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Geschwister: Alle Kinder gleich behandeln

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Haben Sie ein Lieblingskind?

08.09.2010, 17:21 Uhr | Sabine Caron

Vater tobt mit einer Tochter, während die andere nur zuschauen darf.

Zuneigung gerecht zwischen Geschwistern verteilen. (Bild: imago) (Quelle: imago)

„Ich glaube, Mama hat meinen Bruder lieber als mich.“ Vielleicht hat ja auch eines Ihrer Kinder schon einmal dieses Gefühl geäußert. Oft ist diese Sorge unbegründet und entsteht nur durch ein kurzfristiges Gefühl der Benachteiligung, zum Beispiel weil der Bruder oder die Schwester ein Geschenk bekommen hat und man selbst leer ausgegangen ist. Manchmal haben die Kinder aber auch recht mit ihrer Befürchtung. Denn obwohl alle Eltern wissen, dass Sie Ihre Kinder gleich lieb haben sollten: Die Realität sieht hin und wieder anders aus. Die Frage, ob alle Geschwister die gleiche Aufmerksamkeit bekommen und ob man alle seine Kinder wirklich gleich liebt, müssen viele Eltern - wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst sind - mit einem „Nein“ beantworten. Ein schlechtes Gewissen ist da vorprogrammiert. Wie können Eltern damit umgehen, wenn Sie ein Kind dauerhaft bevorzugen? Und wie reagiert man auf Nachfragen der Kinder?

Ein Lieblingskind ist nichts Ungewöhnliches

Eigentlich haben Geschwister viel gemeinsam: Die gleichen Eltern, das gleiche soziale Umfeld. Doch Intelligenz und Persönlichkeit unterscheiden sich oft stark. Studien zeigen: Auch wenn sie es leugnen, haben die meisten Eltern ein Lieblingskind. Die Hälfte der Mütter geben in Studien zu, ein Kind zu bevorzugen. Kinder sind noch empfindlicher. 70 Prozent von Ihnen berichten von parteiischen Eltern? Häufig wird das Nesthäkchen zum Lieblingskind oder der Sohn oder die Tochter, die dem Vater oder der Mutter besonders ähnelt. Schnell ist dann trotz anders lautender Vorsätze der Eltern das eine Kind ein bisschen "gleicher" als die anderen.

Völlige Gleichbehandlung ist aussichtslos

Eltern haben den Anspruch an sich selbst, alle Kinder gleich zu lieben und zu fördern, tief verinnerlicht. Im Alltag mit mehreren Kindern erweist sich das Bemühen, immer gleich zugewandt, zärtlich und aufmerksam zu sein, aber allzu oft als vergeblich. Denn machen wir uns keine Illusionen: Jeden Tag allen Kindern die gleiche Aufmerksamkeit und Liebe entgegenzubringen, ist ein unerfüllbares, zum Scheitern verurteiltes Ziel. Kinder sollten zwar spüren, dass die Eltern allen Geschwistern gerecht werden wollen. Das muss aber nicht heißen, dass auch alle Kinder gleich behandelt werden sollten. Kinder sind verschieden und haben je nach Alter und Temperament unterschiedliche Bedürfnisse.

Rivalitäten vermeiden

Geschwister rivalisieren von Natur aus um die Gunst und Aufmerksamkeit der Eltern. Gibt es ständig Streit, sollten Eltern überlegen, ob eines der Kinder zu wenig Aufmerksamkeit bekommt oder zu viel Rücksichtsnahme von ihm verlangt wird. Oft legen Eltern versehentlich an eines ihrer Kinder strengere Maßstäbe an, als an das andere. Oft profitiert hier das jüngere Kind. Um die natürliche Geschwisterrivalität nicht unnötig zu verstärken, sollten Eltern Vergleiche vermeiden und niemals ein Kind als Vorbild für das andere hervorheben. Das ist Gift für die Geschwisterbeziehung und hat keinerlei positive Auswirkungen auf das Verhalten des gescholtenen Kindes. Auch beim Geschwisterstreit Partei zu ergreifen, sollten Eltern, soweit dies möglich ist, vermeiden. Tun sie es doch, steht ein Kind plötzlich als Gewinner da und das andere als Besiegter. Ganz schnell kommt hier für den "Unterlegenen" das Gefühl auf, seine Belange würden von den Eltern weniger berücksichtigt. In der Folge buhlt er dann nur noch mehr um Aufmerksamkeit und eigene "Siege" und stachelt nur noch weiter. Fühlt er sich dagegen gerecht behandelt, hat er dazu keinen Grund, was auch das Geschwisterverhältnis entspannt.

Extrazeit für jedes Kind

Alle Kinder lieben es, Mama oder Papa mal ganz für sich zu haben. Planen Sie deshalb hin und wieder für jedes Kind eine Extra-Zeit ein: zum Vorlesen, Spielen oder für eine gemeinsame Unternehmung. Sollten Sie ein Lieblingskind haben, ist es vor allem für den übrigen Nachwuchs wichtig auch einmal zum Zuge zu kommen. Ihr Kind genießt das Mehr an Aufmerksamkeit, das es in der Eins-zu-Eins-Situation mit Ihnen erlebt. Aber auch für Sie lohnen sich diese Momente. Denn dabei rücken die liebenswerten Seiten Ihres Kindes stärker in den Fokus. Wenn ein Kind beispielsweise gerade bei einem Freund ist, können Sie die Zeit nutzen und sich gezielt mit dem anderen beschäftigen. Natürlich wird es immer schwieriger, jedem Kind einigermaßen regelmäßig Extrazeit zukommen zu lassen, je mehr Kinder ein Elternpaar hat. Um es doch irgendwie zu bewerkstelligen, können Sie die Großeltern, Freunde und Nachbarn einspannen. Teilen Sie sich am Wochenende hin und wieder als Familie auf, so dass ein Kind wenigstens einen Elternteil mehrere Stunden lang für sich hat. Lassen Sie das vermeintlich zurückgesetzte Kind eine Unternehmung aussuchen und genießen sie den Tag.

„Hat Mama meinen Bruder lieber als mich?“

Jedes Kind spürt irgendwann einmal eine Unsicherheit, ob es genauso sehr geliebt wird, wie seine Geschwister. Zum Beispiel, wenn ein Geschwisterchen geboren wird, ist das für das Erstgeborene oft schwierig. "Haben Mama und Papa mich überhaupt noch lieb?", oder "Hat Mama meinen Bruder jetzt lieber als mich?", sind typische Sorgen, die die Älteren beschäftigen. Gehen Sie auf die Sorgen ein, auch wenn diese unbegründet sind. Erklären Sie Ihrem größeren Kind, dass der Bruder oder die Schwester mehr Aufmerksamkeit braucht, weil er noch kleiner ist und deshalb noch mehr Hilfe benötigt und die Eltern noch mehr aufpassen müssen. Wenn Sie das geschickt formulieren, ist das für das ältere Kind sogar ein Lob. Manchmal aber haben Kinder einfach auch nur ein gutes Gespür für die Realität und das Gefühl, Bruder oder Schwester würden bevorzugt beziehungsweise mehr beachtet, trifft zu. Erklären Sie in diesem Fall, dass Sie jedes Kind einfach nur auf unterschiedliche Art lieben. Nennen Sie Ihrem Kind Eigenschaften und Fähigkeiten, die Sie an ihm besonders schätzen und die beim anderen Kind weniger ausgeprägt sind.


Quelle: t-online.de

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