07.12.2009, 08:42 Uhr | nak
Forscher warnen vor giftigen Weichmachern in Spielzeug. (Bild: Imago)
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat Kritik an Vorschriften für gefährliche Stoffe in Kinderspielzeug geübt. Die Vorschriften für sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) seien "kurioserweise" für Autoreifen strenger als bei Spielzeug, sagte BfR-Sprecher Jürgen Thier-Kundke den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Demnach lässt die Spielzeugrichtlinie der Europäischen Union in Spielwaren eine 1000 mal höhere PAK-Konzentration als in Autoreifen zu. Der Einsatz dieser Stoffe sei bei Spielzeug aber nicht notwendig, sagte Thier-Kundke: "Das käme die Spielzeughersteller etwas teurer, aber technisch wäre das kein Problem."
Die Forscher des BfR hatten Mitte Oktober in einem Bericht für die Bundesregierung Alarm geschlagen. Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Krebserkrankungen bei Kindern sei es dringend geboten, Kinder vor den gefährlichen Weichmachern zu schützen. In der Analyse kritisiert das Bundesinstitut, die Vorschriften in der EU-Spielzeugrichtlinie schützten die Gesundheit von Kindern nicht ausreichend. Demnach übersteigen die im Spielzeug gemessenen gefährlichen Substanzen den Wert, der noch als unbedenklich gilt, zum Teil um das Hundertfache.
Die seit einem Jahr gültige EU-Spielzeug-Richtlinie hält das Institut laut Zeitung für völlig unzureichend. In Europa gebe es keine verbindlichen Grenzwerte für die gefährlichen Weichmacher (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, PAK). Laut BfR stehen die PAK im "begründeten Verdacht, das Erbgut zu verändern, Krebs zu erzeugen und die Fortpflanzung zu beeinträchtigen."
Die Forscher empfehlen, sich bei Regelungen für CMR-Stoffe in Spielzeug generell nicht auf Gehalte, sondern ähnlich wie im Lebensmittelbereich auf deren Freisetzung zu beziehen. CMR bedeutet, der Stoff ist krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend. CMR sollten bei Spielwaren nicht nachweisbar sein. Kinder sollten generell keinen Kontakt zu diesen giftigen Chemikalien haben, da sie viel empfindlicher darauf reagieren können als Erwachsene. Dies sei besonders deshalb wichtig, weil Kinder bis zu einem Alter von sechs Jahren geschätzte 15.000 Stunden spielen und entsprechend lange Kontakt mit den Giftstoffen hätten, so das BfR in seinem Bericht. Die Aufnahme der Giftstoffe kann sowohl über die Luft, als auch über die Haut erfolgen. Hinzu kommt, dass kleinere Kinder Spielzeug oft in den Mund stecken.
Alarm schlagen die Forscher in Bezug auf Daten des Krebsregisters des Robert-Koch-Instituts (RKI). Demnach ist die Zahl der Krebserkrankungen bei Kindern bis 15 Jahren zwischen 1980 und 2006 kontinuierlich um mehr als 50 Prozent gestiegen sei. Die Gründe hierfür seien zwar unklar. Aber gerade deshalb bestehe dringender Handlungsbedarf, so das BfR in seinem Bericht.
Quelle: dapd , AFP
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