
19.10.2011, 18:02 Uhr
Szene aus dem preisgekrönten NDR-Fernsehfilm "Homevideo" (Quelle: NDR/Gordon Timpen)
Warum sollte ein Teenager ARD einschalten? Wegen dieses radikalen Films, der heute um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird: "Homevideo" erzählt von einem verliebten Jungen, der zum Opfer von Cybermobbing wird. Christian Buß hat das Drama vorab mit Schülern angeschaut.
Zuerst geht da nur ein Glucksen durch die Sitzreihen, dann hört man das verächtliche Lachen einiger Jungs, schließlich das ohrenbetäubende Kreischen der Mädchen. Was sie da auf der Leinwand sehen, ist aber auch wirklich voll peinlich: Ein 15-Jähriger stößt ungelenke Liebesschwüre vor seiner Videokamera aus und onaniert dazu. Normal ist das nicht. Oder vielleicht doch?
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Der NDR hat vier Klassen der Erich Kästner-Gesamtschule ins Hamburger Abaton-Kino geladen, um ihnen die Produktion "Homevideo" zu zeigen, ein so ambitioniertes wie explizites TV-Drama zum Thema Cybermobbing, das Anfang Oktober mit dem Deutschen Fernsehpreis als Bester Fernsehfilm ausgezeichnet wurde. Eine Hundertschaft hormongeplagter Teenager erscheint tatsächlich als das beste Testpublikum für einen Film über jugendliche Triebabfuhr und Schulhofdresche unter digital natives.
Die lautstarke Reaktion im Kino auf die Selbstbefriedigungsszene zeigt, wie sich Scham, Angst und Gruppenzwang in höhnisches Gelächter verwandeln können. Im Film schließlich verdichtet sich dieses höhnische Gelächter zu einer folgenschweren Cybermobbing-Kampagne: Jakob (phantastisch gespielt von Jonas Nay), der Junge, der sich etwas ungeschickt vor seiner Videokamera entblößt, sieht sich damit konfrontiert, dass sein selbstgedrehtes Filmchen von Schulkameraden ins Netz gestellt wird. Danach ist er für die Mitschüler zum Abschuss freigegeben, via Chat kübeln die Kameraden ihre Verachtung über ihn aus. So fühlt sie sich an, die Klassenkeile in Zeiten von Facebook.
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So laut der Film während der Vorführung kommentiert wurde, so leise ist es plötzlich, als im Saal das Licht angeht. Vor den jungen Leuten hat eine Gruppe mittelalter Gestalten Aufstellung genommen. Es sind die Filmemacher und Produzenten von "Homevideo", die gut die Eltern der Schüler sein könnten. Tatsächlich erzählt der eine oder andere der Fernsehleute, dass sie zu Hause Kinder im gleichen Alter sitzen hätten. Die hätten sich den Film auch schon angucken müssen, um zu erzählen, ob sich der Inhalt mit der eigenen Lebenswirklichkeit decke. Der Teenager, ein unerschöpfliches Forschungsobjekt.
Im Abaton-Kino aber wollen sich die Forschungsobjekte erstmal nicht erforschen lassen. Auf die bohrenden Fragen der Filmemacher, ob sie denn selbst schon mal Zeuge oder gar Opfer von Cybermobbing geworden sind, reagieren die Schüler mit stoischen Mienen. Dann aber zuckt der eine oder andere doch und es werden Situationen geschildert, die ähnlich wie die im Film sind. Die Jungen glauben aber auch genau zu wissen, wie man sich gegen Rempeleien im Netz zu schützen hat.
Ob sie bei Problemen in sozialen Netzwerken eher mit Eltern und Lehrern oder mit Freunden sprechen, werden die jungen Leute von den alten Leuten gefragt. Definitiv mit den Freunden, so die einhellige Meinung. Die Erwachsenen versucht man rauszuhalten, die meisten verstünden ja eh nicht, worum es bei Facebook und SchülerVZ ginge. Das Internet als Teenbiotop, zu dem die Erwachsenen keinen Zutritt haben - dieser Aspekt wird in "Homevideo" sehr klug herausgearbeitet: Egal ob man die Lehrer oder die Eltern nimmt, ihr Verstehenwollen wirkt halbherzig, ihr Blick auf die neue Welt der Kinder beschränkt.
Umso wichtiger die NDR-Produktion, die zwar mit drastisch zugespitzter Story auftrumpft, sich aber mit erfreulich undidaktischer Offenheit an die jungen Leute herantastet. Was passiert da eigentlich, wenn sich junge Leute im Netz organisieren? Und, mal ganz ehrlich gefragt, was konsumieren die jungen Leute eigentlich noch an Medien jenseits des Internets?
Der schönste Moment in der Erwachsene-fragen-Jugendliche-antworten-Sprechstunde im Abaton stellt sich ein, als der "Homevideo"-Produzent Christian Granderath, der seit einem Jahr auch NDR-Fernsehspiel-Cchef ist, die versammelte Jugend fragt, ob sie denn überhaupt noch TV gucke. Oder noch schlimmer: Ob sie nicht doch nur bei der Konkurrenz einschalten. "Ihr guckt wahrscheinlich nur ProSieben, oder?", so der öffentlich-rechtliche Fernsehmann.
Die Schüler wollen darauf nicht so recht antworten; unwahrscheinlich, dass sie die programmpolitische Brisanz hinter der bangen Frage erkennen. Denn natürlich muss sich die ARD mit ihrem eher betagten Publikum fragen, wie sie an die junge Klientel von Raab, Joko und Klaas herankommt, ohne die ProSieben-Konkurrenz platt zu kopieren.
Und, ganz ehrlich, es wäre schade, wenn dem Ersten dies nicht gelänge. Denn in letzter Zeit wagt sich die ARD mit extrem expliziten Filmen an Stoffe, die durchaus von Interesse sind für junge Leute. Dabei geht es weniger um konventionelle Aufklärungsfilme der Marke "So tickt Ihr Kind", sondern um risikofreudige Annäherungen an Gegenwartsphänomene. Dass man dabei die Primetime-Problemdosierung oft überschreitet, spricht durchaus für den Wagemut der Filmemacher. Man nehme nur das grausam-lakonische Gewaltdrama "Sie hat es verdient" von vorletzter Woche oder den "Polizeiruf" am Freitag. Letzterer beschäftigte sich mit einem jungen Attentäter - wurde dann allerdings aus Jugendschutzgründen in den späten Abend gezogen.
"Homevideo" (Buch: Jan Braren, Regie: Kilian Riedhof) fährt da einen ähnlich radikalen Kurs. Freimütig werden die autoerotischen Exkursionen des Helden gezeigt, aber auch leise Momente der ersten Verliebtheit. Übers Netz werden zarte Botschaften verschickt, aber eben auch Aufrufe zum Lynchen. Man taucht hier tief in das Rätsel Jugend anno 2011 ein, aber gibt nicht vor, es vollständig lösen zu können. Nachdem die Schüler im Abaton sich in dem einstündigen Austausch streckenweise sympathisch störrisch gaben, klatschen sie am Ende enthusiastisch Beifall für die Filmemacher.
Vielleicht ist die Jugend ja doch nicht an ProSieben verloren.
Im Anschluss an den Film "Homevideo" können Zuschauer in einem Live-Video-Chat unter www.daserste.de/homevideo mit Experten diskutieren. Im Studio sind Catrin Wagner, Expertin für Jugendgewaltprävention, ein jugendliches Mobbing-Opfer und der Drehbuchautor von "Homevideo", Jan Braren. Dabei werden auch die Diskussionsbeiträge von Social Media Plattformen Twitter (Hashtag #Homevideo) und facebook.com/NJOY.de aufgegriffen und von den Experten beantwortet. Fragen können auch über www.facebook.com/pages/Homevideo/190782317655005 gestellt werden.
Um 21.45 Uhr diskutiert Anne Will auch das Thema Cybermobbing mit ihren Gästen Wolfgang Kindler, Lisa Loch, Michael Winterhoff, Anke Domscheit-Berg, Christian Schertz und Michaela Horn.
Quelle: Spiegel Online
Gordie schrieb:
am 28. Oktober 2011 um 13:14:44
(2)
(1)
Teil 2
...richtige Freundin habe. Ich würde mich an Deiner Stelle noch mal psychologisch behandeln lassen. Ich weiß, dass man da mehr
machen kann, als viele Leute in solchen Situationen vermuten würden.
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Gordie schrieb:
am 28. Oktober 2011 um 13:12:14
(2)
(1)
Teil 1
Ich fand den Film absolut realistisch. Alles so erschreckend echt.
@Sundancer 29
Ich kann Deine Situation nachvollziehen. Ich wurde
selber ca. 5 Jahre lang aufs übelste gemoppt. Allerdings sieht mir das heute niemand mehr sofort an. Von sichtbaren Spuren wie einer Narbe abgesehen wurde vermutlich mein Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen am meisten geschädigt. Mittlerweile geht es, aber die Auswirkungen sieht man noch heute. Z. B. daran, dass ich bis heute (bin inzwischen über 30) keine...
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Marco schrieb:
am 22. Oktober 2011 um 13:31:10
(0)
(1)
Ex-Schule
Nach Festplatten-Aufnahme ich habe gesehen.Schock! Über Nacht ich kann nicht schlafen. Auch 90er ich war fast Mobbingfälle
Ex-Schule.(war keine Internet und keine Handy). 3 Schülerinnen(Mädchen) hassen mich.Weil ich war beste Mathematik Note 1-2 durchschnitt.Ich rechne schneller als Mädchen.Fast alles Mädchen kann schlecht rechnen.Plötzlich Mädchen Frust über mich.Sie versuchen mich Schule vertreiben.Doch Jungen nehmen mich Schutz.Mobbing langsam abbauen.Ich war als 16jahrige Junge.grüße Marco.
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