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Gegen Jugendkriminalität: Knast auf Probe

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Abschreckung für straffällige Jugendliche: Knast auf Probe

29.11.2011, 09:57 Uhr

Jugendkriminalität: Wenn sich die Zellentür schließt, fühlt man sich einsam und hilflos. (Quelle: dapd)

Wenn sich die Zellentür schließt, fühlt man sich einsam und hilflos. (Quelle: dapd)

Eine ungewöhnliche Maßnahme in Hamburg soll Jugendkriminalität eindämmen: Jugendliche, die die schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, kommen für einen Tag auf Probe in den Knast. Dort treffen sie Häftlinge zum Gespräch und lernen den harten Alltag hinter Gittern kennen. "Gefangene helfen Jugendlichen" nennt sich das Projekt.

Mit 15 schon kriminell

Vor dem Eingang des berüchtigten Hamburger Gefängnisses "Santa Fu" (im Stadtteil Fuhlsbüttel) stehen fünf Jugendliche und albern herum. Sie alle sind bereits kriminell auffällig geworden oder gelten als gefährdet. Das mehrfach preisgekrönte Projekt "Gefangene helfen Jugendlichen" setzt auf den Abschreckungseffekt. Für einen Tag sollen die Jungen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, die bisher höchstens Sozialstunden aufgebrummt bekamen, freiwillig den harten Knastalltag kennenlernen. Ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, viele Jahre fern von Freunden und Familie hinter dicken Gefängnismauer einzusitzen.

Begegnung mit einem Mörder

"Das ist eure Chance, damit der Weg vielleicht wieder geradeaus geht", sagt Projekt-Mitarbeiter Sadat. Der 36-Jährige ist nur einer von mehreren Mördern, die die Jungen während ihrer Stunden hinter Gittern der Justizvollzugsanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel kennenlernen.

Eltern
Jugendliche trinken, rauchen und kiffen weniger

Die Zahl der sogenannten jungen Komasäufer ist allerdings steigend. Das geht aus dem Drogen- und Suchtbericht 2011 der Bundesregierung hervor. zum Video

Häftlinge schildern den harten Alltag hinter Gittern

Der Weg der Jugendlichen und ihrer Betreuer führt durch ein großes, schweres Tor, vorbei an hohen Mauern und Stacheldraht in ein Nebengebäude. Die Jugendlichen werden stiller und stiller. Sadat von "Gefangene helfen Jugendlichen" ist unter ähnlichen Bedingungen aufgewachsen wie die jungen Besucher. Er wisse genau, wie er sie ansprechen müsse, sagt der Mann, der selbst bereits viele Jahre im Knast gesessen hat. Im Moment ist er im offenen Vollzug. Er kennt alle Details des Knastlebens, erzählt von Urinkontrollen mitten in der Nacht, Drogenverbot, Hofgängen, Essensausgaben, fehlender Privatsphäre und dem ständigen Knallen der Zellentüren.

"Knast ist nicht cool"

Fernsehserien vermittelten ein völlig falsches Bild vom Gefängnisalltag, meint Sadat. "Knast ist nicht cool", schärft er den Jugendlichen ein. Zusammen mit seinen Mitstreitern will er verhindern, dass die jungen Männer völlig auf die schiefe Bahn geraten. "Wir sind keine Pädagogen, die Euch Kräutertee servieren, wir zeigen Euch die Realität", sagt Sadat und öffnet plötzlich zwei Zellentüren: "Ihr werdet jetzt mal eingesperrt." Dann schickt er einen nach dem anderen in Kurzzeit-Haft.

Plötzlich hilflos in der Zelle

Mit einem lauten Geräusch wird der Riegel vorgeschoben, für mehrere Minuten ist der 18-jährige Tarek aus Geesthacht bei Hamburg eingeschlossen. Durch ein kleines Fenster in der Tür lässt sich beobachten, wie der junge Mann in dem engen Raum unbeweglich neben dem Bett in der Ecke steht. Als er wieder in die Freiheit kommt, atmet er tief durch und grinst in die Runde. Der 17-jährige Vahag kommt mit ernstem Gesichtsausdruck wieder aus der Zelle, sein Kumpel Ahmed (Name geändert) sagt nur knapp: "Man fühlt sich dort drin so hilflos."

Vorzeigeprojekt im ehemaligen "Skandal-Knast"

Lange musste die JVA Fuhlsbüttel nach aufsehenerregenden Ausbrüchen und einer Meuterei gegen ihren Ruf als "Skandal-Knast" kämpfen. Das Projekt "Gefangene helfen Jugendlichen" entstand dort bereits 1996 auf Initiative von drei Inhaftierten. Auch an diesem Tag treffen die fünf Jungen mehrere Häftlinge zu einem Gespräch. Sie hören die Biografie von Richard, der insgesamt schon 33 Jahre - und damit mehr als die Hälfte seines Lebens - im Gefängnis gesessen hat, und sprechen mit Rolf, der nach einer schweren Kindheit im Heim ins Rotlichtmilieu abrutschte und zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Mit kleinen Delikten fängt es an

Das Projekt will zeigen: Keinem der Männer sieht man an, was sie auf dem Kerbholz haben. Sie alle haben mit kleinen Delikten angefangen - bis sich die Taten immer weiter steigerten. "Ich hoffe, dass ich viele junge Leute retten kann, weil sie abgeschreckt werden", erklärt Richard nach der Gesprächsrunde auf die Frage, warum er bei diesem Projekt ehrenamtlich mitmache. Zum Abschluss dürfen die Jugendlichen noch das Knast-Essen probieren, bevor sie wieder in die Freiheit entlassen werden.

Wegen Schlägerei Knast riskieren? Lohn sich nicht!

"Ich will hier nicht wieder herkommen müssen", sagt Ahmed über den Tag im Knast, und Vahag fügt hinzu: "Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass es sich nicht lohnt, wegen Beleidigungen oder Schlägereien ins Gefängnis zu gehen. Man verliert alles." Dann albern die Jungs wieder herum - erleichtert, in ihr normales Leben zurückkehren zu können.


Quelle: dpa

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Kommentare (24)

zum Forum

Thema: "Gegen Jugendkriminalität: Knast auf Probe"

Opa Franz schrieb: am 21. Januar 2012 um 11:23:26
(9) (0) Knast
Na, da haben wir ja wieder mal ein Thema. In unseren Gefängnissen sind weit über 80% Ausländer in Haft.( meistens
Drogen,BTM,Gewaltverbr.usw.) Was um Himmelswillen sollen Jugendliche von solchen Menschen lernen? Wie schon mehrfach erwähnt, sollen die Eltern ihre Kinder vernüftig erziehen. Bei (auch kleinen)Staftaten sollten die Richter nicht immer so Gnädig sein. Abschreckung würde bestimmt auch helfen.
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ILSE schrieb: am 17. Januar 2012 um 16:24:57
(5) (0) JA,UND SOLLTE MEHR DRÜBER GESPROCHEN WERDEN !
Hallo Theo, auch ich habe es gestern gelesen, und war auch schockiert, leider sind es viele
Kinder und Jugendliche aus sozialschwachen Familien, aber sie sollten auf jeden Fall eine Strafe bekommen, es sollte mehr darüber gesprochen werden, in SCHULEN und auch in Sendungen, ist doch ein wichtiges Thema und geht uns alle an, finde Jugendcamps und Knast auf Probe eine gute Idee und muss umgesetzt werden !!! Denn das sind keine harmlosen PRÜGELEIEN !!!!!!
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THEO schrieb: am 16. Januar 2012 um 20:08:03
(9) (0) JA,UND DAS SCHNELLSTENS !
heute die Nachricht (16.01) hat mich wieder mal schockiert, 3 Jugendliche ( Kinder) im Alter von 12,13 und 15
Jahre, haben einen Behinderten krankenhausreif geprügelt, UNFASSBAR ! Das zeugt von schlechte Elternhäuser, und darf NICHT einfach so hingenommen werden, hier ist die POLTIK gefragt, es solten JUGENDCAMPS geben wo sie lernen was Respekt heisst und auch SOZIALARBEIT müsste geleistet werden, auf jeden Fall irgendeine Strafe, damit es kein zweites MAL gibt !!! Ab 17 Jahre Knast auf Prob
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