13.07.2011, 11:50 Uhr
Dieser Junge hat es faustdick hinter den Ohren. Er mag seine Mama nur, wenn sie ihm Kekse gibt.
Morgens Schokomüsli, mittags Pfannkuchen und zwischendurch Limo: Wenn Kinder über ihren Speiseplan selbst entscheiden könnten, sähe der vermutlich sehr zuckrig aus. "Es liegt aber in der Verantwortung der Eltern, dass ihre Kinder Süßes nur in Maßen konsumieren", sagt Dagmar von Cramm, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin aus Freiburg.
Auch wenn der Trend zum Übergewicht bei Kindern langsam stagniert, bleiben die Ergebnisse des vom Robert-Koch-Institut geleiteten Jugendgesundheitssurveys "KiGGs" alarmierend: In Deutschland gelten etwa 15 Prozent aller Kinder im Alter zwischen drei und 17 Jahren als übergewichtig. Zu fettes Essen, viele Fertigprodukte und zu wenig Bewegung sind die Ursachen. "Viele übergewichtige Kinder essen aber auch einfach viel zu viel Süßes zwischendurch oder trinken ständig gezuckerte Säfte und Limonaden", sagt von Cramm.
Die Ernährungsexpertin weiß aus ihrem eigenen Alltag als Mutter von drei Kindern, wie wichtig eine konsequente Ernährungserziehung ist: "Man sollte schon ganz früh damit beginnen, Kinder an eine vielseitige, natürliche Ernährung heranzuführen." Denn der Körper gewöhnt sich schnell an das Süßgefühl und verlangt immer mehr. Schon bei Babys und Kleinkindern sei es deshalb ratsam, auf gezuckerte Produkte zu verzichten. Statt den industriell gefertigten Babybrei aus der Packung zu verfüttern, könne aus frischem Obst und Getreide mit wenig Aufwand ein eigener Brei hergestellt werden, sagt von Cramm: "Für die Kinder ist diese natürliche Süße völlig ausreichend."
Eine Tafel Schokolade gibt es schon für 40 Cent, die Tüte Weingummi für wenig mehr: Süßigkeiten sind heute so billig wie noch nie zuvor. "Das sollte sie aber nicht zu einem Grundnahrungsmittel machen", sagt Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth. "In vielen Familien ist es leider ganz selbstverständlich, dass die Schränke voll mit Naschereien sind und allzeit zur Verfügung stehen." Für Kinder würden die kalorienreichen Riegel und Bonbons auf diese Weise aber zur Selbstverständlichkeit. "Süßigkeiten sollten aber ein Genuss- und kein Lebensmittel sein", betont Dagmar von Cramm. Sie rät Eltern, Süßes nur zu einem bestimmten Anlass zu kaufen, beispielsweise Schokolade für einen Geburtstag oder die Tüte Chips für den Familienabend.
Sogar mit vermeintlich gesunden Lebensmitteln nehmen Kinder schon viel Zucker auf. Ob Fruchtjoghurts, Obstquark, Ketchup oder Müsli-Mix: "In vielen Produkten ist eine ganze Menge Zucker enthalten, ohne dass Eltern sich dessen bewusst sind", sagt Engel. Wichtig sei, als Eltern ein gutes Vorbild zu sein: "Eltern sollten natürlich nicht ständig naschen, wenn sie wollen, dass die Kinder verzichten." Von einer Süßigkeitenschublade, wie sie in vielen Haushalten üblich ist, raten beide Experten ab. Stattdessen sollten Eltern die Süßigkeiten außer Reichweite der Kinder lagern.
Kinder lieben Süßigkeiten, das wird sich wohl nie ändern. "Muss es ja auch nicht", sagt von Cramm. "Die Menge macht es eben." Die Ernährungswissenschaftlerin empfiehlt eine klare Lebensmittelpolitik in der Familie: "Süßigkeiten müssen etwas Besonderes und damit Seltenes sein." Das heißt: Nicht jeden Nachmittag Kuchen, sondern nur am Sonntag. Und nicht jeden Abend Kekse oder Chips, sondern nur am langen Familienkinoabend. Das gelte auch für süße Limonaden oder Saftschorlen: "Auch eine Apfelschorle ist nicht ohne", sagt von Cramm. "Ich empfehle maximal ein Glas pro Tag." Als Durstlöscher sollten Kinder von klein auf an Wasser gewöhnt werden. "Wenn es dann am Geburtstag mal ausnahmsweise süße Limo gibt, ist das natürlich völlig in Ordnung", sagt Engel. Oft würden Kinder, die sonst nur Wasser gewöhnt sind, aber gar nicht mehr so viel Wert auf Limonade legen.
Was auf dem eigenen Tisch landet, können Eltern steuern. Das gelingt jedoch kaum, wenn die Kinder bei Freunden oder den Großeltern sind. "Es ist okay, wenn Kinder woanders mehr Süßes bekommen", sagt von Cramm. "Das ist dann eben eine Ausnahmesituation." Auf Diskussionen, frei nach dem Motto "Meine Freunde dürfen aber ständig Süßes essen", sollten Eltern sich hingegen nicht einlassen, rät Engel. "Erklären Sie Ihrem Kind lieber, was Süßigkeiten so alles anrichten mit der Gesundheit." Übermäßiger Zucker mache schließlich nicht nur dick, er schadet auch den Zähnen und kann zu Diabetes führen. Dagmar von Cramm empfiehlt auch den bewussten Umgang mit Lebensmitteln. "Pflanzen und pflücken Sie mit Ihren Kindern Erdbeeren, backen Sie Brot oder kochen Sie gemeinsam, das schafft positive Anreize."
Früher war eine Tafel Schokolade noch ein Luxusartikel, der gerne als Belohnung für besondere Taten eingesetzt wurde. "Heute sollten Eltern lieber Zeit schenken, anstatt ihrem Kind für gute Zensuren Süßigkeiten in die Hand zu drücken", sagt Engel. Auch als Trostpflaster seien Eis und Co. gefährlich: "Wer bei schlechter Stimmung oder Traurigkeit mit Süßem getröstet wird, greift auch als Erwachsener noch zum Zuckertopf, wenn die Laune in den Keller sinkt."
Quelle: dpa-tmn
nicole schrieb:
am 25. Juli 2011 um 14:36:19
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kinder nicht mit süßigkeiten belohnen
wenn man ihnen aber nichts gibt,holen sie es sich heimlich, abundan gibt es bei uns schon schleck,
aber vorher wird obst gegessen ich schaue sehr arg drauf was meine kinder essen.und wenn es nicht jeden tag ist kann es auch nicht so schlimm sein.
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Ted schrieb:
am 22. Juli 2011 um 15:48:36
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gesundes Essen
Eine meiner Schwestern ist sehr auf gesunde Ernährung bedacht. Als sie mal ihre Kleine fürs Wochende zur Oma brachte, sprach
diese, kaum waren die Eltern ausser Sicht: " Oma, hast du nicht was ungesundes?"
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Sperling schrieb:
am 16. Juli 2011 um 11:55:19
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Süßes
Teilweise richtig - aber ich gebe zu bedenken: Was heute versagt wird, das wird morgen viel zu viel genossen, es kann auch eine
regelrechte Sucht nach sich ziehen. Richtig ist immer noch (und das galt schon immer): In Maßen genossen, kann nicht falsch sein. Das haben mir auch schon Ärzte bestätigt. Und in ein paar Jahren wird man darauf auch wieder zurückkommen (wie jetzt bei Salz).
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