27.04.2009, 11:48 Uhr | rev; ots; mmh
Für viele Jugendlichen ist Pornografie im Internet und auf dem Handy Teil des Alltags. (Bild: Imago)Ungefiltert, realitätsfern, teils pervers: Bilder, die Kinder konsumieren.Die Dokumentation "Generation Porno" der ZDF-Reihe "37 Grad" ging der Frage nach, inwiefern Pornoseiten im Internet und mediale Verwahrlosung die Heranwachsenden heute prägen. "Wie Kinder hartem Sex begegnen" zeigen die Autoren Katharina Gugel und Ulf Eberle in ihrer Reportage auf, für die sie vier Jugendliche begleitet haben. Daneben wirft die Dokumentation auch die Frage auf, vor welchen neuen Herausforderungen Eltern und Pädagogen stehen.
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Kristian (15) ist fast jeden Tag auf Pornoseiten im Internet unterwegs. In seinem Zimmer finden sich Kinderspiele neben Postern mit halbnackten Frauen oder einem Foto vom Rapper "Frauenarzt", auf dem dieser zu sehen ist, wie er eine nackte Frau betatscht. Kristians Mutter findet den Porno-Konsum ihres Sohnes nicht gut, doch was er bis spät in die Nacht an seinem Computer macht, weiß sie nicht. Auch auf seinem Handy hat Kristian Fotos von nackten Frauen - aus dem Internet heruntergeladen.
Während Kristian "das erste Mal" noch vor sich hat, haben Alina und Cecile, beide 14, bereits praktische Erfahrungen gesammelt. Im Internet-Chat werden die Mädchen deshalb gelegentlich als Schlampen beschimpft, was dann auch in der Schule die Runde macht. "Dabei sind wir nicht schlimmer als andere in unserem Alter", findet Cecile. An ihrer Schule in Köln-Holweide gibt es momentan fünf minderjährige Mütter und einen 13-jährigen Vater. Da ihre alleinerziehende Mutter viel arbeitet, ist Alina oft auf sich gestellt, trifft sich fast täglich mit Cecile und älteren Jungs und hört dann deren Musik mit pornografischen, frauenfeindlichen Texten.
Auch die Mutter von Jakob (13) ist alleinerziehend und versucht alles, um den Anschluss an die Welt ihres Sohnes nicht zu verlieren. Jakob besucht ein Gymnasium in Köln und ist ein großer Computerspieler. Seine Mutter treibt er damit zur Verzweiflung, dass er stundenlang vor "der Kiste" hockt und immer gewaltsamere Spiele haben will. Das Thema Gewalt sei vom Thema Pornografie gar nicht zu trennen, so Jakobs Mutter. In den Spielen würden Frauen oft als verfügbare, willige "Schlampen" dargestellt, die Helden seien immer Muskel-Machos. Auch auf Pornoseiten im Internet ist Jakob oft unterwegs. Die Mutter weiß nicht, wie sie dem Porno- und Medienkonsum ihres Sohnes begegnen soll, Jakob verweigert meist das Gespräch. Die Mutter hofft nun auf ein Projekt der Organisation "Innocence in danger". Jakob soll dort lernen, Grenzen zu setzen und sich selbst vor der Brutalität der Pornos im Internet zu schützen.
"Dass es nicht einfach werden würde, Jugendliche und deren Eltern zu finden, die vor der Kamera über Pornokonsum und sexuelle Erfahrungen reden, war uns klar. Bei unseren ersten Gesprächen mit Jugendlichen stellten wir dann allerdings vor allem bei uns selbst eine Scheu fest, ganz unverkrampft über diese Themen zu sprechen", schildern die Autoren der Sendung. Schnell merkten sie dagegen, wie offen die jungen Gesprächspartner waren. "Kein Gekicher, keine roten Ohren, sondern ein großes Redebedürfnis bemerkten wir - sowohl bei den Jugendlichen als auch bei deren Eltern. Während die Eltern immer wieder ihre Hilflosigkeit im Umgang mit dem Medienkonsum ihrer Kinder artikulierten, sprachen diese offen von ihrem Druck, selbst sexuelle Erfahrung sammeln zu wollen." So schildern die Autoren ihre Erfahrungen auf der ZDF-Homepage.
Wie verändert sich die Identität und Liebe junger Menschen im Zeitalter von Pornografisierung und Sexualisierung? Diese Frage stellte sich den ZDF-Autoren und den Zuschauern. Auf diese Frage haben Praktiker und Forscher noch keine gesicherte, repräsentative Antwort. Die jüngste Erhebung unter Erwachsenen von Professor Jakob Pastötter, dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Sexualforschung, kommt zu dem Schluss, dass Pornografie eine neue Leitkultur sei und die Beziehungen beeinflusse, so ist auf den ZDF-Internetseiten nachzulesen. So würden sich etwa mehr als die Hälfte der 56.000 per Internet Befragten wünschen, dass ihr Partner solche Geschlechtsteile wie ein Pornostar hat. Außerdem zähle für die Mehrheit die Quantität der sexuellen Erlebnisse mittlerweile mehr als die Qualität. Sex wird zum Statussymbol.
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