21.12.2011, 16:02 Uhr | sca
Wie viel Konsequenz benötigt gute Erziehung? (Quelle: imago)
Ob es ums Anziehen geht, das Aufräumen oder Zähneputzen - Ricarda R. stöhnt über die alltäglichen Kämpfe mit ihrer fast vierjährigen Tochter Joline. "Manchmal locke ich mit Belohnungen, manchmal arbeite ich mit Erpressung und Bestrafung, zum Beispiel dem Entzug der Gute-Nacht-Geschichte." Wie Ricarda R. geht es vielen Eltern. Tag für Tag versuchen sie, ihren Nachwuchs zu einem gewünschten Verhalten zu bewegen oder unerwünschtes zu unterbinden. Helfen Strafen dabei weiter? Erziehungsexperten sagen: "Nein" - und raten stattdessen zu liebevoller, aber absoluter Konsequenz.
"Strafen sind oft etwas sehr Willkürliches. Eltern verhängen Sanktionen meist in einem höchst emotionalen Zustand, die Strafen sind unangemessen und haben nichts mit der Tat an sich zu tun", beobachtet die Psychotherapeutin Gudrun Halbrock aus Hamburg. Sie arbeitet seit vielen Jahren mit Eltern und Kindern in ihrer Praxis. "Wer bestraft wird, entwickelt selber Wut und wird kaum sein Fehlverhalten einstellen." Wenn er dies doch macht, dann nur, um der Bestrafung zu entgehen und nicht aus Einsicht. Die aber ist Voraussetzung, um ein bestimmtes Verhalten zu ändern.
Sinnvoll sind Sanktionen nach Ansicht von Erziehungsexperten dann, wenn Kinder etwas aus ihnen lernen können. Statt wütender und willkürlicher Ge- oder Verbote sollten Eltern deshalb ihre Kinder natürliche und logische Konsequenzen erleben lassen. Diese stehen in einem direkten zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang zur Tat. "Eine Konsequenz ist eine logische Folge, die sich aus dem Verhalten des Kindes ergibt", erläutert Christine Falk-Frühbrodt, Pädagogische Leiterin des Instituts für integratives lernen und Weiterbildung in Teltow (Brandenburg). Ein Beispiel: Das Kind trödelt bei den Hausaufgaben - und hat deshalb an diesem Tag keine Zeit mehr, sich mit Freunden zu treffen. Kommt ein Kind auch nach mehrfacher Aufforderung nicht oder zu spät zu Tisch, muss es das Essen eben kalt essen oder bis zur nächsten Mahlzeit warten.
Konsequenzen können vom Kind aber durchaus als Strafen empfunden werden, sagt Falk-Frühbrodt. "Wer als Eltern sagt "Weil du die Hausaufgaben so endlos in die Länge gezogen hast, musst du jetzt zu Hause bleiben" und seine Worte mit einem anklagenden Tonfall und Gesichtsausdruck verstärkt, wird auf den kindlichen Wutanfall nicht lange warten müssen." Besser sei ein ehrlich gemeintes "Schade! Jetzt ist es so spät geworden, dass du keine Zeit mehr für deine Freunde hast."
Beim Dauerbrenner-Thema Aufräumen zum Beispiel können Eltern den Kindern klarmachen, dass Spielsachen auf dem Boden beim Putzen stören - und deshalb eine Zeitlang im Schrank verschwinden müssen. Taschengeldentzug für ein unaufgeräumtes Zimmer erscheint aus dieser Perspektive also eher sinnlos, da Sanktion und Verhalten in keinem logischen Verhältnis zueinander stehen (Taschengeldentzug: Ein untaugliches Mittel?).
Heidemarie Arnhold, Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung in Berlin, rät Eltern: "Machen Sie aber immer deutlich, dass Sie die Konsequenzen nur auf ein bestimmtes Verhalten des Kindes, nie aber auf seine ganze Person beziehen." Wenn Eltern in ihrer Haltung nicht klar sind, fühlten sich Kinder schnell komplett abgelehnt und hätten das Gefühl "Mama oder Papa mag mich nicht".
Einigkeit herrscht unter den Expertinnen, dass Konsequenzen zuvor immer angekündigt werden müssen. Voraussetzung hierfür sei, dass den Kindern bestimmte Regeln und Grenzen bekannt sind. Halbrock hat mit der Methode des "Familienrates" gute Erfahrungen gemacht. Mit Kindern ab etwa vier Jahren könnten Eltern schon eine Menge Regeln gemeinsam festlegen. Doch sie warnt auch davor, jedes Detail zu diskutieren: "Kinder brauchen manchmal einfach eine klare Ansage. Regeln und Grenzen geben ihnen Sicherheit."
Eine Erziehung, die ausschließlich auf Lob setzt, halten die Expertinnen für illusorisch. Es sei normal, dass Kinder Grenzen testen, und die müssten die Erwachsenen setzen. "Kinder müssen auch Rücksicht und Gemeinschaftsgefühl lernen, das geht nicht nur durch Lob", ist sich Gudrun Halbrock sicher. Auch Falk-Frühbrodt hält positive wie negative Rückmeldungen für gleichermaßen wichtig. Es komme aber darauf an, wie man negative Rückmeldungen verpackt.
Merken Eltern, dass sie mit ihren Sanktionen über das Ziel hinausgeschossen sind, sollten sie dies unbedingt eingestehen und sich bei den Kindern entschuldigen. "Viele Eltern denken, sie machten sich damit unglaubwürdig", sagt die Psychotherapeutin Gudrun Halbrock aus Hamburg, "aber das hat überhaupt nichts mit Inkonsequenz zu tun. Kinder sollen ja lernen, Verantwortung für Fehler zu übernehmen. Und das tun sie immer noch am besten am Modell der Eltern."
Quelle: t-online.de
edith schrieb:
am 9. August 2011 um 10:49:16
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ich kann
mich nicht erinnern, daß unsere Mutter jemals über o.g. ALLTÄGLICHE Dinge, wie Zähneputzen, Zubettgehen und Aufräumen, mit uns
diskutiert hat.
Diese Angelegenheiten wurden einfach getan und waren so selbstverständlich wie das gemeinsame Abendessen, weil sie ständig und jeden Tag wiederholt wurden, ohne Ausnahme.
Lief dann in meinem Haushalt ebenso.
Wir sind übrigens 5 Geschwister.
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