04.01.2012, 10:08 Uhr
Schon kleine Kinder sind von elektronischen Geräten fasziniert. (Quelle: imago)
Für Amber Mullaney ist das iPhone ein Gottesgeschenk. Wenn die Amerikanerin mit ihrem Ehemann und der zweijährigen Tochter in ein Restaurant geht, bekommt die kleine Tatum das Smartphone und darf sich Folgen einer Zeichentrickserie anschauen. Versuche, das Handy zu Hause zu lassen, endeten in der Vergangenheit im Chaos: Tatum spielte mit den Salzstreuern herum, Gläser fielen um.
"Sie malt ein bisschen oder redet ein bisschen mit uns, aber das ist nur von kurzer Dauer", sagt Mullaney. Mit dem iPhone sitzt Tatum dagegen ruhig auf ihrem Stuhl, während ihre Eltern in Ruhe ihr Essen genießen können. Ein schlechtes Gewissen hat die Mutter manchmal schon. Die Leute sollen nicht denken, sie nutze das Gerät, um ihr Kind zum Schweigen zu bringen. Aber sie will auch nicht auf Restaurantbesuche verzichten. "Manchmal muss man tun, was man tun muss", sagt sie.
Mullaney ist in guter Gesellschaft. Etwa 40 Prozent der zwei- bis vierjährigen Kinder in den USA (und zehn Prozent der noch jüngeren) haben schon ein Smartphone, einen Tablet-PC oder einen iPod bedient, wie aus einer Studie der gemeinnützigen Organisation Common Sense Media hervorgeht. Eines von fünf Elternteilen sagte, sie hätten ihren Kindern schon einmal ein solches Gerät gegeben, während sie etwas anderes zu erledigen gehabt hätten.
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Inzwischen gibt es tausende Apps, die sich an Babys und Kleinkinder richten: interaktive Spiele, die Körperteile benennen oder Tierstimmen abspielen, Malprogramme oder auch Memory. Für die Eltern von Neugeborenen gibt es sogar eine App, die Geräusche im Mutterleib imitiert, um das Baby zu beruhigen.
Spielzeughersteller Fisher Price hat in den USA kürzlich eine neue Hülle für das iPhone und den iPod Touch auf den Markt gebracht. Das Gerät wird in eine bunte Rassel eingelegt. So sollen Babys ab sechs Monaten mit dem iPhone spielen können, während es gleichzeitig vor "Tröpfchen, Speichel und unerwünschten ausgehenden Anrufen" schützt, wie der Hersteller verspricht.
Denise Thevenot räumt ein, dass einige Leute dem Gedanken, einem Kind ein so teures Gerät zum Spielen geben, skeptisch gegenüber stehen. Dann entdeckte sie das Potenzial des iPads. "Das iPad bietet Filme, Bücher und Spiele in einem netten Paket", erklärt Thevenot, die in New Orleans in der Tourismusindustrie arbeitet. Mit dem iPad ist ihr dreijähriger Sohn Frankie stundenlang beschäftigt. Und - falls nötig - besteht die schlimmste Strafe darin, es ihm wegzunehmen. "Er liebt es so sehr."
Experten lehnen den Trend nicht ab, fordern aber Ausgewogenheit im Spiel der Kinder. "Es ist wirklich wichtig, dass Kinder mit verschiedenen Spielen lernen", sagt die Psychologin Cheryl Rode vom Kinderzentrum in San Diego. "Technische Spielereien können dazugehören, aber sie sollten das Spiel nicht dominieren, besonders nicht, wenn wir über sehr kleine Kinder sprechen." Wenn die Kinder sich zurückzögen oder kein Interesse mehr an anderen Dingen hätten, sei das ein Warnsignal.
Die Psychologie-Professorin Deborah Best erklärt, dass Kinder von altersgerechten Lernprogrammen profitieren können. Aber "die Interaktion mit den Geräten ersetzt nicht die Interaktion zwischen Kindern und Eltern oder zwischen Kindern und anderen Kindern", sagt sie. Diese Art der Kommunikation helfe Kindern zu lernen, aus Gesichtern Emotionen zu lesen und in einem Gespräch gewisse Regeln zu befolgen.
Die fünffache Großmutter und Buchhändlerin Joan McCoy sorgt sich um die sozialen Fähigkeiten der jungen Generation. Wenn ihr Sohn und ihre Schwiegertochter mit anderen Eltern und deren Kindern ausgehen, reichen sie den Kindern ihre Mobiltelefone oder die Kleinen bringen gleich ihre Spielzeugcomputer mit. "Zwischen ihnen oder mit den Eltern findet absolut kein Gespräch statt", erzählt McCoy. "Sie kleben an den Geräten."
Wenn sie mit den Enkeln zwischen zwei und sieben Jahren ausgeht, ist alles anders. Die Großmutter bringt Bücher mit, und sie fragt die Kinder, was auf den Bildern gerade passiert und was sie in einer ähnlichen Situation tun würden. "Sie reden und sie sind begeistert und aufmerksam", sagt McCoy. "Sie fragen nie nach meinem Handy, und das ist erstaunlich, denn wenn wir mit ihren Eltern weggehen, ist es das erste, wonach sie fragen."
Natürlich habe sie als Großmutter den Luxus, viel Zeit zu haben. "Es ist anstrengender. Es braucht mehr Disziplin und Zeit. Man muss sich mit den Kindern beschäftigen, das Kind wird nicht von selbst unterhalten."
Eileen Wolter aus New Jersey gibt zu, dass sie mit ihren Söhnen im Alter von drei und sechs Jahren auch einmal den leichteren Weg wählt. "Ich erkaufe mir das Schweigen meiner Kinder mit einem teuren Spielzeug", sagt sie. Wenn im Restaurant die Söhne schweigend mit ihren Spielen beschäftigt sind, beschleicht sie schon ein unangenehmes Gefühl, aber dann sagt sie sich: "Ja, aber wir hatten ein nettes Abendessen."
Quelle: dapd
Naturfreund schrieb:
am 5. Mai 2012 um 14:52:30
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(0)
Mitleid
Wenn man voraussetzt, daß die Existenz als Mensch vollkommen von der Fähigkeit abhängt, interaktive Schaltflächen zu bedienen,
kann ich mir keine sinnvollere Lebensvorbereitung vorstellen. Anderenfalls ist dies der sicherste Weg, gesund geborene Kinder seelisch, geistig und körperlich zu verkrüppeln. (Durch meine Mitarbeit an Schulen für Lernbehinderte weiß ich, wovon ich rede.)
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Alte schrieb:
am 11. Januar 2012 um 22:22:52
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Furchtbar,
worauf die armen Kleinen verzichten müssen.Warum nicht gleich Baby-Sitter-Roboter einstellen?Spracharmut, Mangel an
Sozialverhalten wird die Folge sein.
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Yoli schrieb:
am 6. Januar 2012 um 17:55:19
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I-Pad Babys
Ich bin Mutter von 5 Kinder und habe so was nie gebraucht. Ich hatte immer Spielzeug dabei und was zum malen. Heute sind die
Kinder älter und gebe zu sie haben I-Pad, sie dürfen erst aber nach dem Essen benutzen. Wir haben in Urlaub es erlaubt und haben uns geärget und haben entschieden es im Zimmer stehen zu lasen und siehe da, mann kann sich miteinander unterhalten über viele Sachen. Heute sind die Eltern zu faul es ist einfacher ein Film laufen zu lassen als mit dem Kind zu spielen. Schade!
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