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Gebärmutterhalskrebs: Wie sicher schützt die Impfung?

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Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs: Eine umstrittene Empfehlung

27.01.2011, 15:47 Uhr | dos

Vor dem "ersten Mal" sollten junge Menschen über eine Impfung gegen Gebärmutterhals nachdenken. (Foto: imago)

Vor dem "ersten Mal" sollten junge Menschen über eine Impfung gegen Gebärmutterhals nachdenken. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Vor dem ersten Sexualverkehr steht für junge Mädchen meist der erste Besuch beim Frauenarzt an. Im Rahmen dieser Untersuchung raten Gynäkologen zu einer Impfung gegen eine Infektion mit Humanen Papillomviren. Diese Erreger können Gebärmutterhalskrebs auslösen. Doch die Deutschen sind impfmüde: "Im Durchschnitt ist nur ein Drittel der Mädchen im entsprechenden Alter geimpft", meldet die Internetseite "Frauenärzte im Netz" im Februar 2010. Welche Argumente sprechen für die Impfung, welche dagegen und was haben Viren eigentlich mit Krebs zu tun?

Viren als Auslöser von Krebs

In einem gesunden Organismus sorgen verschiedene Mechanismen dafür, dass sich teilende und sterbende Zellen im Gleichgewicht befinden. Auch bei Erwachsenen müssen viele Zellen sich vermehren, weil sie nur eine bestimmte Zeit funktionsfähig sind. Sie dürfen sich aber auch nicht unkontrolliert teilen. Verschiedene Mechanismen sorgen für ein Gleichgewicht. Doch bestimmte Faktoren können es durcheinander bringen.

Viren können sich alleine nicht vermehren und greifen daher in das Wachstum anderer Organismen ein. Im menschlichen Erbmaterial gibt es Gene, die dafür zuständig sind, die Zellteilung in Schach zu halten. Mutationen auf diesen Genen können einen Krebs auslösen. Solche Veränderungen können angeboren sein, manchmal werden Gene aber erst später zum Beispiel durch eine Viruserkrankung aktiv oder hören umgekehrt auf aktiv zu sein.

Erste Impfung gegen Krebs

Eine Vorreiterrolle in der Forschung über Viren als Auslöser von Krebs hatte der deutsche Mediziner Harald zur Hausen übernommen. Er bekam 2008 für seine Arbeit über die Humanen Papillomviren (HPV) als Auslöser von Tumoren des Gebärmutterhalses (Zervix) einen Nobelpreis verliehen. Seine Ergebnisse führten 2006 zu der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Krebs.

Humane Papillomviren sind sehr verbreitet

HPV werden über Sexualverkehr übertragen. Sehr viele Frauen und Männer infizieren sich im Lauf ihres Lebens mit dem Virus: "24 Monate nach dem ersten Sexualkontakt sind bereits gut 34 Prozent der jungen Frauen infiziert", sagten die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. in einer Pressemitteilung 2007. Humane Papillomviren werden auch als Warzenviren bezeichnet, weil sie Genitalwarzen auslösen können. Häufig verläuft eine Infektion aber auch ohne Symptome.

Wie häufig ist Gebärmutterhalskrebs?

In Deutschland ist die Zahl der Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs durch verbesserte Vorsorgeuntersuchungen in den vergangenen Jahren zwar gesunken, doch noch immer erkranken laut dem Robert Koch-Institut (RKI) jährlich etwa 5500 Frauen daran neu. 2008 stand Gebärmutterhalskrebs laut dem Krebsatlas an zwölfter Stelle der häufigsten Krebstodesursachen bei Frauen.

Die Impfempfehlung der STIKO

Am besten wirkt eine Impfung gegen HPV, wenn sie vor dem ersten Geschlechtsverkehr durchgeführt wird. Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Immunisierung für alle Mädchen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren. Im Jahr 2009 überprüfte die STIKO diese Impfempfehlung wegen verschiedener Kritik aus der Öffentlichkeit. Aufgrund ihrer Analysen und Ergebnisse spricht sie aber die Empfehlung weiterhin aus.

Wie sicher schützt die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs?

Wie sicher eine HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs schützt, wird kontrovers diskutiert. Bisher zeigen Studien, dass die beiden in Deutschland auf dem Markt befindlichen Impfstoffe Krebsvorstufen verhindern können. Das sind Zellveränderungen, die unbehandelt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in Krebs übergehen. Außerdem lassen sich kleine Bruchteile von HPV laut dem Deutschen Ärzteblatt in fast allen Tumoren des Gebärmutterhalses (90 Prozent) nachweisen. Experten schätzen, dass ein sehr hoher Anteil aller bösartigen Zervixtumoren mit HPV in Zusammenhang steht. Allerdings gibt es weit über 100 verschiedene Typen von Humanen Papillomviren und die in Deutschland auf dem Markt befindlichen Impfstoffe Cervarix und Gardasil wirken nicht gegen alle. Beide Medikamente schützen vor einer Infektion mit den HPV-Typen 16 und 18, die in Studien in durchschnittlich einem Drittel der leichtgradigen und durchschnittlich der Hälfte der höhergradigen Krebsvorstufen am Gebärmutterhals nachgewiesen wurden, so das  Robert Koch-Institut. Der Impfstoff Gardasil wirkt zusätzlich gegen die HPV-Typen 6 und 11, die laut Ärzte Zeitung rund 90 Prozent aller Genitalwarzen verursachen.

Das sagen die Kritiker

Kritiker argumentieren aber, dass andere HPV-Typen sozusagen die biologische Lücke nützen können, die durch die Impfung entsteht. Wie lange die Impfung vor einer Infektion mit den betreffenden HPV schützt, ist ebenfalls noch unklar. Tatsächlich ist noch nicht bewiesen, ob die Medikamente nicht nur Krebsvorstufen verhindern, sondern auch langfristig tatsächlich die Zahl der Gebärmutterkrebsfälle verringern. Das wird sich erst in vielen Jahren bis Jahrzehnten zeigen.

Dennoch können junge Frauen möglicherweise schon früher einen Nutzen von der Impfung haben, denn: „Die aktuellen Zahlen zeigen: Scheidenspiegelungen, die Entnahme von Gewebeproben und Konisationen werden seltener durchgeführt. Bei jungen Frauen verringert sich so auch das Risiko späterer Frühgeburten als Folge dieser Eingriffe“, schreibt der Krebsinformationsdienst des deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg auf seiner Internetseite.

Nebenwirkungen der Impfungen

Insgesamt wurden weltweit bisher schon viele Millionen Impfdosen verabreicht. Ein erhöhtes Auftreten von schweren Impfkomplikationen oder bleibenden Impfschäden konnte seither nicht dokumentiert werden, schreibt das RKI 2009. Medien berichteten über zwei im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufgetretene Todesfälle. Doch ob die Immunisierung diese verschuldet hat, ist bis heute unklar. "Nach derzeitiger Datenlage bieten die beiden Impfstoffe gegen HPV eine vergleichbare Sicherheit wie andere seit langem verwendete Impfstoffe, wie etwa gegen Tetanus, Diphtherie oder Hepatitis B“, heißt es weiter. Doch diese gegenwärtige Datenlage ist auch nach Meinung des RKI noch nicht ausreichend, denn: "Es bestehen derzeit noch offene Fragen zur Impfung, die durch eine koordinierte Begleitforschung weiter geklärt werden müssen.", formuliert das das Institut.

Impfung ersetzt nicht die Früherkennungsuntersuchung

Selbst, wenn man sich für eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs entscheidet: Einen hundertprozentigen Schutz bietet sie nicht. Auch geimpfte Frauen sollten deshalb regelmäßig einen Frauenarzt aufsuchen und eine Früherkennungsuntersuchung durchführen lassen.

Auch Männer können profitieren

Auch für Männer ist eine Impfung gegen HPV unter Umständen sinnvoll. Denn die Viren stehen in Verdacht auch Peniskrebs, Krebs am Anus und Mund- und Rachenkrebs auszulösen. Zum Beispiel homosexuelle Männer können von Tumoren im Analbereich betroffen sein, die durch HPV ausgelöst werden. Auch das Risiko von Genitalwarzen kann durch eine Impfung mit einem HPV-Impfstoff deutlich reduziert werden, zeige eine Studie mit über 4000 Männern im Alter von 16 bis 26 Jahren, so die Ärzte Zeitung.

Kondome schützen vor vielen Krankheiten

Ein Kondom zu benützen bietet zusätzlichen Schutz vor einer Infektion – auch mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Dass HIV über Geschlechtsverkehr übertragen wird, weiß sicherlich jeder. Aber auch mit einer Hepatitis B kann man sich auf diesem Weg infizieren. Auch die klassischen Geschlechtskrankheiten, wie Syphilis und Gonorrhoe sind keineswegs ausgerottet.

Gegen Hepatitis B, eine besonders oft chronisch verlaufende Gelbsucht, die auch in eine Krebserkrankung übergehen kann, empfiehlt die STIKO Jugendlichen ebenfalls eine Impfung, wenn sie als Kind noch nicht immunisiert worden sind.


Quelle: t-online.de

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