27.04.2009, 09:10 Uhr | Simone Blaß
Der Wunsch nach Kuscheln ist genetisch bedingt. (Bild: Archiv)
"Mama, ich will einen Hund" oder "Kann ich auch ein so süßes Kaninchen haben wie die Lisa"? Welche Eltern kennen das nicht.Es gibt kaum ein Kind, das seinen Eltern nicht irgendwann mit dem Herzenswunsch nach einem Haustier in den Ohren liegt. Und dann werden Versprechungen gemacht, die eigentlich gar nicht einhaltbar sind und Eltern befürchten oft zu Recht, dass zumindest ein Teil der Arbeit an ihnen hängenbleiben wird. Doch der Bezug zu einem Haustier kann für ein Kind sehr wichtig sein. Unter Umständen hat ein Tier sogar einen Einfluss auf die Persönlichkeit und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Ein Argument, das ein bisschen Mehrarbeit durchaus rechtfertigen könnte.
Der Wunsch nach einem Haustier kommt bei Kindern im Allgemeinen sehr früh auf, beginnt eigentlich mit dem geliebten Plüschtier und geht dann oft relativ schnell über in den Wunsch nach etwas Lebendigem. Etwas, das man umsorgen und streicheln kann. Eine Grundvoraussetzung für das Halten eines Tieres aber ist, dass es von allen in der Familie akzeptiert wird. Und dass die Erwachsenen dafür sorgen, dass das Kind den richtigen und artgerechten Umgang mit dem Tier lernt. Denn nur dann kommt es zu einer wahren Partnerschaft zwischen Mensch und Tier, deren positive Auswirkungen man bereits in einer Reihe wissenschaftlicher Studien nachgewiesen hat.
Professor Reinhold Bergler vom Institut für Psychologie der Universität Bonn hat sich unter anderem mit dem Zusammenhang zwischen Heimtieren und schulischem Leistungs- und Sozialverhalten beschäftigt und herausgefunden, dass zum Beispiel Hunde erwiesenermaßen einen Einfluss auf die Entwicklung von schulrelevanten Kompetenzen haben. "Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sich die Kinder aktiv mit dem Tier beschäftigen und eine konstante Beziehung zu ihm entwickeln. Dann kann man nachweisen, dass diese Kinder in der Schule hohe Kompetenzen zur Entwicklung sozialer Beziehungen haben. Sie sind unter anderem viel geübter darin, auch die zahlreichen Nuancen nichtsprachlicher Kommunikation zu erkennen und sind in der Lage, diese dann auch im Alltag anzuwenden. Diese Kinder sind stabiler, haben weniger Schulprobleme, agieren bei Streitereien eher schlichtend und zeigen eine große Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung. Sie verfügen über eine größere emotionale Stabilität und das wirkt sich natürlich auch auf die Schulleistungen aus.“
Auch im Zusammenhang mit Scheidungskindern ist es Professor Bergler und seinem Team gelungen, nachzuweisen, dass diese, wenn sie bereits vorher einen Hund besessen haben, weniger stark unter Verlustängsten leiden. Im Rahmen der Studie "Der Hund als Prävention und Therapie für Kinder in Scheidungskrisen“ haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass das Tier dem Kind Geborgenheit vermittelt und einen Gesprächspartner für alle Probleme darstellt. Es hört zu, ihm kann man alles erzählen und es petzt auch nicht. Das Tier übernimmt damit eine Kompensationsfunktion für bestehende Defizite und lindert den Kummer. Untersucht wurde das erste Jahr nach der Scheidung, in dem die emotionalen Belastungen am stärksten sind. "Bei Kindern ohne Hund kommt es in dieser schwierigen Situation oft zu aggressivem Verhalten, wie zum Beispiel Zerstörungswut oder extremer Reizbarkeit, kombiniert mit starken psychosomatischen Beschwerden und Albträumen“, erklärt Professor Bergler. "Natürlich leiden auch die Kinder mit Haustier unter Stimmungsschwankungen, aber nicht in solch extremen Ausprägungen. Und das Wichtigste“, betont er, "der Verlust ist für das Kind leichter zu ertragen. Denn es besitzt zumindest eine konfliktfreie Beziehung. Eine Beziehung ohne Antipathie und ohne Affekte, einen Raum, in dem Harmonie herrscht und in dem das Kind sich geliebt und angenommen fühlt.“
Kinder, die mit einem Haustier aufwachsen und dieses intensiv betreuen, entwickeln sich oft in ihrer ganzen Persönlichkeit positiver. Sie sind aktiver, leiden weniger unter Einsamkeit und übernehmen mehr Verantwortung. Auf hyperaktive Kinder wirkt ein Tier sogar beruhigend und ausgleichend. Ab welchem Alter man einem Kind ein Tier anvertrauen kann, lässt sich nicht so einfach beantworten, denn es hängt stark von der persönlichen Reife des Kindes und seinem Charakter ab. Ein Grundschüler kann durchaus bereits ein Tier mit ein bisschen Unterstützung selbstständig betreuen, Kindergartenkinder brauchen die Hilfe der Eltern noch in größerem Maße, sind aber in der Lage, einige Aufgaben ebenfalls bereits zuverlässig zu übernehmen.
Gut geeignet - auch schon für kleinere Kinder - sind Meerschweinchen, Kaninchen oder Ratten, da diese sehr sozial veranlagt sind und den Kontakt zum Menschen suchen. Auch ein Wellensittich kann den Kindern viel Freude bereiten. Hamster dagegen sind weniger geeignet. Sie sind nachtaktiv und damit für ein Kind, das um 20 Uhr schlafen soll, nicht das Richtige. Es ist wichtig, sich im Familienkreis auf ein Tier zu einigen und abzuklären, ob die Haltung in einer Wohnung erlaubt ist und wer sich um das Tier kümmern würde, wenn man in den Urlaub fährt. Zusätzlich ist auch das zur Verfügung stehende Budget nicht unerheblich, ein Kleintier ist nicht sonderlich kostenintensiv, ein Hund dagegen schon. Er braucht Futter, Tierarztbesuche können teurer werden und hinzu kommen auch noch Hundesteuer und eventuell Haftpflichtversicherung.
Die Anschaffung eines Haustieres ist also nichts, was man unüberlegt tun sollte. Tiere sind kein Spielzeug, das in den Schrank wandern kann, wenn es ausgedient hat. Ein Hund oder eine Katze können bis zu zwanzig Jahre lang ein Mitglied der Familie sein, also oft auch dann noch, wenn die Kinder bereits flügge geworden sind. Eltern sollten sich im Klaren darüber sein, dass die eine oder andere Pflichtübung mit einem Haustier an ihnen hängenbleiben kann. Wer also selbst absolut nicht bereit ist, einen Hund auch bei schlechtem Wetter Gassi zu führen oder einem Kaninchen bei Durchfall das Fell zu säubern, der sollte sich sein ‚Ja‘ zum Tier gut überlegen. Auch wer zu Allergien neigt, sollte erst einmal testen lassen, ob das gewünschte Tier nicht vielleicht ein Auslöser sein kann. Denn für ein Kind ist es schwer zu verkraften, wenn es sein geliebtes Haustier wieder abgeben muss.
Grundsätzlich ist es natürlich nicht zu leugnen, dass gerade in Tierheimen auch viele ‚Problemtiere‘ auf einen neuen Besitzer warten. Das kann bedeuten, dass diese Tiere in ihrem Leben bereits einiges erfahren mussten und daher zum Beispiel nicht mehr so zutraulich sind oder sogar beißen und sich für eine Vermittlung an eine Familie nicht eignen. Doch es gibt auch eine ganze Menge Tiere, die schweren Herzens dort abgegeben wurden und sich ganz wunderbar in eine neue Familie eingliedern könnten. Hier ist es wichtig, ausführlich mit den Betreuern zu sprechen, die Vorgeschichte und auch das Alter des Tieres zu erfahren und explizit darauf hinzuweisen, dass das Tier mit Kindern zusammenleben wird. Die Mitarbeiter des Tierheimes werden dann helfen, das geeignete Haustier zu finden, mit dem gemeinsam man noch viele glückliche Jahre verbringen kann.
Stirbt das Haustier, ist das für die meisten Kinder sehr schlimm. Eltern sollten ihre Trauer ernst nehmen und sie verständnisvoll begleiten, rät die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth. Wichtig sei für Kinder, dass sie die Umstände des Todes und die Gründe wie Krankheit oder Alter erfahren. Außerdem sollten sie alle Fragen beantwortet bekommen. Der Tod eines Haustieres helfe Kindern, die Endlichkeit und Sterblichkeit von Lebewesen - auch von Menschen - zu begreifen, erklärt der Diplom-Psychologe Hermann Scheuerer-Englisch. Ist das tote Tier nicht zu unansehnlich, sollten die Kinder es noch einmal sehen dürfen. Sie können ihm etwas zum Abschied malen, schreiben oder ein kleines Andenken mitgeben, rät Scheuerer-Englisch. Falls möglich, wird das Tier am besten im Garten begraben. Kinder sollten ihre Gefühle offen zeigen können und solange weinen oder reden dürfen, wie sie es brauchen.
Quelle: dpa
Dr.Ecks-Au schrieb:
am 19. April 2012 um 17:13:15
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haustier
Manche Kinder brauchen schon ein Haustier. Und zwar einen süssen,kleinen vier Meter langen Alligator.
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kubus schrieb:
am 26. März 2012 um 18:58:18
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tiere
Aber Kinder sind kein Seelenbalsam für Tiere. Will man wirklich diese 80% unerzogenen,egoistischen Brüllaffen auch noch auf wehrlose
Tiere loslassen ? Wenns schiefgeht,wird der Hund eingeschläfert und der Balg,der dauernd das arme Tier gestresst hat, wird bedauert !
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lena schrieb:
am 22. August 2011 um 09:18:58
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kinder und hund
am Anfang war ich skeptisch, als meine Familie einen Hund wollte und ich war auch als einzigste dagegen. Nun wir haben ihn
geholt und selbst ich möchte ihn nicht mehr weggeben wollen. Er ist das beste, was meinen Kindern passieren konnte. Er ist so treu und die Kinder lieben ihn. Bei Traurigkeit oder Stress ist er der beste Tröster. Sie nehmen auch die Pflichten wie Gassie gehen und Füttern wahr.
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