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Gewalt an Schulen: Krisenmanagement gegen die alltägliche Gewalt

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So begegnen Schulen der alltäglichen Gewalt

13.02.2012, 15:03 Uhr | mmh

Düstere Aussichten: Gewalt ist an Schulen Alltag.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Düstere Aussichten: Gewalt ist an Schulen Alltag. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Beleidigungen, Sachzerstörung, Prügeleien: Gewalt an Schulen gehört zum Alltag, nicht erst seit heute, nicht erst seit dem Amoklauf von Winnenden. Schulfrust und Schulangst sind die Folge bei Schülern, Lehrern und Eltern. Immer mehr Lehrer klagen über Burn-Out. Doch wie können Schulen sich dagegen wappnen? Präventionsmanager können die Schule zu einem sicheren Ort machen.

Mobbing: Keiner muss sich beleidigen lassen

"Wenn ich schon bei 'Schlampe' oder 'Hure' anfangen würde zu ermahnen, dann würde ich gar nicht mehr fertig" - solche Aussagen schockieren Karoline Roshdi. "Diese Lehrer lassen sich versteckt beleidigen, das geht nicht, niemand muss sich beleidigen lassen", kritisiert die Kriminalpsychologin. Aber das ist Teil der alltäglichen Gewalt an Schulen und damit Gegenstand der Seminare von IPBM, Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagement. "Man muss schneller einschreiten, man muss frühzeitig Grenzen setzen."

Gewalt an Schulen ist Alltag

Gewalt an Schulen ist Alltag. Beleidigende Jugendsprache, abgefackelte Papierkörbe, verbale Gewalt, körperliche und sexuelle Übergriffe, Ausgrenzung, Cybermobbing. Tatsächlich geht die Zahl der Delikte zurück, so die Jugendkriminalstatistik. Aber die Zahl der großen, blutigen Gewalttaten steigt. Zwischen 1999 und 2010 wurden 45 Menschen bei Amokläufen getötet, statistisch gesehen geschieht eine große Gewalttat pro Jahr. Dann häufen sich bei IPBM die Anfragen, denn dann ist das Medienecho groß und die Trittbrettfahrer zahlreich.

Leaking: Warnsignale erkennen

Diesen aufsehenerregenden Fällen ist es zu "verdanken", dass etwas ins Rollen kommt. Man muss präventiv handeln, man muss Anzeichen erkennen und frühzeitig einschreiten. Krisenpräventionsteams sind Pflicht für jede Schule in Deutschland, das sind ausdrücklich keine Amok-Präventions-Teams. "Man hat gelernt, dass man schon in einer frühen Phase der Krise einschreiten muss, dass man Anzeichen deuten muss." Keine repressiven Maßnahmen sind gefragt, sondern präventive. Suizid, Alkohol, Drogen - auch das sind Themen, das sind krisenhafte Lagen. Welche Hilfestellungen können Schulen da anbieten? Hier sind Lehrer gefordert. "Leaking" heißt das Erkennen von Warnsignalen, das Entdecken verräterischer Äußerungen im Internet oder von Suizidankündigungen. Ungeklärte Situationen lösen Angst aus, wer Krisen analysieren kann, kann auch helfen.

Krisenteams an Schulen sind Pflicht

Allerdings nehmen die Schulen ihre Aufgaben sehr unterschiedlich wahr. Während in einer Schule das Krisenteam nur ein Name auf einem Papier ist, setzen sich die anderen genau mit ihrer Lage auseinander, lassen Prävention zu einem lebendigen Prozess werden. Sie analysieren das Handlungsviereck aus Täter, Opfer, Gruppe und sozialer Institution.

Muster durchschauen und aufbrechen

"Es gibt immer einen Anführer und seine zwei Handlanger", erklärt Roshdi, "und ein Opfer, das dem Anführer im doppelten Dreieck gegenüber steht. Die anderen 26 aus einer Klasse vergessen, wenn die Mitte sich solidarisieren würde, gäbe es gar keine Opfer, aber sie entscheiden sich lieber, gar nicht in die Gefahr zu kommen, selbst Opfer zu werden. Wer will schon Opfer sein? Es sind immer wieder die selben Muster, die auftreten. Wer einmal in der Opferschublade steckt, kommt so schnell nicht mehr heraus.

Die Seminare von Karoline Roshdi wenden sich an Lehrer, Schulpsychologen, Polizeibeamte, Kinder- und Jugendpsychiater und Jugendpsychologen, Sozialarbeiter und Seelsorger. Diese interdisziplinäre Zusammensetzung ermöglicht einen fruchtbaren Austausch, der wiederum einen großen Mehrwert für die Teilnehme birgt. Sie lernen, den verschiedenen Phasen einer Krise zu begegnen: Analyse, Feedback, Interaktion heißen die Instrumente. Verhaltensempfehlungen geben Sicherheit und stärken das System Schule. Eltern haben natürlich im erweiterten Krisenteam ebenso ihren Platz.

Schulpsychologen dringend nötig

Allerdings gibt es bei weitem noch nicht an jeder Schule Sozialarbeiter. Psychologen sind absolute Mangelware. Ein Psychologe ist für rund 12.000 Schüler zuständig. Dabei benötigen Lehrer dringend Entlastung: Sie stehen mächtig unter Druck, haben kaum Pausen, können sich nicht zurückziehen, müssen immer präsent sein.

Ist eine Klasse absolut außer Rand und Band und überhaupt nicht mehr zu bändigen, will kein Lehrer mehr in dieser Klasse unterrichten, dann gibt es eigene Programme. "Positive Grenzsetzung" ist das Kernstück des einwöchigen Trainings, das extrem konsequent umgesetzt wird. "Die sehen, das wird durchgezogen, da passiert was, das tut ihnen gut", sagt Roshdi.

Gegenseitige Wertschätzung statt Angst

Die Wahrnehmung hat sich verändert. Mobbing gab es in Varianten sicherlich schon immer, ebenso Jugendgewalt, vielleicht sogar in stärkerem Ausmaß. Aber wir empfinden die Bedrohung heute stärker. Roshdi erklärt das Phänomen: "Wir sozialisieren uns zu immer weniger Entgleisungen."

Im Bedrohungsmanagement geht es darum, eine Atmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung zu schaffen. Eine Investition, die sich auszahlt, denn Mobbing und negatives Klima treibt die Fallzahlen von Burn-Out und die Zahl der Krankheitstage im Lehrerkollegium in die Höhe.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (32)

zum Forum

Thema: "Gewalt an Schulen: Krisenmanagement gegen die alltägliche Gewalt"

Gingel schrieb: am 23. Februar 2012 um 14:32:51
(2) (0) Schule- Gewalt
incitaus@ Viele sind Deiner Meinung.Aber in disem Forum scheinen ein paar Wenige gar nichts begriffen zu haben.Entweder sie
haben selbst Streß mit ihrem vernachlässigten Nachwuchs,da ein neues Auto oder der Sommerurlaub wichtiger sind als eine anständige Erziehung,oder sie haben bei der Zeugung nicht daran gedacht,das Kinder keine Hunde sind,die man wenns zu viel wird ins Tierheim abschiebt oder einschläfern läßt. Vor Leben ist Erziehung ! Konsum Gier läßt das nicht zu.
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Konrad schrieb: am 21. Februar 2012 um 17:23:44
(4) (0) die Wurzel des Übels
Bevor jemand ein Fahrzeug führen darf, muss er eine Fahrschule besuchen und eine Fahrprüfung bestehen. Wenn jemand
Mutter wird, dann braucht sie gar nichts nachzuweisen. Das Ergebnis ist in häufig genug eine Erziehungs-havarie. Die verkorkste Kindheit und erste Schulzeit sollen dann Kindergärtne-rinnen und Lehrerinnen reparieren. Solange das Einzelfälle sind, mag es noch angehen - was aber wenn es sich häuft? Gegebenenfalls sind die Erzieher(-innen) überfordert. Das System ist marode.
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Dumme Gans schrieb: am 21. Februar 2012 um 15:03:41
(1) (2) armes Kind
Es ist viele Jahre her, und ich ging morgens von der Nachtschicht nach Hause; es war Karneval, so wie jetzt. Auf dem Bürgersteig
lag eine Frau, ca. 45J., sturzbetrunken, und sie schrie unverständliche Sätze. Passanten standen um sie herum, ich dachte erst, sie sei verletzt oder krank. Ein junges Mädchen stand neben ihr und schämte sich zu Tode und bettelte die Mutter an, sie solle aufstehen. Und wenn nun also das Mädel Unsinn macht, "braucht es mehr Härte", aha.
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