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Inklusion: Bildungsexperte sieht viele Hürden

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Bildungsforscher: Noch viele Hürden für inklusive Schule

08.02.2012, 15:33 Uhr

Inklusion: Behinderte und nichtbehinderte Kinder lernen gemeinsam. (Quelle: dpa)

Inklusion: Behinderte und nichtbehinderte Kinder lernen gemeinsam. (Quelle: dpa)

Kluge und lernschwache, behinderte und nicht behinderte Kinder in einer Klasse. Auf Wunsch der Eltern soll das überall in Deutschland möglich sein. Eine UN-Konvention verpflichtet das Bildungssystem dazu. Bildungsforscher Klaus Klemm sieht aber noch viele Hürden beim Thema Inklusion.

Inklusion - das sind die Hürden

Behinderte Kinder sollen rein in die Regelschulen und gemeinsam lernen mit nichtbehinderten Kids - aber in der Praxis stehen überall in Deutschland noch viele Hürden im Weg. "In den Grundschulen sind wir zwar schon relativ weit fortgeschritten mit dem inklusiven Unterricht, aber dann kommt es bei den weiterführenden Schulen in allen Bundesländern zu einem Bruch", sagte Bildungsforscher Professor Klaus Klemm der Nachrichtenagentur dpa.

"In der Sekundarstufe I fallen wir deutlich zurück, so dass zwei von drei Kindern, die aus einer inklusiven Grundschule kommen, plötzlich die Erfahrung machen, doch nicht mehr dazuzugehören und in eine Spezialeinrichtung wechseln zu müssen." Als Riesenproblem zeichne sich zudem ab: "Der Trend, überwiegend den Hauptschulen die Inklusionsarbeit aufzubürden."

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Tradition als Hemmschuh

"Die Kinder, die nach der Grundschule in der Inklusion bleiben können, wechseln zu zwei Dritteln auf die Hauptschulen, gefolgt von der Gesamtschule und dann kommt ganz lange nichts», sagte der Experte in Sachen Inklusion ("Einschluss"), der bis 2007 an der Universität Duisburg-Essen tätig war. "Wir haben die Situation, dass also Kinder mit einem erheblich höheren Förderbedarf in die schrumpfenden Hauptschulen kommen, wo eine Population unterrichtet wird, die auch mit großen Lernschwierigkeiten zu kämpfen hat." Die lange Schultradition in Deutschland, nach Leistung zu trennen und in homogenen Gruppen zu unterrichten, erweise sich nun als Hemmschuh.

"International wird zu 85 Prozent inklusiv unterrichtet, bei uns sind es nur 20 Prozent", sagte Klemm. Dabei ist Deutschland mit der seit 2009 geltenden UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, allen behinderten Kindern - auf Wunsch der Eltern - einen gemeinsamen Unterricht in einer Regelschule zu ermöglichen. Davon sei Deutschland aber noch weit entfernt: "In den 50er, 60er Jahren galt es als fortschrittlich, für behinderte Kinder möglichst viele Sonderschulen zu errichten. Seit ein paar Jahren weiß man auch in Deutschland: Das ist eine Sackgasse."

Vorbehalten vor allem an Gymnasien

Vorbehalte gegen inklusiven Unterricht gebe es vor allem bei den Gymnasien: "Sie haben den Auftrag, Begabte zu fördern. Für den normalen Gymnasiallehrer ist es daher erst mal ein Widerspruch in sich, lernschwierige Kinder aufzunehmen", meint der Bildungsforscher. "Bei Eltern nichtbehinderter Schüler gelten die Ängste vor allem dem gemeinsamen Unterricht mit geistig behinderten und emotional-sozial gestörten Kindern." All diese Sorgen müsse man ernst nehmen.

In der Praxis verschwinden die Bedenken

"Erstaunlich ist aber, dass dort, wo Inklusion gemacht wird, die Vorbehalte verschwinden." Und: "Man kann nicht naiv-blauäugig sagen, wir bringen einfach alle Kinder zusammen und alles wird gut. Man muss die pädagogischen Konzepte ändern, Überzeugungsarbeit leisten. Inklusion ist eine wirklich große Aufgabe."

 


Quelle: dpa

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