Tee hervorgezaubert. Es ist wieder die große Stunde der Fußball-Mamis. D- und E-Jugend sind besonders interessant, dann zeigt sich nämlich schon manches Talent und die Mamis dürfen trotzdem noch mitkommen. Denn ab C-Jugend ist es definitiv uncool, wenn die Mama auf das Spielfeld stürzt, auf die Schramme pustet und den Gegenspieler ausschimpft.
Ich bin keine gute Fußball-Mami, denn ich freue mich nicht, dass mein tolles Waschmittel auch die superverdreckten Trikots wieder blütenweiß wäscht. Ich fahre auch kein praktisches Auto, in das eine halbe Fußballmannschaft passt. Und ich verstehe nicht, warum man dauernd auf das Gras spucken muss, zudem finde ich es eklig.
Ich bin keine gute Fußball-Mami, weil ich immer noch nicht erklären kann, was genau "Abseits" ist, und weil ich weiß, dass es die anderen auch nicht können. Ich bin keine, weil ich mein Kind nie zum Foulen auffordern und sagen werde: “Wehr dich, hau ihn um!” Ich bin keine seit dem Moment, als ich einen Jungen der Mannschaft aus dem Auto aussteigen ließ, weil er nach dem Spiel heftigste Schimpfworte gebrauchte und mir erklärte, dass das im Fußball nun mal so üblich sei. Ich bin keine Fußball-Mami, weil ich genau sehe, dass auch meine Kinder manchmal foulen, schauspielern und keine kleinen Schweinsteigers, Birgit Prinz`, Steffi Jones´ oder Christiano Ronaldos sind, was für die Kinder echter Fußball-Mamis natürlich schon gilt.
Schlimmer als Fußball-Mamis sind eigentlich nur die Fußball-Papis, die sich immer einen Sohn zum Kicken gewünscht haben, aber “nur” ein Mädchen haben, womöglich eines, das in pinken Schuhen aufläuft.
Und doch: Ich bin eine gute Fußball-Mami. Ich höre mir nach dem Abpfiff geduldig und verständnisvoll den kompletten Spielverlauf mit allen Kommentierungen noch einmal an, ich koordiniere unser gesamtes Wochenende um die Turniere herum, natürlich backe auch ich Kuchen und quetsche die Kinder am Sonntag morgen in mein Auto, um sie zum Turnier zu fahren, kümmere mich um Proviant und den Verbandskasten, seit sie als Bambini angefangen haben und wohl noch bis sie selbst den Führerschein haben.
Ich tausche beim Vereins-Grillfest Kochrezepte aus und wälze gemeinsam mit den anderen leidgeprüften Müttern Schulprobleme. Gelegentlich wird die Sitzbank an der Seitenlinie auch zur Tauschbörse für Skier, Fahrräder, Inliner, Schlittschuhe - je nach Saison und Angebot.
Ohne diese Fußball-Mamis würde im Jugend-Fußball gar nichts gehen. Da können die Trainer gerne die Augen verdrehen, wenn die Mütter - aus ihrer Sicht hysterisch - auf den Rasen stürmen, um ihr Kind zu trösten, Notfalltropfen zu verteilen oder die Schnürsenkel zu binden. Keiner sonst würde Trikots waschen, keiner sich darum kümmern, dass die Kinder im Winter warme Leggings unterziehen, keiner mit Kuchenspenden die Vereinskasse aufbessern, sich bei Wind und Wetter an den Verkaufsstand stellen, keiner die kleinen Seelen nach einer Niederlage wieder aufrichten und coachen. Das gilt analog für die Tennis-Mamis, die Eislauf-Mamis, die Handball-Mamis - also quer durch alle Sportarten.
Vergesst also Physiotherapeuten, Mannschaftsärzte und Spielerfrauen, ohne die Fußball-Mamis wären selbst die Fußball-Superstars heute nicht da, wo sie sind. Fußball-Mamis sind weit unterschätzt.
Quelle: t-online.de
Freizeitplanerin schrieb:
am 4. Dezember 2011 um 10:48:34
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Sportbegeisterung
ist eine schöne Sache. Habe meinen Sohn jahrelang zum Sport gefahren, zwischendurch auch die Tochter zu ihrem Sport. Da
gab es schon die
Eltern, die von den Kindern Stellvertreterleistungen erwarteten oder für die das Vereinsleben so wichtig wurde, die dortigen Begegnungen, daß dann leider die Kinder oft den Sport ausüben sollten, selbst wenn sie nicht mehr wollten, aber die Eltern hatten ihre Freizeitbeschäftigung gefunden und die Kinder MuSSTen hin. Soweit sollte es nicht kommen.
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JJJ schrieb:
am 15. Juni 2011 um 10:23:38
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...
Bin jetzt nicht wirklich ne Fussball-, oder sonstwasmama, aber ich weiß zu hundert Prozent das mich das unfassbar genervt hätte früher
wenn meine Eltern, speziell Muttern am Spielfeldrand am kommentieren, anfeuern oder gröhlen gewesen wäre.
War immer ganz froh das ich da hingehen/fahren konnte und einfach bloß spielen...
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Claudi schrieb:
am 14. Juni 2011 um 18:17:48
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Fussballmami
Ich bin auch eine Fussballmami und wenn mir jemand vor 5 Jahren gesagt hätte, dass ich jedes Woende auf dem Fussballplatz
stehen würde, den hätte ich für bescheuert erklärt. Mittlerweile ist es so wie in diesem schönen Text geschrieben. Unser übriges Leben richtet sich nach dem Fussballkalender, dann kommt eine Weile nichts und dann der Rest unseres Lebens. Die Hauptsache ist, dass unsere Jungs glücklich sind.
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