16.02.2012, 11:29 Uhr
"Richtig faulenzen" ist einer der ungewöhnlichen Kurse am Lessing-Gymnasium in Hoyerswerda. (Quelle: dapd)
Hoyerswerda bietet mehr als nur das düstere Beispiel einer schrumpfenden ostdeutschen Stadt. Seit 2009 läuft dort das Projekt einer "Kulturschule". Der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien führte dafür das Lessing-Gymnasium und das benachbarte soziokulturelle Zentrum Kulturfabrik zusammen. Schon zu DDR-Zeiten entwickelte die Schule ein besonderes musikalisches Profil und zählt heute zu den sogenannten Gymnasien mit vertiefter Ausbildung in Sachsen, an denen besondere Begabungen der Schüler gefördert werden.
Die Hoyerswerdaer "Kulturschule" soll ausdrücklich nicht Vorstufe für möglichst viele professionelle Musiker sein. Sie möchte vielmehr das kulturelle Grundniveau für alle anheben. "Bei uns gibt es nur Akteure, wir sind alle Lernende", sagt Schulleiterin Katharina Michelfeit. Für diese kulturelle Grundbildung gilt ein sehr weiter Kulturbegriff. "Wir wollen ihn nicht auf die Kunst reduzieren, sondern fassen ihn von der Körperkultur bis zum Schulklima", erklärt Uwe Proksch, Leiter der Kulturfabrik. Der Grundstein dafür wird in den fünften und sechsten Klassen in einer wöchentlichen Kulturstunde gelegt, die es so in keinem Lehrplan gibt.
"Da lernen wir Sachen außerhalb der Schule, die wichtig für das Leben sind", erklärt ein Schüler. "Kids mit Stil" heißt einer der zwölf Kurse, in dem Tischsitten und ein bisschen Knigge beigebracht werden sollen. In einem anderen versetzen sich die Schüler über Rollenspiele in die Situation von Asylbewerbern und Beamten der Ausländerbehörden. Die "Lernkultur" befasst sich mit Techniken, die auch für den Unterricht wichtig sind. Im Gegenzug vermittelt der Kurs "Richtig faulenzen", wie man sich entspannt und auf seinen Biorhythmus achtet - hier können die Schüler eine ganze Unterrichtsstunde lang auf dem Boden liegend ruhige Musik hören.
Viele Jugendliche sind im Schulalltag überfordert und halten dem Leistungsdruck nicht stand. zum Video
In den höheren Klassenstufen kommen die Nachmittage in der Kulturfabrik hinzu. Hier gibt es die typischen Projektangebote und die Möglichkeit der künstlerischen Selbstbetätigung. Zudem besucht jeder Schüler mindestens zweimal im Jahr das Senftenberger Theater, 70 Schüler haben mittlerweile freiwillig ein Schülerabonnement für vier Veranstaltungen der Lausitzhalle jährlich erworben. Als Zusatzbelastung empfinden die Schüler dies nicht, eher als "Lebensinhalt", wie einer von ihnen sagt. Die besonderen kulturellen Akzente fügen sich in das Ganztagsangebot ein.
"Wir haben ein besseres Schulklima, da freut man sich jeden Tag darauf", konstatiert der Schüler Ric Rafael Reinhold. Der besonders pflegliche Umgang miteinander, die ständige Präsenz kultureller Aspekte im Unterricht hätten den Lehrern anfangs eine Umstellung und Mehrarbeit abverlangt, räumt Schulleiterin Michelfeit ein. Auch einige Eltern seien anfangs skeptisch gewesen. Der atmosphärische Gewinn, das bessere Miteinander hätten sie aber bald überzeugt. Auf diese Weise erreiche man auch bei unterschiedlich ausgeprägten kulturellen und künstlerischen Neigungen tatsächlich alle Schüler, sind Lehrer und Schüler gleichermaßen überzeugt.
Uwe Proksch von der Kulturfabrik weiß, welch wichtige Rolle die Elternhäuser spielen. Aber er dramatisiert den vielfach vorhandenen Nachholbedarf nicht, vertraut auf schlummernde Anlagen in jedem und auf deren Förderung durch die Schule und seine Einrichtung. "Wichtig ist letztlich, dass jeder seinen Platz in der Gesellschaft findet und dafür Sozialverhalten, Kommunikation und Führungsqualitäten entwickelt", findet er.
Nach Meinung der Schüler ist letztlich nicht der Titel "Kulturschule" das Wichtige, sondern eine fröhliche, kreative Schulzeit. Und die kann man auch in Hoyerswerda genießen.
Quelle: dapd
conny schrieb:
am 1. März 2012 um 23:21:20
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kulturschule
finde ich gut enrspannung zu lernen ist genauso wichtig wie das lernen selbst denn nur so können die kids ohne sich
überfordert zu fühlen lernenmüsste es überall geben
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dorle schrieb:
am 16. Februar 2012 um 13:49:18
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aus der not eine tugend
schade, dass in den meisten städten die not (noch) nicht groß genug ist, um daraus tugenden entstehen zu lassen.
toll hoyerswerda! ich hoffe, es weckt die kreativen köpfe im ganzen land - ...
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