17.12.2009, 17:32 Uhr | Jenni Zwick
Viele Eltern setzen ihre Kinder aus Bequemlichkeit vor den Fernseher. (Bild: Imago)
Nicht nur XXL macht unbeweglich - auch viele normalgewichtige Kinder haben motorische Probleme. Vielen bereitet Rückwärtsgehen, auf einem Bein Stehen, auf einer Linie Balancieren oder einen Purzelbaum schlagen schon Schwierigkeiten. Die Zeiten vor dem Fernseher oder dem Computer verlängern sich - Toben, Ballspielen und Turnen ist viel zu anstrengend und macht keinen Spaß mehr. Die Motorik bleibt dabei auf der Strecke. Eine aktuelle Studie der AOK, des Deutschen Sportbundes und des Wissenschaftlichen Institutes der Ärzte Deutschlands (WIAD) zeigt, dass die Kluft zwischen den fitten Kindern und Jugendlichen und ihren konditionsschwachen Altersgenossen immer größer wird. Weniger fitte Kids verlieren den Anschluss an ihre Sport treibenden Klassenkameraden und zwar nicht nur im sportlichen Bereich sondern auch in den anderen Fächern.
Zu wenig Bewegung und zu viel Cola, Pommes und Pizza: Die Zahl übergewichtiger Kinder hat sich in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt. Laut AOK sind in Deutschland 15 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig oder sogar adipös. Auch sind viele Kinder unbeweglicher und unsportlicher als früher. Bei Motorikübungen schneiden Kinder und Jugendliche heute im Durchschnitt knapp 15 Prozent schlechter ab als vor 30 Jahren. Schon einfache Balanceübungen werden für sie zur sportlichen Herausforderung. Der Deutsche Ring meldet, dass mehr als 80 Prozent der Vier- bis 17-Jährigen es beispielsweise nicht schaffen, eine Minute lang auf einem Bein zu stehen. "Die körperliche Aktivität bleibt heutzutage zu oft auf der Strecke", warnt Frank Grunwald, Gesundheitsexperte beim Deutschen Ring. "Jedes vierte Kind zwischen drei und zehn Jahren ist nicht regelmäßig sportlich aktiv, jedes achte macht überhaupt keinen Sport." Das Problem ist aber, dass übergewichtige Kinder schon in jungen Jahren häufig an Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Darüber hinaus haben sie Beschwerden an den Gelenken und der Wirbelsäule. Nicht zu unterschätzen sind auch die psychosozialen Probleme, die diese Kinder bewältigen müssen.
Kinder schauen sich das Verhalten der Eltern ab. Haben die Eltern selbst keine Freude an Bewegung oder Sport, werden auch die Kinder kein bewegtes Leben führen. Viele Erwachsene setzen ihre Kinder lieber vor den Fernseher oder den Computer, statt mit ihnen auf den Spielplatz oder in den Wald zu gehen und sie fürs Toben und Spielen im Freien zu begeistern. In Großstädten fehlen häufig ausreichend Spielangebote und die dort lebenden Kinder können ihren natürlichen Bewegungsdrang schwer ausleben. Kleine Kinder fordern Bewegung ein - schließlich sind die neu erworbenen Fähigkeiten, wie Rennen, Hüpfen und Springen, noch etwas Besonderes. Eltern können in diesem Alter den Grundstein für die Freude an körperlicher Aktivität fördern - oder sie eben verkümmern lassen. Mit ansteigendem Alter nimmt die Nutzung von Fernseher, Computer und Spielkonsolen in der Regel weiter zu - und die Bewegungsfreude ab. Je älter die Kinder, desto schwieriger wird es deshalb auch, sie zu ausreichender Bewegung zu motivieren. So sind Grundschüler beispielsweise noch wesentlich aktiver, als die Elf- bis 17-Jährigen. Hier sind die Eltern gefragt, die ihren Kindern ein sportliches Leben vorleben, ihnen Angebote schaffen und mit ihren Kindern fit bleiben können.
Zu der Computer-, Fernseh- und Ernährungsproblematik kommt, dass es immer weniger Sportunterricht an den Schulen gibt und die Kinder und Jugendlichen auf den Schulhöfen häufig keine Bewegungsmöglichkeiten mehr haben. Die AOK bemängelt, dass in den letzten Jahren der Sportunterricht immer häufiger zu Gunsten von Fachunterricht ausgefallen und die Anzahl der Schulsportstunden insgesamt rückläufig ist. Dabei haben Studien der kognitiven Neurowissenschaft deutlich gezeigt, wie wichtig Bewegung für die Gehirnentwicklung ist. Viele grundlegende Entwicklungsprozesse des Menschen werden durch Bewegung ermöglicht und unterstützt. Ohne Bewegung können Schüler den Lernstoff nicht optimal aufnehmen, so die AOK. Durch Bewegungen werden bereits im Mutterleib Kontaktstellen zwischen Nervenzellen im Gehirn gebildet, die so genannte Synapsenstrukturierung, die sich im frühen Kindesalter fortsetzt. Neben Spracherwerb und -entwicklung sind motorische Erfahrungen für Kinder auch nötig, um eine Bildvorstellung zu entwickeln, die beispielsweise eine Voraussetzung für Rechenvorgänge bildet. Es sei absolut falsch, den Mathe-, Physik- oder Englischunterricht vorzuziehen und dabei den Sportunterricht wegfallen zu lassen, da Bewegung zu mehr Energie, Vitalität und Kreativität führe. Sie unterstützt die Schüler durch verbesserte Konzentration beim stressfreieren Lernen.
Obwohl es in Deutschland viele Möglichkeiten gibt, sich fit zu halten: Viele Menschen wissen häufig nicht, dass sie ihrem Wohlbefinden und ihrer Gesundheit mit zu wenig Bewegung schaden. Außerdem fällt es vielen schwer, sich und ihren Nachwuchs zu motivieren. Dabei ist es einfach, Bewegungsspiele in den Alltag einzubauen und selbst alltägliche Abläufe spielerisch zu verpacken. So können Spaziergänge vom Stadtpark in den Wald oder aufs Feld verlegt werden, wo für die Kinder Anreize zum Toben, Verstecken, Balancieren und Werfen quasi am Wegrand liegen. Gerade jetzt im Herbst bieten sich etwa Kastanien sammeln, Spiele im Laub oder die letzten Fahrradtouren an, um in Bewegung zu bleiben.
Jenni Zwick
s schrieb:
am 24. Mai 2010 um 21:17:27
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wie witzig
Ganz toller Artikel ich würde ihn sofort in der Schule meines Sohnes vorlegen, denn wir werden gezwungen ihn mangels Alternativen
auf eine Ganztagsschule zu schicken mit sage und schreibe vier Schulstunden Sportangebot. Komischerweise bin ich als Sportler nicht i der Lage eine Minute auf einem Bein zu stehen, meine kinder könnens auch nicht, trotzdem sind sie sportlich aktiv. Dafür konnten sie mit drei Radfahren, mit fünf schwimmen ,mit zwei schaukeln und bei jeder Gelegenheit mit Inliner weg
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Harald schrieb:
am 15. April 2010 um 23:48:27
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Motorik mangelhaft
Nur einer von vielen tausend blödsinnigen Artikeln von Autoren mit "Wissen" aus dritter Hand.
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SET schrieb:
am 22. März 2010 um 12:59:16
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Dick
Wie die Eltern so die Kinder, sagt man doch immer. Da sieht man, dass es unserer Gesellschaft viel zu gut geht. XD
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