
31.01.2011, 10:22 Uhr | Nora Schultz
Belohnungen steigern den Gemüsehunger bei Kindern. (Foto: imago) (Quelle: imago)
Soll man Kinder bestechen, damit sie gesünder essen? Klappt nie, warnten Forscher bisher - neue Studien aber besagen das Gegenteil. Mit viel Lob oder Aufklebern als Belohnung kann man den Gemüsehunger beim Nachwuchs durchaus steigern. Und das sogar auf Dauer.
Fast alle Eltern kennen den Kampf, ihre Kinder zum gesunden Essen zu bewegen. Insbesondere Gemüse ist häufig unbeliebt oder wird gar nicht erst probiert. Wer jedoch den Nachwuchs mit Aussicht auf Belohnung zum Brokkolifuttern überreden will, wird seit Jahren von Experten und Ratgebern gewarnt: Bestechungsversuche, so der Konsens, lassen die beworbene Nahrung nur noch unappetitlicher erscheinen und verhindern erst recht, dass Kinder zu echten Gemüsegourmets werden.
Jetzt jedoch haben britische Forscher die heikle Frage nach Belohnungen für gesundes Essen neu gestellt und kommen zu ganz anderen Ergebnissen: Richtig eingesetzt sind kleine Aufmerksamkeiten, die Kinder zum Gemüseessen anspornen sollen, nicht nur unschädlich, sondern sie beeinflussen das Essverhalten sogar besonders nachhaltig positiv.
Lucy Cooke und Kollegen vom University College London boten hierzu 422 Vier- bis Sechsjährigen zwölf Tage lang Karotten, rote Paprika, Zuckerschoten, Weißkohl, Gurke und Stangensellerie an. Vor und nach dem Versuch fragten sie die Kinder, wie gerne sie die jeweiligen Gemüsesorten mochten. Außerdem führten die Forscher Buch darüber, wie viel von der Auswahl die Kinder tatsächlich aßen. Eine Gruppe Kinder bekam das Gemüse dabei lediglich regelmäßig angeboten, während Kinder in der zweiten Gruppe für jeden Bissen gelobt wurden und Kinder in der dritten Gruppe zur Belohnung Aufkleber erhielten.
Wie das Team jetzt im Fachblatt "Psychological Science" berichtet, steigerte das Experiment die Beliebtheit von Gemüse zunächst in allen drei Gruppen vergleichbar stark.
Anders sah es bei der tatsächlich verzehrten Gemüsemenge aus: Die stieg zwar auch in allen Gruppen, aber deutlich mehr bei den Kindern, die gelobt oder belohnt worden waren. In weiteren Tests jeweils einen Monat und drei Monate nach dem Experiment aßen allerdings nur noch die Kinder in Gruppe zwei und insbesondere in Gruppe drei deutlich mehr Gemüse als vor der Studie, während der Gemüsehunger der Kinder in Gruppe eins nicht mehr nachweislich höher war als vor dem Versuch.
Obwohl die Angaben der Kinder zur Popularität von Gemüse sich also unabhängig von Lob oder Belohnung sehr ähnelten, brachten nur zusätzliche Anreize und hier vor allem die Aufkleber die Kinder dazu, auch langfristig wirklich mehr Gemüse zu essen.
"Wir wissen, dass über die Hälfte aller Mütter versucht, ihre Kinder mit Belohnungen zum Essen zu bewegen, trotz der weitverbreiteten Meinung, dass dies schädlich sein könnten", erklärt Lucy Cooke. "Umso wichtiger erschien es uns, noch einmal zu prüfen, ob es nicht doch Wege gibt, Belohnungen auf unbedenkliche und vielleicht sogar effektive Weise als Essensanreize einzusetzen."
Helen Hendy von der Pennsylvania State University, die nicht an der aktuellen Arbeit beteiligt war, hat in eigenen Studien ebenfalls festgestellt, dass die richtigen Worte viel ausmachen können, um die gesunde Ernährung von Kinder zu fördern. Neben Lob sei es vor allem sehr effektiv, den Geschmack des gewünschten Essens immer wieder anzupreisen. Cookes Ergebnisse zum Einsatz kleiner Belohnungen findet sie überzeugend, warnt jedoch entschieden davor, anderes Essen oder gar Süßigkeiten als Anreiz zu versprechen: "Lieblingssnacks als Belohnung dafür anzubieten, dass man etwas anderes isst oder probiert, führt nur dazu, dass Gemüse im Vergleich zum Lieblingsessen besonders unattraktiv wirkt."
Katja Kröller von der Universität Potsdam, die erforscht, wie man Übergewicht bei Kindern vorbeugen kann, sorgt sich jedoch, dass genau diese Strategie am entscheidenden Ort, nämlich in der Familie, viel zu oft zum Einsatz kommt: "Fragt man Eltern nach ihren Belohnungsstrategien, so wird häufig gerade beliebtes Essen, wie Süßigkeiten, als Belohnung für erwünschtes Verhalten oder sogar den Verzehr von unbeliebtem Essen, wie Gemüse, eingesetzt."
Damit es mit dem Gemüsegenuss auch in der Familie klappe, sei es nach ihren Ergebnissen besonders wichtig, dass Eltern explizites Vorbildverhalten bei ihren eigenen Essgewohnheiten zeigten. Aufkleber zur Belohnung hält sie trotzdem für eine aussichtsreiche Idee - solange gezeigt werden könne, dass diese Strategie auch im Rahmen familiärer Mahlzeiten klappt - und nicht nur in der Schule, wo ganz andere Strukturen vorherrschten als daheim.
Das sieht Lucy Cooke ähnlich, und die entsprechende Studie läuft schon. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Sie deuten darauf hin, dass der Aufklebertrick zu Hause sogar noch besser klappt.
Quelle: Spiegel Online
Ulla schrieb:
am 1. Februar 2011 um 11:41:07
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@Tja
Kids gehen nach dem Motto "was ich nicht kenne, esse ich nicht", also ist logisch, dass sie rumnerven, wenn sie Gemüse gar nicht
kennen. Wenn man ihnen von ganz klein an öfter mal Gemüsebrei gibt, ist das in der Regel kein Problem. Und wenn Gemüse doch auf große Ablehnung stößt, kann man es auch "versteckt" servieren, z.B. püriert als cremige Suppe oder fein geraspelt im Pfannkuchen- oder Waffelteig oder in Frikadellen. Einfach ein bisschen erfinderisch sein und ausprobieren!
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Sunny schrieb:
am 1. Februar 2011 um 09:37:29
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Kinderernährung
Was für ein Armutszeugnis von Tja ! Wir als Erziehungsberechtigte haben die Pflicht, den Kindern die richtigen Werte zu
vermitteln. Kinder sollten diesbezüglich gefördert werden, Essgewohnheiten gemäß den heutigem Wissensstandard über gesunde Ernährung zu verinnerlichen. Eltern haben eine Verantwortung gegenüber den Kindern, diesen den Weg für eine bessere Gesundheit in jungen Jahren nicht schon zu verbauen und nicht den Weg des geringsten Widerstands zu gehen.
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pedro schrieb:
am 31. Januar 2011 um 18:06:51
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Bestechung
Bestechung lohnt sich auf jeden Fall. Das hat unsere Demokratie ja in den letzten Jahrzehnten bewiesen. Warum sollte das bei
Kindern nicht auch wirken, was bei unseren Politikern so erfolgreich angewendet wird.
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