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Internat: Nur für Eliten und Rabeneltern?

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Internat: Nur für Eliten und Rabeneltern?

04.05.2010, 17:07 Uhr | Jenni Zwick

Internatsschülerinnen im Schulflur.

Schülern mit besonderen Begabungen wird die Möglichkeit geboten, individuell gefördert zu werden. (Bild: Imago)

Einst galt das Internat als Eliteschule, in das nur verwöhnte Kids abgeschoben wurden, mit denen die Eltern nicht klar kamen. Doch das Image hat sich gewandelt: Eltern, die ihre Kinder aufs Internat schicken, sind keine "Rabeneltern" mehr, sondern fördern ihr Kind bestmöglich. Doch ist dem wirklich so oder ist sie nicht doch "nur" eine luxuriöse Schulform für Schulverweigerer?

Weg von den allgemeinen Schulen, ab ins Internat

Eltern, die sich für ein Internat entscheiden, erhoffen sich meistens individuelle Förderung für die Schüler, einen internationalen Lehrplan und professionelle Erziehung ihrer Kinder im Internatsleben. Und das lässt sich im Großen und Ganzen dort auch finden: Engagierte und motivierte Pädagogen, weniger Schüler pro Klasse, individuelle und gezielte Förderung und strukturierte Tagesabläufe. Durch eine Vielzahl an Möglichkeiten der Freizeit- und Interessengestaltung können sich die Schüler auch neben dem Unterricht entfalten und ihren Interessen nachgehen. Die individuelle Förderung und Persönlichkeitsbildung sind gerade durch das Gemeinschaftsleben mit den anderen Schülern im Internat möglich.

Schüler unter Druck

Gemeinhin ist eine erfolgreiche Schullaufbahn die Basis einer beruflichen Karriere. Gerade in der heutigen Zeit, durch Globalisierung, die Möglichkeit, am internationalen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, und den Wunsch, dass ihre Kinder Leistungsträger von Wissenschaft und Wirtschaft werden, haben Eltern Angst vor Auslese und Versagen. Ihre Kinder sollen aufs Gymnasium - schließlich ist ein Realschulabschluss kaum mehr etwas wert - der Hauptschulabschluss schon lange nicht mehr. Trotzdem müssen Eltern mit Entsetzen zusehen, wie ihre Kinder verheizt werden - trotz Pisastudie und Versprechungen der Politiker. Einzig der Druck an den Schulen wird erhöht, durch die Einführung des G8, des verkürzten Gymnasiums auf acht Jahre, mit der Folge von Noten bereits in der zweiten Grundschulklasse. Ein undurchschaubares Notensystem, Sitzenbleiben, überfüllte Klassen, dreigliedriges Schulsystem, überforderte Lehrer und Schüler bleiben als Probleme bestehen. Zumindest das scheint an Internaten besser zu laufen.

Struktur und Regeln im Internat 

Neben dem Schulalltag im Internat und den dazugehörigen Lehrplänen, Arbeits- und Nachhilfegruppen, die den Schülern das Lernen erleichtern, haben Internate in der Regel auch einen hohen pädagogischen Anspruch, der im Internatsalltag umgesetzt wird. Viele Eltern nehmen dies gerne an: Das Einhalten von Pünktlichkeit, Ordnung und Pflichtbewusstsein, klare Regeln und feste Aufgaben sind erzieherische Maßnahmen, die oftmals zuhause fehlen oder zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Eltern führen. Im Internat strukturieren Normen und Werte das Internatsleben und diese werden mit einem anderen Selbstverständnis von den Schülern angenommen. In manchen Internaten beispielsweise dürfen die Kinder frühestens ab Klasse 8 fernsehen - und nie vor dem Abendessen - was in vielen Familien undenkbar wäre.

Teuer und gut?

Internate kosten Geld, so viel steht fest - das Image der Eliteschulen kommt nicht von ungefähr. Durchschnittlich verdienende Familien können sich viele gerade international ausgerichtete Privatschulen in der Schweiz, Deutschland oder in England gar nicht leisten. Doch auch der Staat sieht mittlerweile das Potenzial der speziellen Förderung und bietet Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche mit besonderen Begabungen gezielt zu fördern. Diese Fördermöglichkeiten tragen dazu bei, dass der Internatsbesuch nicht nur Kindern wohlhabender Familien vorbehalten ist. Für weniger privilegierte Kinder besteht die Möglichkeit auf Unterstützung durch das Jugendamt, BAföG, ein Stipendium oder einen Bildungskredit.

Elite oder nicht?

Luxuriöse Elite-Internate gibt es, doch das sind die Ausnahmen. Für die meisten der mittlerweile über 300 Einrichtungen in Deutschland ist dieses Image veraltet - die Einrichtungen sind weltoffen, modern und beherbergen Schüler aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Das Internatsleben wird Ihr Kind verändern - das sollte Ihnen im Vorfeld bewusst sein.

Besonders begabte Kinder

Ist Ihr Kind allerdings in einem bestimmten Feld besonders begabt, lohnt sich ein Blick auf ein darauf spezialisiertes Internat. In speziellen Internatsberatungen können Sie sich informieren, in welchen Einrichtungen die individuellen Ansprüche Ihres Kindes erfüllt werden. Das kann neben den allgemeinen schulischen Leistungen eine Spezialisierung im betriebswirtschaftlichen oder fremdsprachlichen Bereich sein. Daneben gibt es auch Internate für: Leistungssport, wie beispielsweise Fußball, Tennis und Schwimmen (allerdings liegt die Auswahlentscheidung bei den Sportverbänden), Ballett und Artistik (hier werden begabte Schüler/innen aufgenommen, wenn sie die Auswahlprüfung bestehen), Musik (wenn eine entsprechende Begabung vorliegt), Hochbegabte (die im normalen Schulsystem unterfordert sind) sowie Einrichtungen für Schülerinnen und Schüler mit Asthma, Neurodermitis, Diabetes oder einer Körperbehinderung.

Fernab der Heimat

Eltern, die ihr Kind aufs Internat schicken, machen sich diese Entscheidung selten leicht. Schließlich muss das Kind das bekannte, familiäre Umfeld verlassen und die Eltern haben keinen direkten Einfluss mehr auf ihr Kind. Manche Kinder haben Heimweh und leiden unter der Situation, andere kommen mit dem Internatsleben und den Mitschülern nicht klar und fühlen sich abgeschoben. Die Internatsverbände drehen dies ins Positive und verweisen auf das gesteigerte Selbstwertgefühl der Kinder, wenn sie denn irgendwann mit dieser Situation klar gekommen sind.

Hören Sie genau hin

Doch Eltern sollten in Telefonaten und in den Zeiten, in denen ihr Kind zuhause ist sehr genau hinhören: Wie fühlt sich das Kind? Warum fällt es ihm schwer, sich in die Gruppe und die Klasse zu integrieren? Wird es gemobbt oder gibt es Hinweise auf Missbrauch oder Misshandlungen? Gerade nach den letzten Meldungen von jahrelangem sexuellen Missbrauch und gewalttätigen Übergriffen von Lehrern und Betreuern an Internaten und Heimen sollten Eltern sensibilisiert für diese Themen sein. Ist das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern gut und können sich die Eltern darauf verlassen, dass sich ihr Kind ihnen anvertrauen würde, können Eltern mit gutem Gewissen und Vertrauen ihr Kind in die Ferne "entlassen".


Quelle: t-online.de

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Kommentare (7)

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Thema: "Internat: Nur für Eliten und Rabeneltern?"

Heinz schrieb: am 11. März 2012 um 01:17:08
(0) (0) Internat
für die Eltern die Ihre "Püppchen" gerne zeigen, sich mit ihnen profilieren und alsbald nachdem sie den Bekannten und
Freunden gezeigt haben, welch gute Eltern sie sind, wieder abschieben. Es gibt Ausnahmen aber in 95% der Fälle ist es so. Seit der Wende habe ich sowieso den Eindruck, dass die meisten Eltern nur noch schauen dass sie einen Krippenplatz finden der möglichst nach der Entbindung das Kind aufnimmt! Kinder bekommen heute viele Eltern wirklich nur um sich zu profilieren!
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Alex schrieb: am 14. September 2010 um 17:30:13
(3) (0) Internate
Persönlich besuche ich momentan die 12 Klasse in einem Wirtschaftsgymnasium und habe mit meinen Noten gute Chancen einen
qualifizierten Beruf zu erlangen. Ganz im Gegensatz zu meiner Schwester die ein Luxusinternat in Baden Württemberg besuchte und einen Abischnitt von 1,3 hat. Bei Betrieben half dieser Superschnitt aber nicht viel, denn sie wurde als verwöhnte Göre dargestellt, die nur durch einen dicken Geldbeutel solch einen guten Abischnitt erreichte.
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doris schrieb: am 10. September 2010 um 15:22:42
(5) (0) nochmal ich
es geht ja bei der kindererziehung nicht um einen hund, es geht um ein kind... und leider ( erfahrung hat es gezeigt), gibt es
mindestens genauso viele schlechte pädagogen, wie es schlechte eltern gibt.
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