vom Wed Oct 14 11:15:48 CEST 2009 | mmh
"Ich will nur ein Mädchen!" Viele Eltern haben ein Wunschgeschlecht, bewusst oder unbewusst. Manche äußern ihre Hoffnung offen, viele schweigen sich darüber aus, andere wollen vom Gynäkologen auf keinen Fall wissen, was er auf dem Ultraschall erkennt, andere wollen es so bald wie möglich wissen, um das Kinderzimmer dementsprechend zu gestalten und die ersten Strampelanzüge passend auszuwählen. In der westlichen Welt haben beide Geschlechter die selben Chancen in der Ausbildung, Karriere und Lebensgestaltung – zumindest offiziell. In der asiatischen Welt der Ein-Kind-Familie sieht es schon anders aus oder in Kulturen, die Männer den Frauen überordnen. Kann man das Geschlecht des Kindes bei der Zeugung beeinflussen? Ist das noch Wissenschaft oder eher dem Reich der Mythen zuzuordnen?

Kann man das Geschlecht des Babys bei der Zeugung beeinflussen? (Bild: Imago)
Lässt sich das Geschlecht wirklich bei der Zeugung beeinflussen? Wenn ja, wovon hängt es ab? Oder gibt es nur hinterher mehr oder weniger verlässliche Hinweise auf das Geschlecht des heranreifenden Kindes? Beispiel: Isst die Mutter viel Müsli wird es ein Junge? Das mit dem Müsli ist tatsächlich gar nicht so falsch. Denn Wissenschaftler in Exeter haben angeblich herausgefunden, dass die Ernährung der Mutter rund um die Zeugung ein wichtiger Faktor ist: kalorien- und nährstoffreiche Kost führt eher zur Empfängnis eines Jungen, kalorienarme Diäten eher zu der eines Mädchens.
Auch eine termingerechte Punktlandung der Spermien kann das Geschlecht beeinflussen, genau zum oder kurz danach ist die Wahrscheinlichkeit einen Jungen zu zeugen größer, die Tage davor gehören den Mädchen, so heißt es in der Shettles-Methode (Dr. Landrum Shetlles, "How to choose the sex of your baby"). Denn die männlichen XY-Spermien schwimmen schneller an ihr Ziel, leben aber nicht so lange wie die langsameren, aber robusteren weiblichen XX-Chromosom-Träger. Kurz vor Torschluss stechen also die männlichen Spermien die weiblichen aus und überholen. Je mehr Spermien in der Samenflüssigkeit sind, desto eher wird es ein Mädchen, und die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs beeinflusst die Qualität der Spermien und somit die Zusammensetzung in der Samenflüssigkeit. Die Faustregel heißt also: Je mehr Sex, desto weniger Spermien mit dem männlichen Y-Chromosom, desto mehr Mädchen. Spezialisten behaupten ja, dass auch die Stellung beim Sex eine Rolle spielt. Die sogenannte "Missionarsstellung" kommt den langsamen Mädchen-Samen entgegen, der "doggy-style" den männlichen Schnellschwimmern unter den Spermien.
„Ich wünsche mir mal eine Tochter, dann kann ich Zöpfchen flechten, ihr süße Klamotten anziehen, mit ihr tanzen, ach das wäre schön“, träumte die Friseurin neulich im Friseursalon, als sie einem niedlichen zehn Monate alten Mädchen seinen ersten Haarschnitt verpasste. „Mein Vater war immer enttäuscht, dass er keinen Sohn zum Kicken hatte, bis er mich einmal zum Bolzplatz mitnahm und die Kumpels aus seiner Mannschaft meinten, du kannst aber stolz auf dein Mädel sein, die hat einen richtig guten Schuss! Ab da durfte ich in die Jugend-Mannschaft, die mein Papa trainierte“, setzt ihre Kollegin nach. Und die Mutter der kleinen Friseur-Kundin schmunzelt: "Mir war es eigentlich egal - Hauptsache gesund!“ Da meldet sich noch eine Stimme zu Wort, unter der Trockenhaube: „Ich hatte fünf Mädchen, die ich während des Krieges alleine groß ziehen musste.“ Die alte Dame hat Tränen in den Augen. „Ich war froh, dass ich keinen Sohn hatte, der jemals als Soldat in einen sinnlosen Krieg ziehen musste.
Die eigenen Erfahrungen mit Geschwistern, das Verhältnis zu Mutter oder Vater in der Kindheit, die Wünsche für die Zukunft des Kindes beeinflussen das Wunschgeschlecht. Mancher hat Angst vor den komplizierten, zickigen Teenager-Mädchen, die allerdings als kleine Mädchen viel „pflegeleichter“ sein sollen, als die sensiblen, hochkompliziert tickenden und gar nicht so wilden kleinen Kerle, die sich überhaupt nicht von Mamas Rockzipfel lösen wollen, dafür fast unbeschadet durch die Pubertät rutschen. Werdende Mamas sehnen sich schon danach, kleinen Mädchen Zöpfchen zu flechten und später auf gemeinsame Shopping-Tour zu gehen, Papas können es kaum erwarten, ihren Sprösslingen die ersten Fußballschuhe zu schenken. Andere haben einfach die Sehnsucht nach drei Jungs, noch ein Mädchen zu bekommen oder endlich den lang festgelegten Jungennamen nach zwei Mädchen zur Anwendung zu bringen. Manche Paare wollen einfach „von jedem eines“. Die Gründe für ein Wunschgeschlecht sind vielfältig.
„Unsere Tochter war immer ein Papa-Kind, unser Sohn ein sehr anhängliches Mama-Kind. Als die beiden so langsam Richtung Pubertät gingen, wurde ich für meine Tochter die interessantere Partnerin und mein Sohn suchte sich das männliche Vorbild“, erzählte eine 42jährige Mutter eines zwölfjährigen Sohnes und einer 14-jährigen Tochter, „so hatte jeder von uns sein Wunschkind, allerdings wechselnd".
Selbst der beste Ultraschall kann täuschen. Manchmal verkündet der Arzt einfach eine Falschmeldung, trotz bester Diagnose. Natürlich ist es dann doof, das rosa gestrichene Kinderzimmer himmelblau umzudekorieren, Überraschung und Enttäuschung können dann groß sein, ja bis zum regelrechten Schock im Kreißsaal, aber hoffentlich ist diese Reaktion nur vorübergehend und führt nicht zur Ablehnung des Kindes. Denn wie sich die Beziehung zum Kind entwickeln wird, ob das Wunschgeschlecht wirklich ideal passt, das lässt sich sowieso nicht vorhersagen.
mmh
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