22.12.2011, 12:50 Uhr | mmh
Grünen-Politikerin klagt gegen Erziehungsratgeber, die zur körperlichen Züchtigung von Kindern aufrufen. (Quelle: imago)
Strafanzeige gegen Prediger: Die niedersächsische Grünen-Fraktionsvize Miriam Staudte hat Strafanzeige gegen die Herausgeber von Erziehungsratgebern aus evangelikalen Verlagen gestellt. Damit reagierte sie auf einen NDR-Bericht, wonach in diversen Veröffentlichungen der Verlage zur Züchtigung von Kindern mit der Rute aufgefordert werde, wie ein Fraktionssprecher in Hannover sagte.
"Wer Kinder schlägt, begeht nicht nur Körperverletzungen, sondern schädigt die Entwicklung eines Kindes für das ganze Leben", sagte Staudte. Die Politikerin nahm in ihrer Anzeige Bezug auf einen Bericht von NDR.de und "Hallo Niedersachsen", wie es auf der NDR-Homepage heißt. Darin wurde aus christlichen Erziehungsratgebern zitiert, in denen die körperliche Züchtigung trotz Verbots in Deutschland als Erziehungsmethode gepriesen wurde. Auch der Prediger Wilfried Plock hatte so argumentiert: "Es gibt einen extra von Gott gepolsterten Platz mit vier Buchstaben: P-O-P-O. Da kann man Kinder unter Umständen hinschlagen, auch mit einer Rute."
Seit Ende der 90er-Jahre ist gesetzlich festgeschrieben: Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Gezielte Schläge mit einem Stock oder einer Rute seien keine Bagatelldelikte, sondern Körperverletzung, diese könnten entsprechend geahndet werden.
Die eigenen Kinder mit der Rute züchtigen, weil das so in der Bibel stehe - christliche Prediger, die dazu aufrufen oder Buchverlage, die solche Thesen verbreiten, rufen nach Ansicht der Grünenpolitikerin Miriam Staudte zu Straftaten auf, so NDR. Deshalb hat die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Niedersächsischen Landtag Strafanzeige gestellt: gegen die Herausgeber der evangelikalen Erziehungsratgeber sowie gegen den Prediger Wilfried Plock. Plock ist Leiter eines Zusammenschlusses von mehr als 200 Gemeinden in Deutschland, der "Konferenz für Gemeindegründung" (KfG). Er ist häufig auf Vortragsreisen und spricht zu "Ehe und Familie".
Staudte sieht in den Ausführungen der betreffenden Veröffentlichungen eine "Aufforderung zur Straftat". Sie fordert laut NDR: "Um das Wohl der Kinder zu schützen, müssen solche Ratgeber umgehend aus dem Verkehr gezogen werden". Staudte appelliert an Verlage und Versandanbieter, die entsprechenden Druckwerke aus dem Verkehr zu ziehen.
Laut NDR erzählte Wilfried Plock in einem seiner Vorträge wie er einmal seine Kinder bestraft habe, da sie Süßigkeiten gestohlen hätten: "Es war klar. Der Sohn bekommt zehn Schläge mit dem Stock auf den Po und die Tochter fünf. Und das haben wir gemacht und das hat beiden wehgetan. Das soll wehtun!" Dieser Vortrag war lange Zeit online abrufbar, nachdem jedoch der NDR kritische Fragen dazu gestellt hatte, wurde er entfernt.
Prediger Plock sagte auf Anfrage des NDR, er weise seit Anfang dieses Jahres in seinen Vorträgen ausdrücklich auf die Gesetzeslage und mögliche strafrechtliche Folgen hin. "Ich überlasse es dann den Hörern, ob sie an dieser Stelle Gott und dem Wort der Heiligen Schrift mehr gehorchen wollen als den Menschen oder nicht", so Plock.
In einem weiteren Vortrag empfahl der Prediger ein Buch zur Kindererziehung eines anderen Autors, Ted Tripp. Der Amerikaner rät ebenso zur körperlichen Bestrafung von Kindern in der Erziehung, seine Bücher sind vergriffen. Auch er hält Vorträge, auch in Deutschland in evangelikalen Gemeinden.
Er gibt "praktische Ratschläge zur körperlichen Züchtigung", diese staffelt er nach Altersstufen. Er rät dazu, so berichtet der NDR, das Kind in einen privaten Raum zu führen, ihm zu sagen, wie viele Schläge es bekomme und dann die Hose auszuziehen. Der NDR zitiert Tripp: "Der Grund ist offensichtlich: Ich will nicht, dass die Wirkung der Züchtigung durch die Hose verloren geht."
Eine Mutter habe ihm mal erzählt, sie schlage ihren Zweijährigen und der lache nur. Auf der NDR-Homepage ist nachzulesen: Tedd Tripp weiß, woran es gelegen hat: "Sie hat versucht, ihn durch zwei Windeln und noch eine Hose hindurch zu züchtigen. Und da hab ich zu ihr gesagt: Der hat wahrscheinlich noch nicht mal gewusst, dass du da bist." Eltern müssten "das Brett der Erziehung am Gesäß der Erkenntnis anbringen", so dass die Kinder es spüren.
Für evangelikale Christen ist die Bibel Grundlage für alle Lebens- und Glaubensfragen. Daraus leiten sie strenge Regeln für ihr Leben ab. Abtreibung lehnen sie entschieden ab. Ihr Ideal ist die klassische Familie, Homosexualität gilt als Sünde. Die evangelikale Bewegung besteht aus unterschiedlichen Gruppen und Gemeinden. Rund 1,3 Millionen Evangelikale leben in Deutschland, so der evangelikale Dachverband Deutsche Evangelische Allianz.
Der NDR hatte mit Kerstin Gäfgen-Track, Oberlandeskirchenrätin der evangelischen Kirche in Hannover über derartige christliche Erziehungsratgeber gesprochen, in denen Eltern geraten wird, ihre Kinder zu züchtigen. Kerstin Gäfgen-Track: "Ich bin völlig entsetzt, ich kannte diese Erziehungsratgeber nicht. " Die Kirchenrätin weiter: "Aus meiner Sicht sind solche Erziehungsratgeber völlig unverantwortlich. Kinder zu schlagen ist nach meinem biblischen Verständnis überhaupt nicht zu rechtfertigen. Die Bibel fordert vielmehr dazu auf, mit Kindern achtsam, sorgfältig, zärtlich und liebevoll umzugehen. Liebe ist der Weg, den die Bibel für die Kindererziehung vorschlägt."
Laut NDR berufen sich die christlichen Erziehungsratgeber auf verschiedene Bibelstellen, wie: "Wer seine Rute schont, hasst seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, züchtigt ihn beizeiten". Auf Anfrage des NDR verweist auch der Verleger der CD von Tedd Tripp auf die Bibel. Sie spreche "eindeutig von der Notwendigkeit und Nützlichkeit der Zucht".
Schon Ende der 90er-Jahre hatte eine Enquete-Kommission des Bundestags zu sogenannten Sekten und Psychogruppen festgestellt, dass in christlich-fundamentalistischen Gemeinden eine "mitunter deutliche Befürwortung disziplinierender, körperlicher Züchtigungen" verbreitet sei, schreibt der NDR. Und der Kriminologe Christian Pfeiffer kam dieses Jahr in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Kinder in evangelikalen Freikirchen besonders häufig geschlagen werden.
Quelle: t-online.de , dapd
tom schrieb:
am 22. Dezember 2011 um 19:22:23
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Züchtigung
Züchtigung und Mißhandlung sind zwei total unterschiedliche Sachen.....
wer einmal eine ordentliche Tracht Prügel für große
Dummheiten bekommen hat, hat eine viel größere Hemmschwelle vor Gewalt als die heutigen Muttisöhnchen und verwöhnten Lieblinge und Einzelkinder, niemand hat denen gezeigt wo ihre Grenzen sind !
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Bibelkenner schrieb:
am 22. Dezember 2011 um 19:17:46
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Rute????!!!!!
Totale Falschinterpretation!!! Das tut so weh!
Klar gibt es die "Rute der Zucht" in der Bibel. Aber es ist die Rede von
der Rute, die ein Hirte zum Schafehüten benützt.
Hat jemand von Euch schon mal einen Hirten gesehen, der seine Schafe prügelt? Der Hirtenstab benutzt, um ein Schaf in die richtige Richtung zu lenken, es .ggf einzufangen etc.!! Mann - zu was studieren die sooo lange, wenn so ein Stuß raus kommt.
Kein Wunder will keiner mehr was von der Bibel und Gott wissen!!!
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Pädagoge schrieb:
am 22. Dezember 2011 um 19:14:43
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@jojo
Na, ich würde manchmal auch gerne mal so einem Erwachsenen das Ende der Fahnenstange zeigen. Vielleicht so einem, wie Sie es sind.
Die nehmen es einem dann wenigstens nicht krumm, wenn man ihnen mal was aufs Maul haut!
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