
31.08.2011, 11:34 Uhr
Sprechenlernende Babys müssen viel verarbeiten. (Quelle: imago)
Babys stimmen sich auf die Klänge der Muttersprache ein. Jetzt zeigen Tests mit Säuglingen, denen eine Kappe mit Messsonden aufgesetzt wurde: Das Gehirn zweisprachig Aufwachsender bleibt länger flexibel - um die Vielfalt der Sprachlaute verarbeiten zu können.
Wenn Säuglinge in einer zweisprachigen Umgebung aufwachsen, verschiebt sich die Phase der entscheidenden Sprachprägung bei ihnen weiter nach hinten. Das haben US-amerikanische Forscher jetzt herausgefunden. Bilinguale Kinder lernten erst mit etwa zehn bis zwölf Monaten, die typischen Sprachmuster ihrer beiden Sprachen zu erkennen, berichten die Forscher im Fachmagazin "Journal of Phonetics". Das lasse sich an einem typischen Hirnstromsignal beobachten. Bei Kindern mit nur einer Muttersprache sei die Prägungsphase dagegen in diesem Alter bereits abgeschlossen. Das Gehirn reagiere dann nur noch auf typische Laute der Muttersprache.
Dass bereits wenige Monate alte Säuglinge die typischen Laute und die Sprachmelodie ihrer Muttersprache erkennen können, ist seit einigen Jahren bekannt. "Das Kindergehirn stimmt sich in dieser sensiblen Entwicklungsperiode auf die Klänge einer Sprache ein", sagt Studienleiter Adrian Garcia-Sierra von der University of Washington. Bisher sei aber fast nichts darüber bekannt gewesen, wie dieser Prägungsprozess bei bilingualen Säuglingen ablaufe. In ihrer Studie haben Forscher nun wichtige Unterschiede in diesem Prägungsprozess bei ein- und zweisprachig aufwachsenden Kindern aufgedeckt.
Über die Messung der Gehirnreaktion sei sogar eine Vorhersage über die Vorlieben der Kinder beim Sprechen lernen möglich gewesen, berichten die Wissenschaftler: Reagierte ihr Gehirn im Alter von zehn Monaten bei einer Sprache stärker als bei der anderen, benutzten die Kinder mit 15 Monaten auch mehr Vokabeln aus dieser Sprache.
Für ihre Studie begleiteten die Forscher Kinder aus rein englischen, rein spanischen und spanisch-englisch gemischten Haushalten über gut ein Jahr hinweg. In regelmäßigen Abständen wurden die kleinen Probanden dabei Sprachtests unterzogen. Die Säuglinge trugen während der Tests eine leichte Kappe mit Elektroden, die ihre Hirnströme aufzeichneten. Damit konnten sie ganz normal spielen oder auf einer Decke liegen.
In den Tests hörten die Kinder zunächst verschiedene Laute, die in beiden Sprachen vorkommen. Dazwischen ertönten ab und zu einzelne typisch spanische oder typisch englische Laute. Wenn das Gehirn diese kontrastierenden Sprachmuster erkenne, zeige sich im Elektroenzephalogramm (EEG) ein spezielles Signal, erklären die Forscher.
Bei den sechs bis neun Monate alten Kindern stellten die Forscher bereits einen deutlichen Unterschied fest: Das Gehirn einsprachiger Säuglinge reagierte in dieser Phase auf Sprachlaute sowohl aus dem Englischen als auch aus dem Spanischen. Bei Kindern aus zweisprachigen Haushalten fanden die Forscher dagegen weder bei der einen noch bei der anderen Sprache das Hirnstromsignal.
Ein anderes Bild habe sich im Alter von zehn bis zwölf Monaten gezeigt, berichten die Wissenschaftler. In dieser Phase reagierte das Gehirn der einsprachigen Kinder nur noch auf Laute der Muttersprache. Zu dieser Zeit sei die Prägung auf diese Sprache offenbar bereits abgeschlossen, sagen die Forscher. Bei den Kindern aus zweisprachigen Familien sei das Hirnstromsignal dagegen erst in diesem Alter erstmals aufgetreten.
"Das Gehirn bilingualer Babys legt sich offenbar nach einem anderen Zeitplan auf eine Sprache fest als einsprachige", sagt Garcia-Sierra. Es bleibe offenbar länger flexibel - möglicherweise, um die große Vielfalt unterschiedlicher Sprachlaute in zweisprachigen Umgebungen besser verarbeiten zu können.
Dass Kinder erstaunlich früh ein Gefühl für Sprache entwickeln, haben mehrere frühere Studien gezeigt. So haben Forscher im Oktober 2010 herausgefunden, dass Kinder bereits im Alter von fünf Monaten die menschliche Sprache von Tierlauten unterscheiden können . Bei einer anderen Untersuchung waren Babys im Alter von drei Monaten in der Lage, ganze Sätze zu erkennen.
Quelle: Spiegel Online
Lempel schrieb:
am 1. September 2011 um 20:37:35
(1)
(0)
Vorteil
Kinder, die muttersprachlich 2 - sprachig groß werden, haben eindeutig den Vorteil, 2 Sprachen als Muttersprache zu beherrschen. Bei
allen anderen Konstellationen sind die Vorteile von bilingual aufwachsenden Kindern von einsprachig großwerdenenden kindern recht schnell wieder eingeholt. Wie bei allen anderen Trainings auch!
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RedRalph schrieb:
am 1. September 2011 um 18:44:53
(1)
(0)
Zweisprachig
Unser Sohn (4 J.) wächst zweisprachig auf (Mutter Britin) Wir sprechen zu Hause nur englisch, im Kindergarten nur deutsch. Es
war Wahnsinn, wie er schon mit 2 zwischen den Sprachen switchen konnte und für Großeltern übersetzte. Richtig ist allerdings, dass er derzeit aber sowohl auf deutsch wie auch auf englisch nur ca. 90% der Sprachfähigkeit eines gleichaltrigen einsprachigen Kindes hat. Zweisprachigkeit hat also ihren Preis. Bin gespannt, wie er mit seiner Schwester (1 J) sprechen wird...
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Bas schrieb:
am 1. September 2011 um 09:08:19
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zweisprachig
meine kinder wachsen auch bilingual auf Deutsch/Niederländisch der eine ist 3 der ander 6 aber ohne problem wird zwischen
beiden sprachen getrennt und beim spielen mit einandere wird meistens Niederländisch gesprochen beide sind in der lage schnell und ohne problemen die Spräche zuwechselen wen aufeinmal was in Deutsch oder Niederländisch was gefragt wird
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