30.12.2010, 10:50 Uhr | nw
Zu viel Besuch kann schaden: Ruhe ist besonders wichtig in den ersten Wochen nach der Geburt. (Bild: imago) (Quelle: imago)
Wenn ein Baby auf die Welt kommt, ist die Freude nicht nur bei den Eltern riesig. Kaum ist die Mutter nach den Anstrengungen der Geburt erschöpft aus dem Krankenhaus zurückgekehrt, beginnt das Stelldichein der Verwandtschaft und der Freunde. Jeder will den Neuzugang in der Familie bewundern und natürlich hat jeder auch gute Tipps parat, wie das "neue Leben" am besten zu meistern ist. Solche Ratschläge sind zwar meist gut gemeint, können aber erheblich an den Nerven zerren. Deshalb ist es sinnvoll in den ersten Wochen nach der Geburt die freundschaftliche Begeisterung in vernünftige Bahnen zu lenken, sich zurückzunehmen und bestimmte Verhaltensweisen zu vermeiden. Nur so kann man den frischgebackenen Eltern wirklich unter die Arme greifen und ihnen helfen den neuen Alltag zu meistern.
Schon im Krankenhaus verwandelt sich das Zimmer oftmals in ein Callcenter. Jeder will wissen, wie es dem neuen Erdenbürger geht, ob das Stillen klappt, wie es mit der Gewichtszunahme steht und ob auch die Bäuerchen regelmäßig erfolgen. Zuhause setzen sich dann die gutgemeinten Anrufe fort. Um solche Telefonate so weit wie möglich zu reduzieren, sollte man lieber eine Person aus der Familie beauftragen, die alle wichtigen Informationen telefonisch weiterleitet und diese dann per Telefonkette weitertragen kann. So kann sich die junge Familie etwas mehr auf das Baby konzentrieren, zur Ruhe kommen und sich so weit wie möglich entspannen.
Verständlicherweise ist bei allen das Bedürfnis groß, das Baby so früh wie möglich zu begutachten. Damit sollte man jedoch sehr zurückhaltend umgehen. Vor allem Spontanbesuche sind fehl am Platz. Lieber sollte man die erste Woche abwarten und dann erst seinen Besuch ankündigen. Denn die junge Familie braucht gerade in den ersten Tagen Zeit, mit der neuen Situation umzugehen und einen neuen Rhythmus zu finden. Am besten signalisiert man den frischgebackenen Eltern, dass man gerne bereit ist zu warten, um dann irgendwann, wenn es passt, kurz zum Gratulieren vorbei zu kommen.
Wer bei der jungen Familie zu Besuch ist, sollte auf keinen Fall erwarten, dass er Kaffee und Kuchen oder ein Drei-Gang-Menü serviert bekommt. Lieber sollte man irgendwelche Leckereien mitbringen, sich nicht bedienen lassen und selbst in der Küche aktiv werden. Schließlich ist die Zeit mit dem Baby wichtiger als kulinarische Erlebnisse. Und nach einer Stunde ist es am besten wieder Zeit zu gehen. So lässt sich Stress vermeiden.
Den jungen Eltern während des Besuchs Erziehungstipps zu geben sollte ein Tabu sein. Schnell ist man dabei, seinen reichen Schatz an Erfahrungen mit den eigenen Kindern weiter zu geben und diesen auch als einzige pädagogische Wahrheit anzusehen. Sätze wie "bloß nicht andauernd stillen", "trage doch das Baby nicht dauernd rum" oder "lass es einfach mal schreien" sind wenig hilfreich. Lassen Sie das frische Elternpaar selbst herausfinden, was für sie und ihr Baby gut ist. Halten Sie sich mit Kritik zurück und unterstützen Sie mit Verständnis und Lob.
Bemerkungen über Mamas Gewichtsprobleme nach der Geburt sind taktlos. Und auch die Frage, ob die Hosen schon wieder passen, will keiner hören. Was junge Mütter kurz nach der Niederkunft gar nicht gebrauchen können, sind kritische Kommentare über ihr Aussehen. In einer Situation, in der ein kleiner Kerl das ganze Leben auf den Kopf stellt, dauernde Müdigkeit den Alltag prägt und der Busen auf eine XXL-Größe angewachsen ist, will und kann niemand aussehen wie ein Model.
Wer Kinder hat, weiß es: Für junge Eltern mit einem Neugeborenen sind spontane Unternehmungen mit Freunden schwierig zu organisieren. Deshalb sollten Planungen für einen gemeinsamen Abend ohne Kind langfristig bei den jungen Eltern angefragt werden. Und man sollte Verständnis haben, wenn ein verabredeter Termin auch mal abgesagt wird - beispielsweise wegen Müdigkeit oder Schreiattacken des Babys. Den Freunden dann vorzuwerfen, mit ihnen sei nichts mehr los, ist ungerecht und taktlos. Haben Sie Verständnis und machen Sie Vorschläge, um eventuell das Babysitterproblem zu lösen.
"Wenn Ihr gerne mal was zu zweit machen möchtet, passe ich auf den Kleinen auf." Mit einem solchen Satz könnte man den Anfang machen und den Eltern so die Möglichkeit geben mit guten Gefühl wieder ein Stück "Zweisamkeit" bewusst zu genießen. Denn durch Handys, abgepumpte Muttermilch in Fläschchen ist es möglich auch während der Stillzeit den jungen Eltern für ein paar Stunden eine sorgenfreie Auszeit zu verschaffen.
Die Vorstellung, dass die Stillzeit für eine Mutter eine Pause bedeutet, ist falsch. Deshalb ist es auch nicht ratsam die beste Freundin anrufen, wenn sie gerade ihr Baby stillt. Sie sollten nicht zerknirscht sein, wenn das Gespräch abgewürgt wird, denn die Stillzeit sollte eine stille Zeit bleiben, bei der sich Mutter und Kind aufeinander konzentrieren und von niemandem gestört oder abgelenkt werden. Falls keine Zeit oder Energie für lange Telefonate vorhanden ist, kann man zur Abwechslung eine Mail oder einen Brief schreiben. Post zu bekommen tut auch jungen Eltern gut.
Quelle: t-online.de
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